Gebäudeplan der Helios-Klinik Cuxhaven: Ob in einem Jahr darauf noch die Abteilung für Rheumatologie verzeichnet sein kann, ist zweifelhaft. Foto: Reese-Winne
Gebäudeplan der Helios-Klinik Cuxhaven: Ob in einem Jahr darauf noch die Abteilung für Rheumatologie verzeichnet sein kann, ist zweifelhaft. Foto: Reese-Winne
Keine Nachfolge in Sicht

Epoche endet: Rheuma-Patienten in Cuxhaven droht im nächsten Jahr ein harter Schnitt 

von Maren Reese-Winne | 16.10.2025

Rund 3000 Patienten versorgt der Rheumatologe Dr. Matthias Braun heute in der Helios-Klinik Cuxhaven und einer eigenen Praxis - noch. Trotz eines Headhunter-Einsatzes gestaltet sich die Personalsuche auf einem leergefegten Markt aussichtslos.

In der rheumatologischen Versorgung des Cuxlands zeichnet sich für das kommende Jahr ein Versorgungsengpass ab, der Hunderte, wenn nicht sogar Tausende Betroffene in die Lage bringen wird, für eine langfristige Anbindung, Diagnostik und Therapie künftig weite Wege in Kauf zu nehmen - wenn ihnen dies überhaupt möglich ist.

Das betrifft sowohl die ambulante als auch die stationäre Versorgung. Der langjährige Chefarzt der Rheumatologie im Seehospital Sahlenburg und der Helios-Klinik Cuxhaven Dr. Matthias Braun wird Mitte des kommenden Jahres (zum 30. Juni) in den Ruhestand gehen, was er Patientinnen, Patienten und der Klinik seit langem angekündigt hat.

Hiesige Niedergelassene können es nur beschränkt auffangen

Neben der Tätigkeit in der Fachabteilung der Helios-Klinik versorgt Braun in einer eigenen Praxis auf dem Klinikgelände rund 3000 Patienten ambulant. Diese werden nur in beschränkten Maße künftig heimatnah versorgt werden können, sei es in der neuen eigenen Facharztpraxis von Dr. Ingo Hartig, der bis vor kurzem Chefarzt der Rheumatologie in der Helios-Klinik war, oder mit dieser Aufgabe beauftragten Ärztinnen und Ärzten anderer Fachrichtungen. 

Im Dezember 2021 schloss Chefarzt Dr. Matthias Braun die Tür des Helios-Seehospitals in Sahlenburg für immer mit ab - nun steuert er auf den Ruhestand zu.

Wer verschreibt ihnen die teuren Medikamente?

Viele haben sich längst Richtung Hamburg oder Hannover orientiert. Ob alle Hausärztinnen und Hausärzte in der Lage sein werden, den Betroffenen dauerhaft die vielfach sehr teuren Medikamente zu verschreiben, auf die diese angewiesen sind? Dr. Braun weiß es nicht, fürchtet aber Rückschritte für einige.

Er selbst bekommt die Nachwuchskrise immer wieder zu spüren, weil zu ihm Betroffene bis aus Nordrhein-Westfalen oder von der niederländischen Grenze anreisen, wie Tim Wozniak, Geschäftsführer der Helios-Klinik Cuxhaven, berichtet. Er kann die Erkenntnis der totalen Ebbe auf dem Personalmarkt für diese Disziplin nur bestätigen: Trotz des Einsatzes von Headhuntern sei weit und breit keine Nachfolge für die kleine Fachabteilung in Sicht.

In der Pädiatrie gab es in ähnlich schwierigem Umfeld einen Teilerfolg

"Genauso schwierig wie in der Pädiatrie", stellt er fest. Während für die Kinderheilkunde nach langer Suche  wenigstens eine neue Fachärztin an Bord geholt werden konnte, zeichne sich für die Rheumatologie, auch im ambulanten Bereich, trotz fortgesetzter Suche bislang keine Lösung ab. Wozniak macht den Patienten wenig Hoffnung: "Sie werden sich selbst kümmern und weite Wege in Kauf nehmen müssen", sagt er voraus.

Zwar sei die durch den Bund gewollte Einführung der Leistungsgruppen in Krankenhäusern um ein Jahr nach hinten verschoben worden (auf 2027), jedoch gelte ab dann die Forderung, dass jede Fachabteilung mit mindestens drei Fachkräften besetzt werden müsse. Ein Ziel, das ihm zum jetzigen Zeitpunkt, zu dem die Abteilung nur durch Dr. Braun und Oberärztin Dr. Karin Heyder besetzt ist, illusorisch erscheint, denn mit nur einer Nachbesetzung wäre es ja nicht getan. Allenfalls durch das Land zugestandene Sonderbedarfe könnten das ändern.

Bessere Aussichten für andere Bereiche

Tim Wozniak, Geschäftsführer der Helios-Klinik Cuxhaven, versichert: "Wir wollen auf eigenen Beinen stehen." Personalsuche ist nicht umsonst sein Tagesgeschäft.

Dafür zählt er einige bereits erreichte Verbesserungen und Nachbesetzungen in anderen Abteilungen auf. 2025 sei es gelungen, die Kosten für Honorarkräfte deutlich zu reduzieren: "Wir wollen auf eigenen Beinen stehen", so Wozniak. Die Erneuerung des Herzkatheterlabors im Juli und die Kooperation mit dem Kardiologen Dr. Nader Servati im MVZ GesundheitsNetzwerk Cuxland GmbH (Nachfolger Praxis Dr. Müntze) schlage sich in einer erfreulichen Resonanz nieder.

Kürzere Wege beim Schlaganfall

Neue medizintechnische Geräte habe auch die urologische Abteilung des Chefarztes Dr. Mohamed Al-Mwalad erhalten. Die neue Schlaganfalleinheit (Stroke Unit) habe seit Januar rund 150 Patienten versorgt. "Wir haben bewiesen, dass wir es können", so Wozniak. Durch kürzere Wege für den Rettungsdienst könnten Rettungsmittel wieder schneller für andere Einsätze verfügbar sein.

Für die zentrale interdisziplinäre Notaufnahme kündigt Wozniak sowohl eine Aufstockung der Medizintechnik (EKG-Geräte), eine Ausstattung aller Zimmer mit Patientenklingeln, Austausch und Verbesserung der Transportliegen und einen neuen Anstrich an. Nicht zu vergessen: Personell soll mit zwei Fachärzten (internistisch und unfallchirurgisch) nachgelegt werden, um Wartezeiten zu reduzieren.

Gynäkologie: Nachbesetzung ohne große Brüche

Zuversichtlich ist er für den Nachbesetzungsprozess in der Gynäkologie und Geburtshilfe nach dem Abschied des Chefarztes Prof. Dr. Dirk Kieback zum Ende des Jahres. Auch die Nachfolge der Gynäkologin Dr. Jaeger im MVZ Wagnerstraße soll idealerweise vorab geregelt werden. Während die Chefarztsuche noch laufe, seien bereits zwei Oberärztinnen und ein leitender Oberarzt gefunden.

Die derzeit laufende Kernsanierung und Modernisierung auf der Rückseite befinde sich mit dem Ziel der Fertigstellung im Oktober 2026 im Zeitplan.

Ungeahnter Ansturm auf neue Pflegeklasse außer der Reihe 

Etwas Neues gibt es auch aus der Pflegeausbildung zu vermelden: Im Helios-Bildungszentrum startet im März erstmals eine weitere Pflegeklasse mit 22 Schülerinnen und Schülern - neun aus der Region; die anderen aus der EU und dem weiteren internationalen Ausland. Die Resonanz auf das Angebot habe alle überrascht, so Wozniak erfreut. Im August nehme dann der nächste reguläre Jahrgang seine Pflegeausbildung auf.

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Maren Reese-Winne

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Cuxhavener Nachrichten/Niederelbe-Zeitung

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