Stadtklang-Konzert in Cuxhaven: Ausnahmetrompeterin und Pianist begeistern
Zwei Ausnahmetalente auf Cuxhavens Bühne: Lucienne Renaudin Vary und Tim Allhoff zeigten eindrucksvoll, dass Musik keine Grenzen kennt. Zuhörer erlebten die Magie des Stadtklang-Konzerts, das Klassik und Jazz auf einzigartige Weise vereinte.
Dass die "Grenzgänger" in der Musik es in sich haben, vor allem wenn sie von solcher Qualität sind wie die französische Trompeterin Lucienne Renaudin Vary und der Münchner Pianist Tim Allhoff, machte am Ostermontag im Schloss Ritzebüttel das Stadtklang-Konzert "Classic meets Jazz" überdeutlich. Geradezu frenetischer Beifall am Ende: Zurück blieb ein Publikum, das sich vermutlich Zugaben ohne Ende gewünscht hätte.
Kein Wunder, denn der zweite Teil des Abends gehörte dem Jazz und war gewissermaßen das vielzitierte Tüpfelchen auf dem i oder besser gesagt: die Vollendung des Ganzen. Lucienne Renaudin Varys ohnehin schon ganz außerordentliches Trompetenspiel schien hier noch außerordentlicher, Tim Allhoffs Pianospiel noch gelöster, noch intensiver und leidenschaftlicher. Ob in Jimmy Van Heusens "I Thought About You", Nat "King” Coles "Pick Yourself Up” oder in Louis Yule Browns "I've Got a World That Swings”: Hier waren Zwei am Werk, die nicht nur musikantisch bis in die letzte Faser ihres Seins sind, sondern unüberhörbar eine Sprache sprechen.
Mitreißendes, exzellentes Trompetenspiel
Der französischen Trompeterin dabei zuzuhören und zuzusehen, wie sie passgenau auf die vom Klavier vorgegebene Figur antwortet, sie in ganz genau dieselbe Intensität eintaucht und mit ihrem über schier unglaubliche Facetten verfügenden Trompeten-Ton ausmusiziert - das ist schon sagenhaft. Spektakulär hat die Musikkritik nicht nur einmal Lucienne Renaudin Varys Trompetenspiel zu Recht genannt. Und das zielt eben nicht nur auf das äußere Bild der gern auch barfuß spielenden kleinen Person ab, sondern vor allem anderen auf ihr so mitreißendes, exzellentes Trompetenspiel.

"Classic meets Jazz" - der Titel dieses jüngsten Stadtklang-Konzertes könnte manch einen zu der Annahme verführt haben, hier werde sich klassischen Werken mit Mitteln des Jazz genähert. Das war am Ostermontagabend im Schloss nicht der Fall, vielmehr waren die beiden Programmteile Klassik und Jazz ganz bewusst durch eine Pause getrennt. Doch wer zuhörte, dem blieb nicht verborgen, dass so mancher Programmpunkt des Klassik-Teils den Weg hin zum Jazz durchaus schon in sich hatte. Bei Fritz Kreisler und seinem "Marcheminiature viennoise" (in der Bearbeitung für Trompete von Cyrille Lehn) könnte man das sagen, auch bei Frederic Mompous "Damunt de tu només les Flors" (Bearbeitung: Tim Allhoff).
Vielfältigkeit unter Beweis gestellt
Mit Werken wie den fünf Sätzen aus Manuel de Fallas "Siete canciones populares espagnolas", der Sonatine von Jean Francaix oder dem für Trompete solo arrangierten "Siciliano" aus der Sonate Es-Dur WV1031 von Johann Sebastian Bach bot der klassische Teil des Konzertes den beiden Interpreten bereits eine Fülle von Möglichkeiten, ihre enorme Vielseitigkeit und ihr großes Können unter Beweis zu stellen. Beide Musiker kommen aus der Klassik wie aus dem Jazz, beide bewusst gehen an Grenzen und wollen mit ihrer Musik zeigen, dass es diese Grenzen eigentlich gar nicht gibt. Was es gibt - ist Musik, gute und schlechte. Das ist die einzige Unterscheidung, auf die es ankommt. Und das, was Lucienne Renaudin Vary und Tim Allhoff machen - das ist ganz hervorragende Musik.
Für die Saison 2024/25 war es das letzte Konzert der Stadtklang-Reihe. Dass deren Künstlerischer Leiter Mathias Christian Kosel dafür die französische Ausnahmetrompeterin hatte gewinnen können, war natürlich ein absolutes Highlight. Die Reihe selbst gewinnt immer mehr Gesicht - gerade auch in der Unterschiedlichkeit ihres Angebotes.
Von Ilse Cordes
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