Nach der „Stadtberadelung" nehmen Ulf Grabow, Johannes Theiner, Marc Itgen, Fabian Rennebeck und Enak Ferlemann (v.l.n.r.) Kurs auf das „Unikat“. Dort warteten bereits zahlreiche interessierte Bürgerinnen und Bürger auf das CDU-Stadtgespräch.
Nach der „Stadtberadelung" nehmen Ulf Grabow, Johannes Theiner, Marc Itgen, Fabian Rennebeck und Enak Ferlemann (v.l.n.r.) Kurs auf das „Unikat“. Dort warteten bereits zahlreiche interessierte Bürgerinnen und Bürger auf das CDU-Stadtgespräch.
CDU-Stadtgespräch zur Mobilität

Streitgespräch über Cuxhavens Zukunft auf Rädern

von Jens Potschka | 12.09.2025

Die Diskussion um Cuxhavens Verkehrsplanung spaltet die Gemüter: Radwege, Parkplätze und Buslinien stehen auf dem Prüfstand. Ein Abend voller hitziger Debatten zeigt, wie Mobilität zur Schlüsselfrage der Stadtentwicklung wird.

Erst schwangen sie sich in den Sattel, dann schwangen sie das Wort. Mit einer "Stadtberadelung" startete der CDU-Stadtverband am Donnerstagabend sein Stadtgespräch zur Mobilität. Etliche Radler rollten durch die Innenstadt, stoppten an Kreuzungen, an engen Radwegen, an problematischen Haltestellen. "Hier klemmt es", "dort fehlt Sicherheit" - schon unterwegs wurde deutlich, dass die Verkehrsplanung in Cuxhaven vielen unter den Nägeln brennt.

Im Restaurant Unikat ging es anschließend weiter - im Warmen, bei vollen Tischen und gespannter Erwartung. Bürger, Politiker, Planer: Sie alle wollten wissen, wie es mit Straßen, Bussen, Radwegen und Parkplätzen weitergeht. Ratsfrau Melanie Eitzen-Fischer setzte den Ton: "Mobilität betrifft uns alle, jeden Tag, in jedem Alter." Cuxhaven sei eine Stadt mit kurzen Wegen, aber auch mit besonderen Herausforderungen: viele Gäste, viele Senioren, viele Pendler. "Darauf müssen wir Antworten finden."

"Mobilität betrifft uns alle"

Dann prallten zwei Sichtweisen aufeinander: CDU-Ratsherr Enak Ferlemann, seit Jahrzehnten Verkehrspolitiker, und Stadtbaurat Andreas Eickmann, der Planer aus dem Rathaus. Zwischen ihnen entspann sich ein Streitgespräch, das mal ganz sachlich, mal etwas schärfer geführt wurde - und das zeigte, wie tief die Diskussion über die Verkehrswende die Stadt spaltet.

Eickmann zeichnete ein positives Bild: "Cuxhaven ist in Wahrheit eine 15-Minuten-Stadt. Alle wichtigen Ziele liegen dicht beieinander." Darum müsse die Stadt den Fuß- und Radverkehr gezielt stärken. "Kinder sind besonders gefährdet - wir dürfen sie nicht länger in Verkehrssituationen schicken, die gefährlich sind." Seine Botschaft: weniger Autos direkt vor der Tür, dafür sichere Wege für alle.

Ferlemann hielt dagegen: "Wir waren es, die gesagt haben: Cuxhaven muss Fahrradstadt werden. Aber jetzt wird Verkehrspolitik einseitig gegen das Auto gemacht - das ist falsch." Radwege seien notwendig, doch nicht isoliert. "Wir brauchen ein Gesamtkonzept. Es bringt nichts, wenn wir nur einzelne Aspekte betrachten."

Streitpunkt Grüner Weg

Besonders hitzig wurde es beim Thema Grüner Weg. Dort hat die Stadt Parkplätze gestrichen, um Fahrräder in den Vordergrund zu rücken. Für Ferlemann ein Schnellschuss: "Man hat die Bürger überfallen, ohne vorher mit ihnen zu reden. Viele Anwohner fühlen sich überrollt."

Schlagabtausch im "Unikat": Enak Ferlemann (CDU) im Streitgespräch mit Cuxhavens Stadtbaurat Andreas Eickmann. Foto: Potschka

Eickmann widersprach: "Den Untergang des Abendlandes sehe ich dort nicht. Parkplätze gibt es - vielleicht nicht direkt vor der Haustür, aber im Nahbereich." Das Lotsenviertel sei ein Ganzes, man dürfe nicht nur eine Straße herauslösen. "Wir prüfen, wie das Quartier insgesamt lebenswerter werden kann."

Altenwalder Chaussee im Fokus

Auch die Altenwalder Chaussee wurde zum Reizthema. Busse sollen dort künftig häufiger halten. Für Enak Ferlemann ein gefährliches Experiment: "Wenn der Bus an fünf Haltestellen stoppt, stehen alle im Stau - und was passiert, wenn ein Rettungswagen durch muss?" Zudem sei die Straße eine Hauptschlagader für den Wirtschaftsverkehr. 

Andreas Eickmann entgegnete: "Im schlimmsten Fall verliert man zweieinhalb Minuten. Das ist vertretbar." Die Planungen seien mit Polizei und Rettungsdiensten abgestimmt. Trotzdem räumte er ein: "Wir prüfen ergebnisoffen, ob ein Kreisverkehr, ein Radweg auf Straßenniveau oder eine andere Lösung besser wäre."

Mehr Kommunikation gefordert

Ein Punkt, in dem sich beide Lager einig waren: Die Bürger müssen stärker eingebunden werden. Ferlemann forderte, dass Planung und Umsetzung transparenter werden. "Wir wollen nicht übereinander, sondern miteinander reden." Eickmann nickte und versprach, den Arbeitskreis Radverkehr wiederzubeleben. "Der Dialog ist wichtig - wir nehmen die Anregungen mit."

Am Ende blieben trotz angeregter Diskussion viele Fragen offen. Doch der Abend zeigte: Mobilität bewegt die Stadt wie kaum ein anderes Thema. Radler, Autofahrer, Busnutzer - alle wollen ihren Platz. Ob Cuxhaven es schafft, die verschiedenen Interessen in Einklang zu bringen, wird die Politik der nächsten Jahre prägen.

Fest steht: Die Diskussion rollt weiter. Und sie wird noch manche Kreuzung blockieren - nicht nur im Straßenverkehr, sondern auch in den Köpfen.

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Jens Potschka

Redakteur
Cuxhavener Nachrichten/Niederelbe-Zeitung

jpotschka@no-spamcuxonline.de

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