Lange Wartezeiten in der Notaufnahme scheinen kein Einzelfall zu sein. Foto: dpa
Lange Wartezeiten in der Notaufnahme scheinen kein Einzelfall zu sein. Foto: dpa
Rückmeldungen zur Helios-Klinik

"Katastrophale Zustände": Cuxhavener Helios-Patienten über Erlebnisse in Notaufnahme

von Wiebke Kramp | 19.05.2025

Alarmierende Wartezeiten in der Notaufnahme der Helios-Klinik Cuxhaven sind offensichtlich nicht unüblich. Weitere Krankenhaus-Patienten und Angehörige berichten von stundenlangem Warten auf Behandlung.

Die zehneinhalb Stunden dauernde Wartezeit einer verunfallten Patientin in der Notaufnahme der Helios-Klinik Cuxhaven scheint kein Einzelfall zu sein. Nach der Veröffentlichung erreichten die CN/NEZ-Redaktion zahlreiche Rückmeldungen von Patienten und Angehörigen mit ähnlich erschreckenden Erlebnissen im Krankenhaus.

"Mit Entsetzen" las ein ehemaliger Cuxhavener den Bericht über die langen Wartezeiten. Seine Mutter sei vor einigen Tagen völlig dehydriert und apathisch in das Krankenhaus eingeliefert worden. Dass ihre Beckenknochen gebrochen waren, sei dem Krankenhaus bekannt gewesen. Die fast 82-Jährige habe die Nacht bis circa 4 Uhr sitzend in der Notaufnahme verbringen müssen. Gegen 10 Uhr am nächsten Morgen sei dann festgestellt worden, dass sie lebensbedrohlich Wasser in der Lunge und sich eine Lungenentzündung zugezogen habe.

Mehrere Leserinnen und Leser beschweren sich über extrem lange Wartezeiten in der Helios-Klinik in Cuxhaven. Foto: Kramp

Im Januar erlebte eine 83 Jahre alte Cuxhavenerin bange Stunden des Wartens, wie sie im Telefonat mit unserer Redaktion schilderte. Weil ihr Blutdruck über 200 lag, rief sie von zu Hause 112 an. Dort wurde ihr gesagt, sich an die Nummer 116 117 zu wenden. Das tat sie - und landete in Hannover, wie sie auf Nachfrage erfuhr, warum es so lange dauere. Ein Notarzt werde sich mit ihr in Verbindung setzen, wurde der Cuxhavenerin mitgeteilt. "Nach ungefähr drei Stunden meldete sich bei mir eine sehr nette Notärztin, die mir sagte, ich soll sofort 112 anrufen und mich ins Krankenhaus transportieren zu lassen. Dort wurde ich auf eine Liege gelegt, mir wurde ein Zugang gelegt und Blut abgenommen." Morgens um 4 Uhr sei schließlich eine junge Frau zu ihr gekommen und sagte, sie brauche die Liege.

"Gott sei Dank, bin ich noch am Leben"

Die 83-Jährige beklagt: "Ich musste in der Vorhalle Platz nehmen. Nach circa vier Stunden habe ich dann gefragt, ob man mich vergessen hat. Man hat Wichtigeres zu tun, lautete die Antwort." Nachdem sie nach weiteren Stunden erneut erfolglos nachgehakt hatte, verließ die Cuxhavenerin eigenmächtig gegen 16 Uhr die Notaufnahme und ging schließlich hinüber zur kardiologischen Praxis, wo schließlich eine umfassende Untersuchung vorgenommen wurde. "In der Notaufnahme scheinen katastrophale Zustände zu herrschen. Gott sei Dank, bin ich noch am Leben", konstatiert die Cuxhavenerin. Nicht 10,5 Stunden, aber 9,5 Stunden Wartezeit habe sie insgesamt in der Cuxhavener Notaufnahme verbringen müssen.

Patienten prangern die Wartezeiten in der Notaufnahme der Helios-Klinik in Cuxhaven an. Archivfoto: Reese-Winne

Leser Rainer Lehrmann hat seine eigenen Erfahrungen in Cuxhaven gesammelt und schreibt per Mail: "Im vergangenen Jahr 2024 war ich um 10 Uhr in der Notaufnahme mit Einweisungsschein zur stationären Aufnahme. Der Termin wurde mir vorher telefonisch genannt. Um 22 Uhr saß ich immer noch da. Gegen Mitternacht habe ich mal nachgefragt, da waren sämtliche Ärzte im Einsatz. Gegen 4 Uhr wurde ich aufgerufen und die Eingangsuntersuchung begann. Gegen 4.30 Uhr war ich dann in meinem Zimmer. Und ich kann wirklich nicht sagen, dass das Personal gemütlich gearbeitet hätte. Die gesamte Zeit war Hochbetrieb." Als "unerträglich" empfand er während des Wartens das Verhalten vieler Patienten, vor allem solcher mit Migrationshintergrund, "die mit großem Anhang erschienen, was zwangsläufig die Sitzzahl reduzierte und einen Run auf die Wasserversorgung zu Folge hatte". Sie seien die Ersten gewesen, "die gemeckert haben, dass es nichts mehr zu trinken gab". Dieses Verhalten empfand Rainer Lehmann anmaßend. Abschließend schreibt er: "Vielleicht sollten die Wartenden einmal darüber nachdenken, dass hier Menschen für Menschen arbeiten - und das alltäglich unter den gleichen Bedingungen."

Die Notaufnahme befindet sich am Eingangsbereich der Helios-Klinik Cuxhaven. Archivfoto: Reese-Winne

Unverständnis über Reaktion aus der Klinik

Julia Rose aus Cuxhaven, die mit ihren Beschreibungen als Begleitung einer Notfallpatienten Auslöserin für die erste Berichterstattung über die Notaufnahme war, zeigt sich übrigens enttäuscht über die darin recht allgemein ausgefallene Reaktion aus der Klinik: "Ich finde es sehr schade, dass die Sprecherin Katharina Recht nicht richtig verstanden hat, worum es geht." Dass ein Herzinfarkt vor einem gebrochenen Arm versorgt werden müsse, sei doch wohl jedem bewusst, reagiert sie auf die Beschreibung aus der Klinik, dass dort das anerkannte und strukturierte Manchester-Triage-System angewandt werde. Das Problem sei aber ein anderes, ist sich die Cuxhavenerin sicher. Denn vielmehr gehe es um den Personalmangel, der dort offensichtlich herrsche. Dass ein bis zwei Ärzte nicht drei Rettungswagen und 20 wartende Patienten zügig versorgen können, sollte auch der Kliniksprecherin bewusst sein. Julia Rose legt mit ihrer Kritik an den Zuständen nach: "Wir haben an diesem besagten Tag die meiste Zeit nur einen Arzt wahrgenommen. Wenn mehr Fachpersonal da wäre, würde das System funktionieren und einen reibungslosen Ablauf sowie die kompetente Versorgung der Patienten gewährleistet sein."

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Wiebke Kramp

Redakteurin
Cuxhavener Nachrichten/Niederelbe-Zeitung

wkramp@no-spamcuxonline.de

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