Elvira Heymann (l.), Bodo Mayerhof (2 v.l.), Sven Wersien (m.), Sven Mangels (2 v.r. hintere Reihe) mit Almaz Ahmed (Verkäuferin bei Tante Emma), Haifaa Abou Khaled und Ludmilla Popa (ehrenamtliche Verkäuferinnen). Foto: Brettschneider
Elvira Heymann (l.), Bodo Mayerhof (2 v.l.), Sven Wersien (m.), Sven Mangels (2 v.r. hintere Reihe) mit Almaz Ahmed (Verkäuferin bei Tante Emma), Haifaa Abou Khaled und Ludmilla Popa (ehrenamtliche Verkäuferinnen). Foto: Brettschneider
Integration, Ehrenamt, Erfolg

Wie ein Cuxhavener Programm Geflüchtete in Arbeit und Nachbarschaft integriert

von Bengta Brettschneider | 08.01.2026

Das 7-Level-Programm rund um das Begegnungszentrum "Tante Emma" integriert Geflüchtete praktisch in Cuxhaven. Ehrenamt, Sprachförderung und Kulturvermittlung führen zu Jobs, Freundschaften und gesellschaftlicher Teilhabe - mit messbaren Erfolgen.

Integration ist ein großes Wort. Oft bleibt es abstrakt, schwer greifbar, gut gemeint. Das 7-Level-Integration-Programm (7LIP) des Christlichen Sozialwerks Cuxhaven rund um das Begegnungszentrum "Tante Emma" zeigt, dass es auch anders geht: konkret, verbindlich - und mit messbaren Ergebnissen. Dafür ist das Projekt jetzt bundesweit ausgezeichnet worden.

Beim Wettbewerb "Zusammen wachsen: Gute Ideen für Integration am Arbeitsmarkt 2025", getragen von Deutschland - Land der Ideen, der Stiftung Mercator, der Bertelsmann Stiftung und dem Bundesverband der Deutschen Industrie, zählt 7LIP zu den Preisträgern. Ein Erfolg, der den Blick auf ein Modell lenkt, das in Cuxhaven gewachsen ist - und weit darüber hinaus Wirkung entfalten soll. "Tante Emma war schon früher ein Laden, wo Menschen hingegangen sind, um Kontakte zu haben, um mit den Leuten zu reden. Wir wollten genau dieses Miteinander schaffen - nicht nur helfen, sondern echte Begegnungen ermöglichen", erklärt Sven Wersien, ehrenamtlicher Bereichsleiter Soziales im Christlichen Sozialwerk.

Integration Schritt für Schritt

Im Kern versteht 7LIP Integration nicht als einzelne Maßnahme, sondern als klar strukturierten Weg. Sieben aufeinander aufbauende Stufen führen vom Ankommen über intensive Sprachförderung, Wissensvermittlung zu Kultur, Demokratie und Staatsform bis hin zu Ehrenamt, Jobvorbereitung und schließlich Ausbildung oder sozialversicherungspflichtiger Beschäftigung. Die Teilnehmenden wechseln dabei bewusst ihren Status: vom Migranten zum 7LIP-Member - mit Rechten, Pflichten und überprüfbaren Leistungsnachweisen. "Nach einem Jahr haben über 80 Prozent der Mitglieder einen Job bekommen. Das Entscheidende ist nicht nur die Arbeit, sondern dass die Leute wirklich integriert werden - dass sie Fuß fassen und in der Nachbarschaft ankommen", betont Bodo Mayerhof, erster Vorsitzender des Vereins. 

Freiwilligkeit spielt bei dem Programm eine zentrale Rolle, geht aber Hand in Hand mit klaren Regeln. Sprachtests, Workshop-Teilnahmen, regelmäßiges Lernen - unter anderem digital - sowie ehrenamtliche Arbeit sind feste Bestandteile. Fortschritte werden dokumentiert, Anforderungen transparent gemacht. Gleichzeitig steht die Begleitung im Fokus: Ehrenamtliche, Koordinatoren und Nachbarn unterstützen, öffnen Türen und schaffen Nähe. Integration soll nicht im Formular enden, sondern im Alltag beginnen - im Verein, im Betrieb, im Wohnviertel.

Messbare Erfolge für alle Beteiligten

Dass dieser Ansatz wirkt, zeigen die Zahlen. In der zweiten Entwicklungsphase erreichte das Programm eine Jobquote von über 80 Prozent. Allein in den Jahren 2024 und 2025 wurden laut Projektberechnungen mehr als 350.000 Euro an zusätzlichen Steuer- und Abgabenerträgen generiert. Während Menschen im Leistungsbezug Kosten verursachen, kehrt sich das Verhältnis mit einem festen Job um. Integration wird zum Gewinn - für die Teilnehmenden ebenso wie für Gesellschaft und Wirtschaft.

Doch 7LIP zielt auf mehr als Beschäftigung. Ehrenamtliches Engagement gehört fest zum Programm. Mitglieder beteiligen sich an Nachbarschaftsprojekten, öffentlichen Aktionen oder Angeboten für Kinder und Jugendliche. Workshops zu deutscher Geschichte, zum Grundgesetz und zur Europäischen Union fördern politisches Verständnis und demokratische Teilhabe. Vertrauen entsteht, Netzwerke wachsen, Verantwortung wird übernommen.

Mit der bundesweiten Auszeichnung rückt das Cuxhavener Modell nun stärker in den Fokus. Bei Netzwerktreffen und Fachgesprächen geht es um Skalierung, Übertragbarkeit und neue Erzählweisen in der Integrationsdebatte. Was bei "Tante Emma" begann, soll zeigen: Integration gelingt dann, wenn sie strukturiert ist, Nähe schafft - und Arbeit als Schlüssel zur Teilhabe begreift.

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Bengta Brettschneider

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Cuxhavener Nachrichten/Niederelbe-Zeitung

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