Wiltrud Streich hat immer ein Fernglas dabei, wenn sie am Deich unterwegs ist. Foto: May
Wiltrud Streich hat immer ein Fernglas dabei, wenn sie am Deich unterwegs ist. Foto: May
Nabu-Mitglieder im Einsatzt

Blühender Deich im Kreis Cuxhaven: Lebensraum für gefährdete Arten

von Denice May | 08.07.2025

Am Deich in Cappel-Neufeld erwacht nicht nur die Natur, sondern auch das Engagement von Wiltrud Streich und dem Nabu. Der Blühstreifen bietet bedrohten Arten wie der Mooshummel einen dringend benötigten Lebensraum.

Es braucht nicht viel, um Wiltrud Streichs Augen zum Leuchten zu bringen - nur einen Spaziergang entlang des Deichs in Cappel-Neufeld. Zwischen Gräsern, Klee und summenden Hummeln blüht hier nicht nur die Natur auf, sondern auch die Leidenschaft der Altenwalderin, die seit Jahrzehnten beim Naturschutzbund Cuxhaven (Nabu) aktiv ist. Der rund zwei Kilometer lange Blühstreifen entlang der gepflasterten Berme ist nicht nur ein farbenfrohes Naturerlebnis, sondern auch ein Anziehungspunkt für viele gefährdete Arten.

Zwei Pflanzen müssen regelmäßig entfernt werden

Ein- bis zweimal im Jahr trifft sich Wiltrud Streich mit anderen Nabu-Mitgliedern vor Ort, um das Gelände zu pflegen. Die schmale Blühfläche - drei bis fünf Meter breit - zieht sich beidseitig am Deich entlang und ist direkt an die Berme angegliedert. Die Berme selbst, ein befestigter Teil des Deichs, sorgt für Stabilität und Schutz. Doch gerade dieser schützenswerte Bereich verlangt nach gezielter Pflege.

"Auf Wunsch des Landwirtes müssen wir regelmäßig zwei Pflanzen entfernen: die Ackerkratzdistel und den sogenannten Roten Heinrich, eine Ampferart", erklärt Wiltrud Streich. "Die würden sich auf der Wiese am Deich sonst verbreiten, was der Landwirt nicht möchte. Denn seine Tiere fressen die Pflanzen nicht. Aber lieber trennen wir uns von zwei Pflanzen als von allen."

Mittig zu sehen, die Dornige Hauhechel, mit ihren schmetterlingsförmigen Blüten in rosa. Die Blütezeit liegt zwischen Juni bis September. Foto: May

Stark gefährdetes Insekt zu entdecken

Der Erhalt der restlichen Flora zahlt sich aus: Rot-, Weiß-, Erdbeer- und Steinklee säumen unter anderem den Weg ebenso wie Wilde Möhre und Schafgarbe. "Das sind wichtige Nahrungsquellen für Wildbienen und Hummeln", betont Wiltrud Streich, während sie sich hinhockt, um die gestreiften Insekten zu beobachten. Besonders stolz ist sie auf einen seltenen Gast: die Mooshummel. Sie gilt laut Roter Liste in Deutschland als stark gefährdet - doch hier am Deich hat sie wieder einen Lebensraum gefunden.

Auch für Vögel ist der Blühstreifen ein echtes Paradies. Viele Pflanzen verlieren im Laufe des Jahres ihre Samen, die für zahlreiche Vogelarten eine willkommene Nahrungsquelle sind. "Im Herbst und Winter kann man hier Bergfinken, Schneeammern oder sogar die seltene Ohrenlerche beobachten", schwärmt Wiltrud Streich.

Im Frühling ist die Feldlerche zu hören

Ein besonderes Erlebnis bietet sich im Frühling: Dann lassen sich hier Feldlerchen hören und sehen - eine Art, deren Bestand zunehmend schrumpft. "Wer den Gesang der Lerche erleben will, hat hier einen guten Platz dafür", sagt sie und blickt mit ihrem Fernglas in die Weite.

Wiltrud Streich freut sich, dass die Landwirte und Deichverantwortlichen mitziehen: "Wir haben großes Glück, dass alle Beteiligten den Wert dieses Lebensraums erkennen. Würde er einfach weggemäht, wären auch die Insekten verschwunden", warnt sie und sagt abschließend: "Es ist wichtig, dass dieser Streifen bleibt."

Zur Info:
Wer mehr über die Hummeln am Deich von Cappel-Neufeld erfahren möchte, kann sich der Führung "Bummeln mit Hummeln" am Sonnabend, 12. Juli, mit Kerstin Hälbig vom Nabu Cuxhaven anschließen. Treffpunkt ist um 16 Uhr bei der Deichüberfahrt (außendeichs) in Cappel-Neufeld.

Auf einer Strecke von etwa zwei Kilometern befinden sich die wilden Blumen und Pflanzen am Wegesrand. Foto: May

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Denice May

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Cuxhavener Nachrichten/Niederelbe-Zeitung

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