Bilanz nach dem Schneesturm: Einsatzkräfte im Kreis Cuxhaven pausenlos gefordert
Schnee, Sturm und gefährliche Verwehungen hielten den Landkreis Cuxhaven in Atem. Feuerwehren und Rettungsdienste waren stundenlang im Dauereinsatz - vielerorts ging ohne ihre Hilfe nichts mehr.
Der massive Wintereinbruch am Freitag (9. Januar 2025) hat nicht nur den Verkehr, sondern auch die Einsatzkräfte im gesamten Landkreis Cuxhaven an die Grenzen gebracht. Starker Ostwind, anhaltender Schneefall und teils extreme Schneeverwehungen sorgten für eine Vielzahl an Einsätzen von Feuerwehr, Rettungsdienst und Polizei.
Bereits am Donnerstag wurden vorsorglich alle Feuerwehren in den Samtgemeinden Hemmoor und Land Hadeln mit Allradfahrzeugen in erhöhte Einsatzbereitschaft versetzt. Ab den frühen Morgenstunden des Freitags standen zahlreiche Fahrzeuge mit Besatzung einsatzbereit in den Feuerwehrhäusern, um insbesondere festgefahrenen Rettungswagen, verunglückten Verkehrsteilnehmern und hilfsbedürftigen Bürgern schnell helfen zu können.
Lkw-Unfall in Osterbruch - Straße stundenlang gesperrt
Einer der umfangreichsten Einsätze ereignete sich in Osterbruch. Dort kam ein Lkw eines Unternehmens aus Bülkau kurz hinter dem Ortsschild auf der schneeglatten Fahrbahn von der Straße ab, überschlug sich und blieb kopfüber in einem wasserführenden Graben liegen. Der Fahrer wurde glücklicherweise nur leicht verletzt.
Die Feuerwehren Osterbruch und Otterndorf sicherten die Einsatzstelle ab und errichteten eine Ölsperre, um austretende Betriebsstoffe aufzufangen. Die Bergung des stark beschädigten Fahrzeugs erfolgte am Sonnabend durch eine Spezialfirma. Währenddessen blieb die Straße mehrere Stunden voll gesperrt.

Festgefahrene Fahrzeuge und blockierte Rettungswege
In Neuenkirchen kam es im Bereich Süderende durch hohe Schneeverwehungen zu einem längeren Einsatz. Zunächst fuhr sich ein Auto fest und blockierte die Straße für einen nachfolgenden Rettungswagen mit Patient an Bord, der sich ebenfalls festfuhr. Mithilfe eines Tanklöschfahrzeugs, der Unterstützung eines Landwirts mit Trecker und Muskelkraft konnten beide Fahrzeuge befreit werden. Während der Bergungsarbeiten blieb ein weiterer Rettungswagen an der Einsatzstelle stecken und musste ebenfalls befreit werden. Nachdem die Fahrbahn wieder frei war, missachtete eine Autofahrerin die Anweisung der Einsatzkräfte, die Straße erst nach dem Räum- und Streufahrzeug zu befahren. In der Folge fuhr sie sich erneut fest, wodurch auch das Räumfahrzeug stecken blieb und nur mit Hilfe eines Treckers befreit werden konnte. Der Einsatz dauerte insgesamt rund 90 Minuten.

Umgestürzte Bäume und Schneeverwehungen
Die Feuerwehr Wingst musste auf der B73 in Höhe Geestberg einen umgestürzten Baum beseitigen. Die Bundesstraße war dafür kurzzeitig voll gesperrt. Weitere Einsätze betrafen unter anderem ein festgefahrenes Postfahrzeug sowie einen umsturzgefährdeten Baum in Kehdingbruch, der mithilfe eines Treckers kontrolliert zu Boden gebracht wurde.
In der Samtgemeinde Hemmoor rückte die Feuerwehr Warstade zu einem festgefahrenen Auto aus, das die einzige Zufahrt zum Wohngebiet Portland-Ring blockierte. Acht Einsatzkräfte schoben das Fahrzeug per Hand frei.

Schwerer Unfall auf der A27
Zu einem besonders schweren Verkehrsunfall kam es am frühen Freitagmorgen auf der A27 im Baustellenbereich zwischen Bremerhaven-Wulsdorf und Bremerhaven-Süd. Durch starken Wind löste sich die Plane eines Sattelzuges und traf den Wagen eines 23-jährigen Bremerhaveners. Die Plane durchschlug die Karosserie, der Fahrer wurde schwer verletzt und in ein Krankenhaus eingeliefert. Zeugen, die Hinweise zu dem flüchtigen Sattelzug geben können, melden sich bei der Polizei Geestland unter Telefon (0 47 43) 92 80.

Wie die Polizei Cuxhaven berichtet, entspannte sich die Lage für die Einsatzkräfte erst, als das Verkehrsaufkommen in der Nacht zum Sonnabend deutlich abnahm. Dennoch mussten Feuerwehr, Polizei und Rettungsdienste auch am Tag danach weiterhin zu festgefahrenen Fahrzeugen ausrücken. Polizeisprecher Stephan Hertz betont: Ohne die Unterstützung der Einsatzkräfte hätten viele Verkehrsteilnehmer stundenlang in ihren Autos ausharren müssen - mit möglichen gesundheitlichen Folgen.
Bis in die Abendstunden im Dauereinsatz
Trotz der extremen Bedingungen konnten zahlreiche Gefahrenstellen beseitigt, Menschen geholfen und Schlimmeres verhindert werden. Die Einsatzleitungen zogen am Ende ein klares Fazit: Ohne die frühzeitige Vorbereitung, den Zusammenhalt der Kräfte und die Unterstützung aus der Landwirtschaft wären viele Einsätze unter diesen Wetterbedingungen kaum zu bewältigen gewesen.
Von Jürgen Lange und Tamina Francke