"Verunsicherung ist groß": Reaktionen aus dem Kreis Cuxhaven auf den Wolfsabschuss
Ein Abschuss eines Wolfs im Kreis Cuxhaven sorgt für Aufsehen. Wie geht es weiter mit der Wolfspopulation und den Herausforderungen für Mensch und Tier in der Region? Der Landrat und lokale Akteure äußern sich zur Lage.
Nachdem der Landkreis Cuxhaven den Abschuss eines Wolfs bekannt gegeben hat, ist offen, ob es nur bei diesem Einzelfall allein bleiben wird. cnv-medien.de hat Reaktionen gesammelt und beleuchtet Hintergründe.
Es gibt wegen der Persönlichkeitsrechte keine detaillierten Informationen, wer die Wolfs-Fähe im Cuxland abgeschossen hat. Auch die NEZ/CN-Nachfrage, wo der Abschuss genau erfolgte, bleibt unklar. Doch beim Landkreis ist man sich ziemlich sicher, dass es sich um eines der Tiere handelt, das an den Übergriffen auf Schafe beteiligt war: "Diese Wölfin ist für den maßgeblichen Teil der Nutztierrisse in den letzten Tagen und Wochen verantwortlich. Richtlinienkonforme Zäune und Herdenschutzhunde stellten für Weidetiere keinen hinreichenden Schutz mehr dar. Daher haben wir uns für die letale Entnahme dieser Fähe entschieden", sagte am Montag (2. März 2026) Landrat Thorsten Krüger, der sich für die Abschussgenehmigung eingesetzt hatte. Jetzt erfolgt in einem Berliner Institut ein DNA-Abgleich, ob es sich tatsächlich um die Fähe handelt. Davon hängt nach NEZ/CN-Informationen ab, wie es im Cuxland weitergeht - und ob die Jagd erneut eröffnet wird.

Das gilt auch für mögliche verwaltungsrechtliche Auseinandersetzungen. Artenschutzrechtliche Ausnahmegenehmigungen für den Abschuss von Wölfen sind in Niedersachsen schließlich selten. Die Genehmigungen werden von Behörden geprüft und können auch später vor Gericht beklagt werden.
Krüger: "Konstruktives Miteinander"
Cuxhavens Landrat Krüger hofft, dass "wir mit dieser Maßnahme eine Lösung hinbekommen, die es braucht, damit eine Koexistenz von Menschen, Nutztieren und Wölfen in unserer Region dauerhaft gelingen kann". Der Landrat betonte in seinem schriftlichen Statement die "Unterstützung vom Niedersächsischen Umweltministerium, dem Wolfsbüro, der Landesjägerschaft und der Landwirtschaftskammer" und stufte dies als "hilfreich" ein. Er sprach von einem "konstruktiven Miteinander".

Der CDU-Landtagsabgeordnete Claus Seebeck (Flögeln) erkennt durchaus an, dass sich das von den Grünen geführte niedersächsische Umweltministerium offensichtlich bewegt und nicht auf das übliche "Schnellabschuss"-Verfahren bestanden habe, das geografisch und zeitlich sehr enge Grenzen für einen Abschuss setzt. Die aktuelle Vorgehensweise sei ein Schritt in die richtige Richtung: "Ich habe Respekt vor allen Entscheidungsträgern. Es ist positiv, dass die Parameter beim Abschuss im aktuellen Fall verändert wurden."
Bis es auch auf Bundesebene zu einer gesetzlichen Neuregelung beim Abschuss von Wölfen komme, seien flexible Maßnahmen in Bereichen, die besonders von Nutztierrissen betroffen seien, notwendig. Klar ist für den Abgeordneten aber auch, dass bestandsregulierende Maßnahmen viel zu spät kommen, denn die Wolfspopulation sei in den letzten Jahren auch und gerade im Cuxland enorm angewachsen - mit all den damit im Zusammenhang stehenden Problemen.

"Die Verunsicherung ist groß"
Ähnlich äußerte sich am Montag auch der Hadler Landvolk-Vorsitzende Heino Klintworth (Armstorf). Für ihn ist klar, dass angesichts der Wolfssichtungen im Bereich des Balksees (Videos und Fotos liegen vor) nicht nur ein einsamer Wolf zuschlägt, sondern mindestens eine Gruppe von vier Wölfen unterwegs ist oder (nach dem Abschuss) noch vor wenigen Tagen war. Klintworth forderte erneut, dass man die Abschüsse ebenso dynamisch wie das Rissgeschehen festlegen müsse. Man könne das eine nicht vom anderen trennen: "Wenn der Wolf friedlich unter einem Eichbaum dösen würde, hätten wir doch keine Probleme. Aber die haben wir nun einmal. Und auf die Angriffslustigkeit von Wölfen muss man reagieren."

Er kenne Berufskollegen, die sich nicht mehr trauen würden, ihre Rinder auf die Weide zu treiben. Andere hätten an bestimmten Standorten aber gar keine andere Wahl: "Die Verunsicherung ist groß."
Schäfer Mählmann hofft auf etwas Ruhe
Zwischen Verunsicherung und Angst bewegt sich die Gemütslage bei Schäfer Frank Mählmann (Oberndorf). Ihm gehört die Schafherde in Stinstedt, auf die es der Wolf gleich zweimal abgesehen hatte. Davon, dass eine Wölfin, die die Herde von Stinstedt nach Mittelstenahe getrieben haben soll, abgeschossen wurde, erfuhr er erst durch einen Anruf von cnv-medien.de. Äußern wolle er sich dazu aber lieber nicht. Mit jeder Äußerung löst er anscheinend insbesondere in den sozialen Medien auch Reaktionen hervor, bei denen er wiederholt zur Zielscheibe von Kommentaren wird. Er wünscht sich endlich etwas Ruhe. Kein Wunder nach den beiden Attacken auf seine Schafherde mit 24 getöteten Tieren …
Eine Nachfrage zur Einschätzung der Situation gab es seitens der NEZ/CN-Redaktion auch beim niedersächsischen Naturschutzbund (Nabu). Eine Reaktion der Naturschützer blieb jedoch bis zum Redaktionsschluss am Montagabend (2. März 2026) aus.