Unter welchen Umständen Wölfe geschossen werden dürfen, ist seit der Bundestagsentscheidung gesetzlich verbindlich geregelt. Symbolfoto: Carsten Rehder/dpa
Unter welchen Umständen Wölfe geschossen werden dürfen, ist seit der Bundestagsentscheidung gesetzlich verbindlich geregelt. Symbolfoto: Carsten Rehder/dpa
Informationsveranstaltung

Wölfe, Sorgen & Emotionen: Bürger diskutieren mit Umweltminister Meyer in Cadenberge

von Tim Larschow | 13.03.2026

Der Besuch von Niedersachsens Umweltminister Christian Meyer im Marc5 in Cadenberge stieß auf großes Interesse. Zahlreiche Bürger waren gekommen, um über ein Thema zu sprechen, das in der Region seit Jahren für intensive Diskussionen sorgt: den Wolf.

Bei der Informationsveranstaltung von Bündnis 90/Die Grünen waren vor allem Jäger, Landwirte, Parteimitglieder und besorgte Hundehalter, die sich direkt von den Auswirkungen der Rückkehr des Raubtiers betroffen sehen.

Die Stimmung im Saal war spürbar emotional. Viele der Teilnehmer schilderten persönliche Erfahrungen, Sorgen und Ängste - etwa um ihre Tiere oder ihre wirtschaftliche Existenz. Gerade Landwirte berichteten von der Belastung, die Wolfsrisse und zusätzliche Schutzmaßnahmen für ihre Betriebe bedeuten - und die oft nicht helfen.

Die Schattenseiten des Ministeramtes

In der Vorwoche hatte der Bundestag für die Aufnahme des Wolfs ins Jagdgesetz gestimmt. Die geschützte Art gilt somit als "bejagbar", und Managementpläne können erstellt werden. Die Aufnahme des Wolfes ins Jagdrecht soll vieles vereinfachen: Wo der Beutegreifer Probleme macht, wo ein hoher Populationsdruck besteht oder besondere Schutzinteressen (etwa die Deichsicherheit) auf dem Spiel stehen, soll der Wolf bejagt werden können.

So soll es auch nach dem Willen des niedersächsischen Umweltministers sein. "Für uns alle ein prägendes Thema. Ja, es ist ein Erfolg für den Naturschutz, aber der Wolf darf nicht anders behandelt werden als andere Tierarten auch", sagte Meyer. Zugleich betonte er: "Der Wolf ist ungefährdet, aber unsere Pflicht ist es jetzt auch, ihn zu erhalten."

Der Minister sprach auch über die Schattenseiten seines Amtes. Er sagte, dass er sogar Morddrohungen bekommen würde. "Stirbt ein Wolf, sterben Sie", habe ihm zuletzt jemand geschrieben. "Schön, dass wir heute sachlich reden können", sagte Christian Meyer.

Umweltminister Christian Meyer im Marc5 in Cadenberge. Foto: Larschow

Niedersachsen gilt als Wolfsland Nummer eins. "Der gute Erhaltungszustand liegt in unserer Zone, der atlantischen Population, bei 44 Rudeln. Wir haben 55 und sind deutlich drüber", erklärte der Minister. Er führt fort: "Die Wölfe haben sich hier besonders auf Nutztiere ausgerichtet. Hier ist ein echter Hotspot. Die Fälle berühren - wie etwa der, bei dem Schafe durch den Ort getrieben worden sind. Es ist nicht nur ein wirtschaftlicher Schaden, der hier entsteht", sagte Meyer. Er begrüßte, dass es nun bundesweite Regelungen geben soll, hätte sich jedoch früher Klarheit vom Bund gewünscht. "Das Verfahren 'sofort auf dem Fuße‘ ist wichtig, damit Wölfe lernen, sich nicht anzueignen, auf Nutztiere zu gehen."

Umweltminister wirbt weiter für Herdenschutz

Zugleich betonte der Minister, dass die meisten Wolfsrudel in Deutschland keine Nutztierschäden verursachen. Es gebe jedoch etwa neun Problemrudel, von denen eines in der Region besonders auffällig sei. Der Managementplan solle jetzt von jedem Bundesland erstellt werden. Auf dieser Basis können demnach auch im Kreisgebiet Wölfe geschossen werden - in der Zeit vom 1. Juli bis zum 31. Oktober. Problemwölfe werden gesondert behandelt.

In der anschließenden Fragerunde meldete sich eine Schäferin zu Wort. Sie fragte, warum so viel Geld in Herdenschutzzäune investiert werden solle, wenn Wölfe diese ohnehin überspringen könnten. Meyer entgegnete, dass Wölfe, die Zäune überwinden und Schaden anrichten, künftig geschossen würden. Gleichzeitig warb er weiterhin für Herdenschutz. Rund 80 Prozent der Risse ereigneten sich dort, wo kein Herdenschutz vorhanden sei.

Andere Teilnehmer forderten eine wolfsfreie Zone rund um den Deich. In einem Umkreis von 50 Kilometern solle jeder Wolf vergrämt werden dürfen.  Herdenschutzhunde und Zäune seien am Deich keine Option unter anderem wegen der vielen Touristen. Meyer widersprach: "Eine Bannmeile funktioniert nicht. Wie soll man da eine Grenze ziehen?", fragte er. Wölfe einfach zu erschießen, weil sie eine unsichtbare Linie übertreten, sei falsch. Tiere, die keine Probleme verursachten, würden grundsätzlich nicht geschossen - weder heute noch künftig.

Kritik gab es auch an einigen Wolfsberatern, die von Teilnehmern als "Wolfsfreunde" bezeichnet wurden. Sie würden Berichte über Begegnungen zwischen Hundehaltern und Wölfen nicht ernst nehmen und darauf verweisen, dass sich Menschen im Territorium der Tiere bewegten. Meyer sagte, solche Vorfälle seien ihm nicht bekannt, bat jedoch darum, entsprechende Begegnungen weiterhin zu melden. Grundsätzlich empfahl er, Hunde in Gebieten mit bekannten Wolfsrevieren an der Leine zu führen.

Entschädigungen für tote Tiere sind ein Witz

Die Lage im Landkreis Cuxhaven ist weiter angespannt. Besonders die Region um Steinau und Krempel ist von Angriffen auf Weidetiere betroffen. Ein Landwirt aus der Region, zugleich Jäger, bezeichnete die Entschädigungen für gerissene Tiere als "einen Witz". Er schilderte die Angst im Dorf und die Sorge vieler Eltern, ihre Kinder allein draußen spielen zu lassen. Ein Video zeige, wie sich Wölfe im Ort aufhalten und heulen. "Das hat mittlerweile eine ganz andere Qualität", sagte er. Wolfsbefürworter sollten einmal dabei sein, wenn gerissene Tiere beseitigt oder verletzte Tiere eingeschläfert werden müssten. Das wirke sich nicht nur auf die Menschen aus, sondern auch auf die Herden. Dennoch sagte er an den Minister gerichtet: "Ich freue mich, dass Sie bei dem Thema so agil sind und in der Sache am Ball bleiben."

Am Ende des Abends blieben zwar Konflikte bestehen, doch viele Teilnehmer würdigten den offenen Austausch. Gerade bei einem so sensiblen Thema sei es wichtig, miteinander im Gespräch zu bleiben.

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Tim Larschow

Redakteur
Cuxhavener Nachrichten/Niederelbe-Zeitung

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