Nach Lee-Eklat: Landvolk-Chef in Hadeln kritisiert Umgangston in der Debatte
Bei der jüngsten Versammlung des Hadler Landvolkverbandes in Cadenberge wurden auch nachdenkliche Töne angeschlagen - und zwar durch Heino Klintworth und Julia Jaeger. Es ging unter anderem um Drohungen gegenüber eines Mitgliedes unserer Redaktion.
Der Hadler Landvolk-Chef Heino Klintworth (Armstorf) nutzte seine Begrüßungsrede unter anderem dazu, um auf die Diskussionskultur rund um die Landwirtschaft einzugehen. Ein kontrovers diskutiertes Thema sei zweifelsohne der umstrittene Auftritt des Redners Anthony Lee beim Besamungs- und Rindviehzuchtverein in Cadenberge zu Jahresbeginn gewesen. Der Agrar-Influencer steht immer wieder in der Kritik; ihm wird die Verbreitung rechtspopulistischer Ansichten vorgeworfen. Die Einladung des Vereins nach Cadenberge hatte für heftige Gegenreaktionen und sogar eine Solidaritätskundgebung für die Presse gesorgt.
Er - Klintworth - sei bei dieser Versammlung nicht dabei gewesen. Aber er habe sich in der anschließenden Diskussion schon generell gefragt, wie es eigentlich um den Umgang miteinander in der Gesellschaft bestellt sei. Dass es in der Folge der Berichterstattung der Niederelbe-Zeitung und der Cuxhavener Nachrichten zu massiven Bedrohungen gegen den Redakteur, der über den Abend berichtet hatte, gekommen sei, könne man nicht tolerieren: "Drohungen wegen journalistischer Berichterstattung der Medien? Das geht gar nicht", stellte Klintworth klar.

In der Nachbetrachtung habe er sich aber auch gewundert, woran es an der Kommunikation zwischen gesellschaftlichen Gruppen und der Landwirtschaft hapere: "Warum redet man eigentlich nicht mehr miteinander? Ich habe den Eindruck, dass man sich vielfach gerne in die eigene Ecke zurückzieht und dort schimpft." Doch das habe keinen Wert: "Man muss sich einbringen - und auch kandidieren", schlug er den Bogen zu den bevorstehenden Kommunalwahlen im September.

"Es geht auch um Fairness"
Er warnte davor, Landwirte per se zu ver- oder beurteilen. Dass sich die Landwirtschaft in einem Wandel befinde, sei keine neue Erkenntnis. Diesem Wandel würden sich die Bauern und Bäuerinnen aber auch stellen: "Den Strukturwandel hält niemand auf. Das weiß doch jeder." Doch wenn von Landwirten zum Beispiel erwartet werde, dass sie Flächen extensiver bewirtschaften oder andere Einschränkungen schultern müssten, dann sei es nur angemessen, wenn sie betriebswirtschaftlich auch einen Ausgleich erhalten: "Wir tragen Veränderungen mit. Aber es geht auch um Fairness."

Um einen ganz anderen Aspekt ging es dagegen Julia Jaeger, die als Landwirtin das Schlusswort bei der Landvolkversammlung sprach. Sie beschäftigte sich mit der Rolle der Frau in der Landwirtschaft - ein Rollenverständnis, das sich geändert habe und noch weiter verändern müsse. Es seien häufig Vorstellungen, die "nicht falsch, aber ihrer Zeit geschuldet waren".
Die Gegenwart verlange in der Landwirtschaft jedoch nach mehr "Respekt und Chancen" und auch nach Antworten, wie "wir in der Gesellschaft künftig arbeiten werden". Es sei schon viel erreicht worden, aber weiterhin nicht genug: "Nötig ist eine gesellschaftliche Anerkennung für die Arbeit, die die Frauen tagtäglich leisten." Traditionelle Rollenmuster müssten auch in der Landwirtschaft hinterfragt werden.
Seit Jahrzehnten für das Landvolk aktiv
Eine reine Männerangelegenheit war bei der Landvolkversammlung in Cadenberge dagegen die Ehrung von Vertrauensleuten und Ortsvorsitzenden des Landvolks, die zum Teil mehr als drei Jahrzehnte tätig waren. Dazu zählten Adolf Nagel (Geversdorf), Herwig Ortmann (Nordleda), Werner von Seht (Kehdingbruch), Ernst Cunow (Oberndorf), Johann-Peter Schriefer (Wanna) und Uwe Funck (Wanna).