Die Schwebefähre in Osten befindet sich zwar im Eigentum des Landkreises Cuxhaven, aber sie wird von einer Fördergesellschaft durch Ehrenamtliche betrieben. Foto: Schröder
Die Schwebefähre in Osten befindet sich zwar im Eigentum des Landkreises Cuxhaven, aber sie wird von einer Fördergesellschaft durch Ehrenamtliche betrieben. Foto: Schröder
Sanierungspläne liegen auf Eis

Schwebefähre zwischen Osten und Hemmoor bleibt Pflegefall - und die Sanierung stockt

von Egbert Schröder | 24.11.2025

Die Schwebefähre Osten/Hemmoor steht vor einer ungewissen Zukunft. Trotz millionenschwerer Investitionen stockt die dringend notwendige Sanierung. Der Fährbetrieb könnte bald eingeschränkt werden.

Die Schwebefähre Osten/Hemmoor bleibt ein Pflegefall: Nach mehreren millionenschweren Investitionen steht der Landkreis Cuxhaven jetzt erneut vor einem tiefen Griff in den Geldbeutel. Doch es gibt Probleme: Die auf 8,6 Millionen Euro taxierte erneute Sanierung stockt; beantragte Fördermittel wurden bislang nicht freigegeben.

Im Jahre 1909 war die Schwebefähre errichtet worden und stellte damals einen wichtigen Teil der Infrastruktur - nicht nur für die Osteregion - dar. Bis zu diesem Zeitpunkt war man auf Flussfähren angewiesen, wenn man die Oste überqueren wollte. Das galt natürlich auch und insbesondere für Gewerbebetriebe, um ihre Kundschaft zu erreichen. Nach dem Bau der Schwebefähre wurde es einfacher, komfortabler und effektiver. "Mensch und Maschine" hatten die Möglichkeit, in regelmäßigen Abständen - ohne Eisgang oder hohe Wasserstände - das andere Ufer der Oste zu erreichen.

Brücke bedeutete das Aus für Fähre

Doch als Verkehrsmittel taugte die Schwebefähre spätestens Mitte der 70er-Jahre nicht mehr, denn nur ein paar Steinwürfe entfernt entstand mit der B495-Brücke eine feste Querung. Einen Tag, nachdem diese Brücke im Mai 1974 für den Verkehr freigegeben worden war, wurde der Schwebefähren-Betrieb eingestellt.

Egal, ob bei Sonnenschein oder Nebel: Die Schwebefähre Osten-Hemmoor zeigt sich regelmäßig malerisch. Foto: Brettschneider

Zunächst übernahm der damalige Kreis Land Hadeln die Regie für das technische Baudenkmal. Nach der Kreisreform schlüpfte dann der Landkreis Cuxhaven in die Rolle des Eigentümers. Die ursprüngliche Funktion als "Verkehrsmittel" hat die Schwebefähre natürlich heute längst nicht mehr, aber ein touristisches und gern vermarktetes Wahrzeichen des Cuxlandes ist sie auf jeden Fall.

Entsprechend steht sie auch im Kreistag hoch im Kurs, auch wenn hinter vorgehaltener Hand der eine oder andere Politiker schon Bedenken anmeldet, ob eine Sanierung mit Blick auf die TÜV-geprüfte Fahrtüchtigkeit der Schwebefähre tatsächlich finanziell noch vertretbar ist. Kein Wunder: Neben den üblichen Unterhaltungsmaßnahmen stehen auch immer wieder gravierende und teure Sanierungen an, bei denen es eben nicht mehr nur um sechsstellige Beträge geht, sondern um Millionen-Investitionen. So auch zuletzt bei der Sanierung der vier Fundamente, die für die Stabilität und Statik der Konstruktion von entscheidender Bedeutung sind.

Einst war sie ein notwendiges Verkehrsmittel, um über die Oste zu gelangen; heute ist sie ein Wahrzeichen der Oste-Region und Touristen-Magnet: die Schwebefähre in Osten. Foto: Schröder

Geschätzte Kosten mehr als verdoppelt

Jetzt steht also der nächste Kraftakt bevor. Eine Untersuchung vor knapp zehn Jahren hatte ergeben, dass der Oberbau der Schwebefähre sanierungsbedürftig ist. Geschätzte Kosten damals: rund vier Millionen Euro. Daraus ist inzwischen mehr als das Doppelte geworden: Schon vor zwei Jahren (!) wurden die Kosten auf 8,5 Millionen Euro geschätzt. Ob das reicht, muss sich noch zeigen. Aktuell geht es - offiziell - um 8,6 Millionen Euro.

Dass saniert wird, ist klar. Allerdings stellt sich auch die Frage: Wann? Der Landkreis hatte Ende 2024 einen Antrag auf Fördermittel in Höhe von rund zwei Millionen Euro beim Bund gestellt. Ob das Geld aber fließt, ist noch unklar. Eine Bestätigung gibt es nicht.

Daher sind wahrscheinlich auch im kommenden Jahr noch Fahrten mit der Schwebefähre möglich, auch wenn dann eigentlich schon die Sanierung beginnen sollte. Aber: Solange die Zuschüsse nicht zur Verfügung stehen, rückt kein Bauarbeiter an. Ein Fährbetrieb könnte 2026 jedoch übrigens nur eingeschränkt erfolgen: Maximal 40 Personen pro Fahrt wären aus Sicherheitsgründen erlaubt.

Wie hat Ihnen der Artikel gefallen?

(1 Stern: Nicht gut | 5 Sterne: Sehr gut)

Feedback senden

CNV-Nachrichten-Newsletter

Hier können Sie sich für unseren CNV-Newsletter mit den aktuellen und wichtigsten Nachrichten aus der Stadt und dem Landkreis Cuxhaven anmelden.

Die wichtigsten Meldungen aktuell


Bild von Egbert Schröder
Egbert Schröder

Redakteur
Cuxhavener Nachrichten/Niederelbe-Zeitung

eschroeder@no-spamcuxonline.de

Lesen Sie auch...
Auf Bundesstraße überholt

B495-Unfall im Bereich Osten: Verfahren gegen Unfallverursacher nach Bremsmanöver

von Redaktion

Ein riskantes Überholmanöver auf der B495 im Bereich Osten führt zu einem Zusammenstoß, bei dem zwei Fahrzeuge von der Straße abkommen. Eine Person wird verletzt, während der Unfallverursacher nun mit strafrechtlichen Konsequenzen rechnen muss.

Rettungskräfte im Einsatz

Schwerer Unfall auf der B495 bei Osten: Auto landet im vier Meter tiefen Graben

Ganze Arbeit mussten Rettungskräfte nach einem schweren Unfall auf der B495 bei Osten (Samtgemeinde Hemmoor / Kreis Cuxhaven) leisten: Ein Auto hatte mehrere Bäume zum Umkippen gebracht und war in einen vier Meter tiefen Graben gelandet.

Jubiläum gefeiert

50 Jahre Bildermaler Osten: Ein halbes Jahrhundert voller Farbe und Gemeinschaft

Die Bildermaler Osten in der Samtgemeinde Hemmoor (Kreis Cuxhaven) feiern 50 Jahre kreatives Engagement und bereichern die Adventszeit mit beeindruckenden Kunstwerken, die das Dorf in ein strahlendes, gemeinschaftliches Erlebnis verwandeln.

Fall löst Welle aus

Jagd auf Igel in Osten: Stand der Ermittlungen - Sinti und Roma im Netz attackiert

von Tamina Francke

Ein Polizeieinsatz in Osten (Kreis Cuxhaven) schlägt bundesweit Wellen - und in den sozialen Medien kippt die Diskussion vom Entsetzen über Tierquälerei hin zu pauschalen Schuldzuweisungen gegen Minderheiten. Was tatsächlich bekannt ist.