Ein Fest für Frauen in Otterndorf: "Frauen dürfen nicht defensiv und leise werden"
Im Gemeindehaus Otterndorf (Landkreis Cuxhaven) kamen Frauen zum Internationalen Frauentag zusammen, um sich zu vernetzen und auszutauschen. Der Fokus lag auf inspirierenden Frauen.
Das Gemeindehaus in Otterndorf füllte sich nach und nach mit Frauen verschiedener Herkunft und verschiedenen Alters. Einige brachten auch ihre Kinder mit, die sich mit Spielen und Malsachen beschäftigen konnten. Am Sonntag (8. März 2026) fand zum Internationalen Frauentag "Ein Fest von Frauen und nur für Frauen" statt.
Bereits zum fünften Mal fand die Veranstaltung zum Internationalen Frauentag statt - jedes Mal mit einem anderen Schwerpunkt. Der Fokus in diesem Jahr lag auf Frauen, die inspirieren. Bereits vor dem offiziellen Start kamen die Teilnehmenden an den Tischen ins Gespräch. Schnell ging es um politische Aspekte oder Mikro-Feminismus im Alltag. "Man muss dranbleiben", betonte Vera Mollérus von der Schwangerenberatung der Diakonie Cuxland.
"Es sind genauso viele Frauen gekommen, wie wir Plätze haben", freute sich Maria Jarowoy, als sie die Veranstaltung offiziell eröffnete. Sie ist von der Flüchtlingshilfe vom Verein Solidarisches und nachhaltiges Handeln im Cuxland und hat die Veranstaltung mitorganisiert. 75 Prozent aller Straftaten in Deutschland werden von Männern begangen: Diese und ähnliche Zahlen fand sie erstaunlich hoch. "Das sind gute Gründe dafür, dass wir uns treffen. Wir Frauen sind anders und wir müssen dem Einhalt gebieten", betonte sie.

Frauen dürfen nicht defensiv und leise werden
Vor Ort waren einige Vertreterinnen der Mitwirkenden: die Diakonie Cuxland, der Paritätische, Soroptimist Club Cuxhaven Stadt und Land und der Verein Solidarisches und nachhaltiges Handeln im Cuxland. Unter ihnen war auch Natalie Johansson von der Schwangerenberatung der Diakonie Cuxland. Eigentlich ist sie in Bad Bederkesa tätig, am Frauentag fand dort aber keine Veranstaltung statt. "Es ist wichtig, die Orte zu unterstützen, die etwas anbieten", meinte sie. Die rege Beteiligung fiel ihr positiv auf: "Es ist schön, dass es hier so viele Menschen gibt, die sich vernetzen und engagieren." Es sei wichtig, dass Frauen nicht defensiv und leise werden. In ihrem Job sieht sie, dass es immer schwieriger werde, Schwangerschaftsabbrüche durchzuführen. "Es ist gesellschaftlich zwar erlaubt, aber in der Praxis wird es immer schwerer, einen Arzt dafür zu finden. Viele wollen keine Schwangerschaftsabbrüche machen." Betroffene Frauen müssten oft weit für den Eingriff fahren, äußerte sie ihre Bedenken. "Wir müssen aufpassen, dass wir das hart erkämpfte Recht nicht verlieren."
Viele Frauen in Syrien mussten fliehen
Das Treffen war explizit nur für Frauen angedacht. "Das hat viel mit den muslimischen Frauen zu tun. Die fühlen sich einfach viel freier, wenn wir später tanzen und feiern", erklärte Jarowoy. Aber generell sei es auch wichtig, einen Ort nur für Frauen zu schaffen - zum Treffen und Austauschen. Ihr persönlich liegen besonders die Frauen in Nord- und Ostsyrien am Herzen. Über die hielt sie einen kurzen Vortrag. "In den letzten zehn Jahren haben sie mir viel Hoffnung gemacht." In Nord- und Ostsyrien gab es große Teile, in denen demokratische Selbstverwaltung stattfand. "Frauen haben dort das gesamte Leben organisiert und die Männer wollten das auch", erklärte Jarowoy. Seit der syrischen Übergangsregierung wurden große Teile der Region besetzt - viele Frauen seien verschleppt worden. "Die Frauen mussten fliehen, aber sie machen weiter."
"Ich finde es super interessant zu hören, welche Frauen die anderen inspirierend finden und warum", beschrieb Eva Filipski. Sie ist Lehrerin und in einer queeren Gruppe in Cuxhaven aktiv. "Ich bin zum ersten Mal bei dieser Veranstaltung. Ich dachte, am Frauentag wäre es eine gute Gelegenheit, anderen Gruppen gegenüber offen zu sein."
Unzufriedenheit darüber, dass zum Frauentag nichts stattfindet, sei der Auslöser für die Veranstaltung gewesen, erinnerte sich Elina Sieber. Frauen haben sich das Wahlrecht erkämpft, aber es gibt immer noch den Gender-Pay-Gap: "Wir wollen diese Probleme den Menschen ins Bewusstsein bringen", begründete Sieber vom Kino Lichtblick. Im Anschluss sollte noch getrommelt, gemeinsam getanzt und gefeiert werden.
