Personenzug erfasst Auto im Kreis Cuxhaven: Nicht immer ging es glimpflich aus
Am Wochenende erfasste ein Personenzug ein Auto an einem unbeschrankten Bahnübergang im Kreis Cuxhaven. Die Insassen blieben unverletzt, doch der Vorfall wirft ein grelles Licht auf die tragischen Unfälle an Bahnübergängen in der Vergangenheit.
Ein Verkehrsunfall hat sich am frühen Sonnabendnachmittag, 19. Oktober 2024, im Kreis Cuxhaven ereignet, bei dem ein Personenzug ein Auto an einem unbeschrankten Bahnübergang erfasste. Trotz der schweren Kollision blieben die Insassen des Fahrzeugs wie durch ein Wunder unverletzt.

Häufung tragischer Unfälle an Bahnübergängen
Obwohl es in diesem Fall glimpflich ausging, ereigneten sich in den vergangenen rund 15 Jahren in der Region zahlreiche schwere Unfälle an Bahnübergängen.
Der früheste der tragischen Vorfälle in dieser Zeit ereignete sich im März 2008 in Cadenberge. Dort kam es zu einem tödlichen Unfall, als sich die Schranken an einem Bahnübergang kurzzeitig öffneten, bevor ein zweiter Zug herannahte. Ein Auto überquerte die Gleise, wurde von dem Regionalzug erfasst und die Beifahrerin starb noch am Unfallort, während der Fahrer schwer verletzt wurde.
Ein Jahr später, im März 2009, verlor ein Ehepaar in Nordholz sein Leben, als ihr VW-Bus an einem unbeschrankten Bahnübergang von einem Regionalzug erfasst wurde. Beide Insassen starben noch an der Unfallstelle.
Im Dezember 2010 kam es im Gewerbegebiet Bad Bederkesa zu einem schweren Unfall mit der Museumsbahn. Ein Kleinbus wurde an einem unbeschrankten Bahnübergang von einer Lok erfasst und 200 Meter mitgeschleift. Der Fahrer wurde eingeklemmt und nach etwa einer Stunde von der Feuerwehr befreit, während seine Tochter auf dem Beifahrersitz unverletzt blieb. Der Bus hatte zuvor Kinder zur Schule gebracht.

Im Oktober 2015 kam es in Dorum zu einem weiteren schweren Unfall. Ein 74-jähriger Mann wurde schwer verletzt, als er mit seinem Mercedes an einem Bahnübergang von einem Zug erfasst und in einen Graben geschleudert wurde.
Ein tragischer Unfall ereignete sich im Januar 2016 in Cadenberge. Ein 14-jähriger Junge, der mit zwei Begleitern den beschrankten Bahnübergang in Cadenberge Westercadewisch Richtung Bülkau überqueren wollte, wurde von einem Zug erfasst und getötet. "Der Unfall war um ca. 21.45 Uhr, also bei völliger Dunkelheit", erinnert sich Stephan Hertz, Pressesprecher der Polizei Cuxhaven auf Nachfrage.
Nicht direkt mit Bahnübergängen, sondern mit dem Betreten von Gleisen, hängen zwei weitere tödliche Unfälle zusammen. Im September 2018 kam es in Lunestedt zu einem schweren Unglück, bei dem ein 16-Jähriger nach dem Aussteigen aus einem Zug die Gleise überqueren wollte, um den gegenüberliegenden Bahnsteig zu erreichen. Dabei übersah er einen herannahenden Güterzug und wurde tödlich erfasst.
Ein weiterer tragischer Vorfall ereignete sich im Juni 2020 in Hemmoor. Hier lief ein Mann etwa vier Kilometer hinter dem Bahnhof direkt vor einen Zug und kam dabei ums Leben.

Im Juni 2021 ist es am Hemmoorer Bahnhof zu einem Vorfall gekommen, bei dem eine 37-jährige Frau von einem Zug erfasst wurde. Die Frau wollte noch schnell den Zug erwischen, überquerte trotz herunter gelassener Schranke den Bahnsteig und bezahlte mit ihrem Leben.
Der jüngste tragische Unfall fand im Jahr 2024 ebenfalls in Hemmoor statt. Hier erlitt eine Radfahrerin lebensgefährliche Verletzungen, als sie an einem Bahnübergang mit Halbschranken von einem Personenzug erfasst wurde.
Unterstützung für Lokführer und Fahrgastbetreuer
Auch für Lokführer haben solche Unfälle oft schwerwiegende Folgen. Andrea Stein, Pressesprecherin der Eisenbahnen und Verkehrsbetriebe Elbe-Weser (evb), erklärt, dass Triebfahrzeugführer nach einem Unfall sofort abgelöst werden und psychologische Unterstützung erhalten. Andere Kollegen würden den Zug dann per Auto erreichen und den weiteren Betrieb übernehmen.
"Es gibt Lokführer, die wochen- oder monatelang arbeitsunfähig sind oder den Beruf gar nicht mehr ausüben können", so Stein. Selbes gelte auch für Fahrgastbetreuer.
Der Lokführer des aktuellen Unfalls bei Schiffdorf ist nach ihren Angaben verletzt und derzeit krankgeschrieben. Aus Datenschutzgründen könnten jedoch keine weiteren Informationen über seinen Gesundheitszustand oder die Art der Verletzungen bereitgestellt werden.
"Wir bieten ein umfassendes Betreuungsprogramm zur Reduktion von Traumafolgeerkrankungen an", erklärt auch die Pressestelle der Regionalverkehre Start Deutschland GmbH auf Nachfrage. Das bestehe aus den Modulen: Prävention, Maßnahmen in der Akutsituation, Maßnahmen in der Nachsorge und Unterstützung der Wiedereingliederung am Arbeitsplatz.