Schnell unterwegs: der Wolf kann am Tag 100 Kilometer laufen. Foto: Carsten Rehder
Schnell unterwegs: der Wolf kann am Tag 100 Kilometer laufen. Foto: Carsten Rehder
Infoveranstaltung

Wolf in Niedersachsen: Experten informieren in Cuxhaven über Risiken und Lösungen

von Wiebke Kramp | 23.11.2025

Die Rückkehr der Wölfe stellt Weidetierhalter vor Herausforderungen. Eine Infoveranstaltung in Cuxhaven beleuchtet den Umgang mit den Tieren und die Bedeutung eines effektiven Wolfsmanagements in der Region.

Weidetierhalter und die Facebook-Gruppe Wolfsichtungen Cuxhaven luden Sonnabend zu einer internen Infoveranstaltung zum Thema Wolf in den Saal im Gasthaus Seebeck . Die begrenzten Plätze waren begehrt und laut Veranstalter schnell weg.

Das Thema bewegt die Bevölkerung

Wölfe stellen besonders Weidetierhalter in dieser Region - ob von Schafen, Rindern oder Pferden - vor zunehmende Probleme. Mit der Veranstaltung traf die private Initiative den Nerv und bewies, wie interessiert die Bevölkerung an dem Thema ist - zumal es trotz auffällig hoher Risszahlen von Nutztieren besonders im nördlichen Cuxhavener Kreisgebiet keine derartigen Infoveranstaltungen seitens des NLWKN (Niedersächsischer Landesbetrieb für Wasser, Küsten- und Naturschutz) gibt, bei dem das Wolfsbüro des Landes angesiedelt ist.

Der ehrenamtliche Wolfsberater Bernard Wegner aus dem Landkreis Harburg  ist aktiv am Wolfsmonitoring der Landesjägerschaft beteiligt. Der Jäger und Pferdehalter informierte in Flögeln über das Wildtier Wolf. 

Der Wolfsberater holte historisch aus. So sei die Landwirtschaft vor 150 Jahren mit vielen kleinen Hofstellen und überschaubarem Tierbestand eine andere gewesen, sodass ein Wolf im Tierbestand großes Leidbringen konnte. Zudem seien damals die Wölfe wegen grassierender Tollwut deutlich aggressiver gewesen. Gezielte Wolfsjagden sorgten damals für die Ausrottung in Deutschland.

Nach der Grenzöffnung kam es zur Rückkehr der Wölfe. Die Population, so der Wolfsberater, nehme zu. Für eine starke Ausbreitung mit Zuwachsraten von 30 Prozent sorge ihr hoher Schutzstaus. Am 3. Dezember 2024 sei eine Herabstufung des Status in der Genfer Konvention erfolgt und seit 13.10 dieses Jahres wird der kontinentalen Population ein günstiger Erhaltungszustand attestiert.

Der Wolfsberater Bernard Wegner aus dem Landkreis Harburg ist dort und im Heidekreis ehrenamtlich tätig. In Flögeln informierte er ausführlich über Wolfsmonitopring und Wünsche zum Wolfsmanagement.

Der Europäische Grauwolf ist ein Hetzjäger und reiner Fleischfresser. Aas nehme er nur in Ausnahmefällen. Der Ausdauerläufer schaffe 100 Kilometer am Tag und sei bis zu 70 Stundenkilometer schnell. Er kann Wolfsgeheul aus bis zu 30 Kilometern hören und feinste Gerüche bis drei Kilometer weit riechen. Er hat die doppelte Gebisskraft eines Schäferhundes. Ein Rudel bestehe als reiner Familienverband: den Elterntieren und den Jungtieren des Vorjahres und dem Wurf des aktuellen Jahres. Schon im Herbst unterscheiden sich die im Frühjahr geborenen Tiere in der Größe nicht mehr von der Alttieren. Im Alter von zehn bis 21 Monaten werden die jungen Wölfe aus dem Rudel geworfen. Das sind laut Wolfsberater Wegner dann die Einzeltiere, die durch die Dörfer streifen.

"Der Wolf ist nicht mehr scheu. Den Menschen hat er nicht als Bedrohung kennengelernt, er interessiert sich nur nicht für ihn", sagt Wegener. Wölfe seien Kulturfolger, die keine Wildnis benötigten. "Der Wolf hat einen gesunden Appetit. Ab einem Alter von zehn Monaten braucht er vier Kilogramm Fleisch pro Tag - und nimmt sich, was er kriegen kann." Und dies sei meist nicht das schwächere Tier.

800 residente Wölfe im Land

In Deutschland leben seiner Auskunft nach 2300 bis 2700 Wölfe, allein in Niedersachsen gebe es 800 residente Tiere. Wie sieht es in anderen Ländern mit der Wolfspopulation aus? Polen hat rund 2000 Wölfe, dort ist die Jagd erlaubt. Schweden zählt 275 Tiere und möchte die Population durch Jagd auf 175 begrenzen. Im Yellowstone-Nationalpark in den USA leben nie mehr als 125 Tiere - er ist etwa so groß wie das Land Schleswig-Holstein.

Dass überhaupt ein Nachweis geführt werden könne, sei nur durch ein umfangreiches Monitoring möglich. Daher sei jede Sichtung, jeder Riss - egal ob Wild- oder Nutztier -, jede Kameraaufnahme wichtig, aber auch die Meldung und Sicherung von Losungsfunden. Die Hinterlassenschaften erkenne man an vielen Haaren, Knochensplittern und dem intensiven Geruch.

Weidetierhalter aus dem Raum Cuxhaven informierten sich über Schutzmaßnahmen, Rissdokumentation und Fördermöglichkeiten. Foto: CNV-Archiv

"Ohne belastbare Datengrundlage ist keine realistische Anpassung möglich", so Wegner. "Wenn es keinen Nachweis gibt, fällt ein Rudel aus der Statistik heraus." Er erläuterte, wie bedeutsam in diesem Zusammenhang die Sicherung der DNA sei. "Das ist sein Personalausweis." Die Meldung kann über die Smartphone-App "Wolfsmonitoring Niedersachsen" oder Online-Meldung an wolfsmonitorin.com erfolgen.

Wegner sprach sich für ein vernünftiges Wolfsmanagement aus. "Schließlich macht die Dosis das Gift und es stellt sich die Frage: Wieviel Wolf verträgt unsere Kulturlandschaft?" Wolfsichere Zäune gebe es nur in Tierparks, sagte er. Wölfe seien sehr intelligent und überwinden hohe Zäune oder buddeln sich unten durch. Gute Erfahrungen habe man mit Foxlights (Blinklichter) in dieser Region gemacht. Auch Herdenschutzhunde seien wirkungsvoll, jedoch sehr aufwendig.

Der Wolfsberater warnte davor, Tiere anzufüttern und Lebensmittelreste liegenzulassen. Hundehalter sollten ihre Tiere anleinen und sie keinesfalls in Wolfsgebieten laufen lassen: "Das Wolfsrudel ist eine Familie - und andere werden weggebissen."

In Bezug auf Kinder riet Bernard Wegner, ihnen deutlich zu machen, dass der Wolf kein Kuscheltier ist. Kleinere Kinder sollte man nicht unbeaufsichtigt lassen und ihnen später beibringen, wie man sich verhält. Der Wolfsberater ist selbst mit einem Infomobil in Schulen und Kindergärten unterwegs.

Für die Zukunft erhofft sich der Experte, ein regional differenziertes Management. Darüber hinaus sollte man sich an anderen Ländern ein Beispiel nehmen, schließlich habe eine Kulturlandschaft nicht endlos Platz.

Auf der Veranstaltung wurden Weidetierhalter zudem über Richtlinien für die Förderung von Maßnahmen wie Weideschutzvorrichtungen informiert und der CDU-Landtagsabgeordnete Claus Seebeck sprach über die aktuelle politische Situation. Die Veranstalter planen aufgrund des großen Interesses weitere Infotermine.

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Wiebke Kramp

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Cuxhavener Nachrichten/Niederelbe-Zeitung

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