Der "Zementpacker" von Frijo Müller-Belecke stand im Außengelände des Hemmoorer Zementmuseums. Archivfoto: Samtgemeinde Hemmoor
Der "Zementpacker" von Frijo Müller-Belecke stand im Außengelände des Hemmoorer Zementmuseums. Archivfoto: Samtgemeinde Hemmoor
Vorbildliches Bürger-Engagement

Lächerlich: Hemmoors Politik sollte sich beim "Zementpacker" zurückhalten (Kommentar)

von Egbert Schröder | 17.03.2025

In Hemmoor sorgt die Debatte um den gestohlenen "Zementpacker" für Wirbel. Während die Politik zaudert, zeigen engagierte Bürgerinnen und Bürger Eigeninitiative. Die Politik sollte sich aber lieber zurückhalten, meint unser Redakteur. Ein Kommentar.

Da sind mir ja fast die Tränen gekommen, als ich vor wenigen Tagen den Beitrag über den vor zwei Jahren gestohlenen und zerstückelten "Zementpacker" aus Hemmoor im NDR-Fernsehen gesehen habe. Geradezu weinerlich steht da eine niedergeschlagene Bürgermeisterin Sabine Wist vor der Kamera, lamentiert über diesen Kunst-Klau von Metalldieben, die "ratzifatzi" die Skulptur, die anscheinend quasi zur Identifikationsfigur für Hemmoor geworden sein soll, geklaut und in Einzelteilen dann zum Metallwert verscherbelt hätten. "Das macht wirklich traurig", sagt die Bürgermeisterin ins Mikrofon. Sie spricht von "Wertschätzung", die sie der Statue des Künstlers Frijo Müller-Belecke entgegenbringe. 

Geht's noch? Nach dem Klau des "Zementpackers" hatte die Verwaltung ansatzweise den Versuch durch den damaligen stellvertretenden Verwaltungschef Frank Springer gestartet, eine Rekonstruktion in die Wege zu leiten. Da wurde er aber vom Rat zurückgepfiffen. Am 22. Februar 2024 erklärten CDU und SPD im Finanzausschuss, dass die Politik ja gar keine Freigabe von Mitteln beschlossen habe. Im Protokoll ist davon die Rede, dass Birgit Meyn-Horeis (SPD) erklärt habe, dass "die Skulptur für die Stadt zwar eine enorme Bedeutung" habe, sie sei jedoch "leider vernichtet worden und in der bekannten Form nicht mehr ersetzbar". Es solle stattdessen eine Schautafel erstellt werden, die mit in die Diskussion zum Zementmuseum eingebracht werden solle.

Ratsfrau Anja Meißner (CDU) habe in diesem Zusammenhang - laut Protokoll - auf Überlegungen verwiesen, das Museum an den "Zementerlebnisweg"  zu verlegen. Das Thema Zementpacker? War kein Thema mehr. "Einvernehmlich spricht sich der Ausschuss dafür aus, die Maßnahme (...) im Haushaltsplanentwurf zu streichen." So viel zum Thema Wertschätzung und Glaubwürdigkeit.

Ein Jahr später ist im hochemotionalen NDR-Beitrag dann von einer "Spendenaktion" für den Zementpacker die Rede. Das ist richtig. Die startet aber nicht die Stadt (ein Spendenkonto gibt es gar nicht), sondern engagierte ehrenamtliche Bürgerinnen und Bürger, die aber erst in den Startlöchern stehen und bei dem NDR-Dreh wertschätzenderweise gar nicht eingeladen worden waren. Bleibt nur zu hoffen, dass die Stadt zumindest den vierstelligen Betrag einer Versicherung, die nach Informationen unserer Redaktion auf einem "Zementpacker"-Konto liegt, für das Projekt zur Verfügung stellt und nicht zweckentfremdet. Engagieren muss sich die Politik bei der Rekonstruktion des Zementpackers bitte (!) nicht - das erledigen schon Bürgerinnen und Bürger.

Im nächsten Jahr ist Kommunalwahlkampf. Wenn die neue Statue dann möglicherweise vielleicht enthüllt wird, bin ich mal gespannt, wer sich in die erste Reihe drängelt; hoffentlich nicht die Politikerinnen und Politiker. Das wäre ebenso peinlich wie lächerlich; aber wahrscheinlich.

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