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Eine Besucherin der Stadtbibliothek Otterndorf stöbert nach Lesestoff – ein wichtiger Ort für Bildung und Gemeinschaft. Foto: Grell
Eine Besucherin der Stadtbibliothek Otterndorf stöbert nach Lesestoff – ein wichtiger Ort für Bildung und Gemeinschaft. Foto: Grell
Mehr als ein Bücherhaus

Stärken, nicht schließen: Kommentar zur ungewissen Zukunft der Bibliothek Otterndorf

von Christian Mangels | 09.12.2024 Zuletzt aktualisiert: 07.10.2025 17:21 Uhr

Was wird aus der Stadtbibliothek in Otterndorf? Die CDU-Fraktion im Samtgemeinderat Land Hadeln will den Antrag stellen, die Einrichtung zu schließen. Überhaupt keine gute Idee, findet Redakteur Jens-Christian Mangels. Ein Kommentar.

In einer Zeit, in der digitale Medien allgegenwärtig sind, könnte man annehmen, dass die klassische Bibliothek ihren Platz in der Gesellschaft verloren hat. Doch das Gegenteil ist der Fall. Denn Bibliotheken sind weit mehr als nur "Bücherhäuser". Sie sind Orte des Zugangs zu Wissen, unabhängig vom sozialen Status oder dem wirtschaftlichen Hintergrund. Besonders in Zeiten wachsender sozialer Ungleichheiten bieten sie vielen Menschen, die sich teure Lernmaterialien oder einen Internet-Zugang nicht leisten können, eine wertvolle Anlaufstelle. Ob Schüler, Studierende, Arbeitsuchende, Rentner oder Geflüchtete - für alle ist die Bibliothek ein Ort der Begegnung, des Lernens und der persönlichen Weiterentwicklung.

Die Schließung von Bibliotheken trifft also nicht nur die Intellektuellen oder Bücherliebhaber. Sie trifft insbesondere die benachteiligten Bevölkerungsgruppen. Gerade in einer ländlichen Region wie dem Land Hadeln, wo nicht jeder Haushalt über eine ausreichende technische Ausstattung oder schnelles Internet verfügt, stellt die Bibliothek einen wichtigen Knotenpunkt dar, um den digitalen und kulturellen Anschluss zu halten.

Als kulturelle Institutionen unverzichtbar

Darüber hinaus sind Bibliotheken als kulturelle Institutionen unverzichtbar. Sie sind Orte des Austauschs, der kulturellen Vielfalt und des Dialogs. Sie bieten Platz für Lesungen, Workshops und Veranstaltungen, die das gesellschaftliche Leben bereichern. Der Verlust dieser Orte bedeutet, dass viele Menschen den Zugang zu einer breiten Palette von Bildungs- und Kulturangeboten verlieren, die sie woanders nicht finden können.

In einer Welt, in der Wissen immer mehr zur wertvollsten Ressource wird, können wir es uns nicht leisten, diese Orte der Wissensvermittlung und des sozialen Miteinanders aufzugeben. Statt Bibliotheken zu schließen, sollten wir sie stärken und ihre Rolle als unersetzliche Pfeiler der Gesellschaft noch weiter ausbauen. Denn eines ist sicher: Eine Gesellschaft, die ihre Bibliotheken aufgibt, gibt auch ihre Zukunft auf.

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