Umbau der Alten Liebe in Cuxhaven: Werden Bürger nicht ernst genommen? (Kommentar)
Die Pläne von NPorts für die Alte Liebe sorgen für Diskussionen: kein Oberdeck, wenig Mitsprache und eine Politik, die erstaunlich still bleibt. Während Bürger protestieren, stellt sich die Frage: Wer hört hier eigentlich noch zu? Ein Kommentar.
Nun ist die Katze aus dem Sack: Die Hafengesellschaft NPorts hat ihre Pläne vorgestellt, über die man trefflich streiten kann. Ich habe durchaus Verständnis dafür, dass sich das landeseigene Unternehmen für seine Belange, also für seine Hafenanlagen, engagiert. Aber darf man dann auch andere öffentliche Interessen gleich abtun? Der NPorts-Boss Holger Banik sagt, dass er kein Touristiker sei, er die Alte Liebe also nicht aus touristischer Sicht betrachten müsse. Tja, dann könnte die Alte Liebe also ganz weg ...?
Der jetzige Plan, auf ein Oberdeck zu verzichten, ist aus meiner Sicht schon schlimm. Noch schlimmer finde ich es aber, dass NPorts jetzt betont, dass dieser Plan in Stein gemeißelt sei. Gegen allen Protest soll das durchgezogen werden. Und der Oberbürgermeister der Stadt Cuxhaven, Uwe Santjer, steht daneben und erzählt dann von früher - knutschen auf der Alten Liebe oder Erinnerungen in das Holz eingeritzt. Kein Hauch von Widerstand, ganz nach dem Motto "Einem geschenkten Gaul schaut man nicht ins Maul".

Jetzt müssen sich die politischen Gegner nicht die Hände reiben, dass der OB an dieser Stelle kritisiert wird. Auch alle anderen verantwortlichen Politiker müssen sich mal reflektieren. Am 12. November tagte der städtische Ausschuss für Wirtschaft, Häfen und Tourismus. Zugegeben, auch wir als Redaktion haben unter dem Tagesordnungspunkt "Planungsstand zur Neugestaltung der Alten Liebe" nicht erkannt, welche Brisanz das Thema dann doch haben würde. Unter Neugestaltung haben wir nicht Teilabriss verstanden. An der Einladung hing für diesen Tagesordnungspunkt auch keine Vorlage. Wir können aus Kapazitätsgründen nicht jeden Ausschuss besuchen, so waren wir am 12. November nicht dabei. Ob Bürger als Zuhörer dabei waren, ließ sich jetzt nicht eruieren.
Wir waren auf jeden Fall nicht dabei, als den Politikern Planungen zur Alten Liebe vorgestellt worden sein sollen. Wenn es denn die Pläne waren, die nun von NPorts in einem Pressegespräch vorgestellt wurden, dann wundere ich mich, dass es nicht dann schon einen Aufschrei aus der Politik gegeben hat. Entweder die Politiker (übrigens quer durch alle Parteien, auch wenn einige jetzt so tun, als ob sie jetzt das Thema von Anfang an kritisch begleitet haben) finden die "Ohne-Oberdeck-Lösung" toll oder sie wissen einfach nicht mehr, was die Bürger eigentlich wollen.

Und auch nachdem eine engagierte Bürgerin eine Online-Petition gestartet hat, wundern sich manche Volksvertreter über dieses Vorgehen, diesen demokratischen Akt. Wie bürgerfern und von oben herab ist es denn, wenn das Ansinnen der Menschen so von Parteienvertretern angesehen wird.
Stand gestern waren es übrigens knapp 6400 Menschen, die mit ihrer Signatur für den Erhalt des Oberdecks stimmten. Fast 1800 davon wohnen in Cuxhaven. Für ein Quorum wären nur 780 Cuxhavener nötig gewesen, um eine Stellungnahme seitens der Politik einzufordern. Aber auch die anderen 4600 Stimmen sind nicht zu verachten. Sie stammen unter anderem von Urlaubsgästen, ehemaligen Cuxhavenern oder Bürgern aus der Region. Diese insgesamt große Zahl an Unzufriedenen darf Politik nicht einfach im Regen stehen lassen - ob bildlich betrachtet oder auch real auf der neuen Alten Liebe. Apropos: NPorts hat am Tag des Pressegesprächs dann zugesichert, dass es einen Wetterschutz geben soll, auch wenn dieser (wohl mit großen Strandkörben) kaum vergleichbar ist mit dem bisherigen. Das war ja schon mal ein ganz kleiner Schritt in die richtige Richtung.
Nun müssen nur noch mal die Politiker als Gesamtheit für den Bürger liefern, und sich nicht im Wahlkampf-Wahn gegenseitig zerfleischen.