Die „Osteriff“ auf der Elbe bei Hamburg. Am Montag verließ das Laderaumbaggerschiff des Bundes das Dock der Blohm + Voss-Werft in Hamburg und ging auf Erprobungsfahrt in Richtung Nordsee. Foto: Hasenpusch
Die „Osteriff“ auf der Elbe bei Hamburg. Am Montag verließ das Laderaumbaggerschiff des Bundes das Dock der Blohm + Voss-Werft in Hamburg und ging auf Erprobungsfahrt in Richtung Nordsee. Foto: Hasenpusch
Laderaumsaugbaggerschiff

Nach Jahren der Verzögerung: Die "Osteriff" nimmt von Cuxhaven aus Kurs Nordsee

von Ulrich Rohde | 14.10.2025

Nach Jahren voller Verzögerungen und finanzieller Turbulenzen sticht das umstrittene Baggerschiff "Osteriff" endlich in See. Doch die Kritik an den immensen Kosten des Baus reißt nicht ab. Die endgültige Fertigstellung wird für Anfang 2026 erwartet.

Das Laderaumbaggerschiff des Bundes "Osteriff" hat am Montagnachmittag erstmals seit vier Jahren das Dock der Blohm + Voss-Werft in Hamburg verlassen. Dienstagnacht legte das Schiff an der Seebäderbrücke in Cuxhaven an, um am frühen Morgen wieder abzulegen und Kurs auf das Seegebiet vor Helgoland zu nehmen.

Den Angaben der Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung (GDWS) des Bundes zufolge handelt es sich um eine Erprobungsfahrt des 132 Meter langen Schiffes in die Deutsche Bucht. Dessen Bau ist von Pleiten, Pech und Pannen begleitet. Zuständig für die "Osteriff", deren Bau 2016 vom Bund bei der damaligen Pella-Sietas-Werft in Hamburg-Neuenfeld für 95 Millionen Euro in Auftrag gegeben wurde, ist das WSA Weser-Jade-Nordsee.

Fertigstellung für Anfang 2026 vorgesehen

Die Geschichte der "Osteriff" erscheint schier endlos. Ursprünglich war als Fertigstellungstermin das Jahr 2019 vorgesehen. Daraus wurde nichts. Die Pella-Sietas-Werft geriet in finanzielle Schieflage und stellte die Arbeiten an dem Schiff Ende 2021 ein. Im April 2022 meldete die Werft aufgrund von Liquiditätsschwierigkeiten Insolvenz an. Im August des Jahres schloss das Bundesverkehrsministerium mit der Hamburger Werft Blohm + Voss eine Fortführungsvereinbarung für den Weiterbau und die Endausrüstung der "Osteriff" ab.

Die Bundesregierung musste für den Weiterbau bei Blohm + Voss 47 Millionen Euro nachschießen. Immer wieder musste die Fertigstellung verschoben werden. Nach aktuellen Angaben der WSV soll das Bagggerschiff voraussichtlich ab Anfang des Jahres 2026 in Dienst gestellt werden.

Veraltet schon vor der 
Inbetriebnahme?

Kritiker haben bemängelt, dass Antrieb und Elektronik schon jetzt, noch vor der Inbetriebnahme, veraltet seien. Bordanlagen und Schiffsräume wurden im Dock von Blohm + Voss komplettiert. Die bei Pella-Sietas eingebauten Maschinen und Pumpen konnten zwar weiterverwendet werden, aber aufgrund der langen Standzeit mussten sie teils aufwendig instandgesetzt werden. Gummidichtungen und Hydraulikschläuche wurden ausgetauscht.

Dabei sollte die "Osteriff" den Bagger "Nordsee" ersetzen. Das Schiff stammt aus dem Jahr 1978 und soll erst dann außer Betrieb genommen werden, wenn die "Osteriff" bereitsteht. Dazu benötigt die "Nordsee" Fahrtauglichkeitsgenehmigungen, die so genannte "Klasse". Aufgrund ihres hohen Alters dürfte es zunehmend schwerer werden, diese Genehmigung zu erhalten.

Wirtschaftlicher Verlust für den Bund enorm

Rechnet man die seit 2019 angefallenen Kosten für die Unterhaltungsbaggerei hinzu, mit der Privatreedereien beauftragt werden mussten, dürfte der wirtschaftliche Verlust für den Bund ein Mehrfaches der reinen Baukosten für die "Osteriff" betragen. Das Schiff kann bis zu 7,5 Millionen Kubikmeter Sand und Schlick pro Jahr baggern. Zielsetzung des Bundes ist es, rund 25 Prozent der in den Bundeswasserstraßen anfallenden Mengen in Eigenregie zu baggern. Davon ist die Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung (WSV) auch mit dem Einsatz der "Osteriff" und ihrem Ladevolumen von 7500 Kubikmetern allerdings weit entfernt.

Bund der Steuerzahler kritisiert teuren Weiterbau des Schiffes

2023 gelangte die "Osteriff" ins "Schwarzbuch" des Bundes der Steuerzahler (BdSt). Die Steuerzahler würden angesichts der Kostenexplosion Schnappatmung bekommen, so der Bund der Steuerzahler damals. Das Schiff werde zu einer immer schwereren Bürde. Der Steuerzahlerbund kritisierte den Weiterbau und forderte ein neues Baggerkonzept für die Elbe und eine Hafenkooperation Hamburgs mit Wilhelmshaven.

Für die WSV des Bundes kam eine vorzeitige Aufgabe des Bauvorhabens nicht in Betracht, da dann die bereits ausgegebenen Gelder verloren gewesen wären. Das unfertige Schiff hätte in der Insolvenzmasse nur noch Schrottwert gehabt.

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Ulrich Rohde

Redaktionsleiter
Cuxhavener Nachrichten/Niederelbe-Zeitung

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