Die Fanggebiete der Fischer in der Nordsee werden immer weiter eingeschränkt. Der Bund möchte die Flotte daher weiter verkleinern. Foto: Reese-Winne
Die Fanggebiete der Fischer in der Nordsee werden immer weiter eingeschränkt. Der Bund möchte die Flotte daher weiter verkleinern. Foto: Reese-Winne
Krabbenfischer

Nordsee-Krabbenfischerei unter Druck: Warum der Flottenabbau entscheidend sein könnte

von Tim Larschow | 09.12.2025

Die Krabbenfischerei bildet das Herz vieler Sielorte an der Nordsee. Doch dieses Herz droht stillzustehen. Jetzt soll die Flotte weiter verkleinert werden. Der Präsident des Deutschen Fischerei-Verbandes erklärt, wieso das die Rettung sein könnte.

Die Krabbenfischerei bildet das Herz vieler kleiner Sielorte an der Nordseeküste - wirtschaftlich, kulturell und touristisch. Doch dieses Herz droht stillzustehen. Jetzt soll die Flotte weiter verkleinert werden. Der Präsident des Deutschen Fischerei-Verbandes erklärt, wieso das sogar die Rettung sein könnte.

Immer mehr Krabbenfischer geraten unter Druck durch Fanggebietseinschränkungen, drohende Verbote der Grundnetzfischerei, hohe bürokratische Auflagen und fehlende Planungssicherheit. Der Bund stellt daher 20 Millionen Euro bereit, um die Krabbenkutter-Flotte in der Nordsee um etwa ein Drittel zu reduzieren. Den Fischern soll mit dem Geld ein sozialverträglicher Ausstieg ermöglicht werden. Online wird das Thema so aufgefasst: Hier heißt es, man wolle die Kutter ganz verschwinden lassen. Christoph Frauenpreiß, Bundestagsabgeordneter und neuer Präsident des Deutschen Fischerei-Verbandes erklärt, was hinter der Maßnahme steckt.

Der scheidende Präsident Dirk Sander (l.) und der Vizepräsident des Verbandes Klaus-Dieter Mau (r.) zusammen mit dem neuen Präsidenten des Deutschen Fischerei-Verbandes, Christoph Frauenpreiß. Foto: Ubl

"Wollen eine vernünftige Ausstiegsmöglichkeit bieten"

"Die Fanggebiete der Fischer in der Nordsee werden immer weiter eingeschränkt. Im Hinblick darauf ist die Flotte immer noch sehr groß. Wir wollen den Fischern daher eine vernünftige Ausstiegsmöglichkeit bieten - gerade für die Älteren", erklärt Frauenpreiß.

Der Ausstieg sei notwendig, da durch die schrumpfenden Fanggebiete auch immer weniger Kaufinteressenten für die Kutter vorhanden seien. "Offshore Windenergie ist wichtig, aber die Fischer brauchen auch Alternativen. Minister Alois Rainer (CSU) hat nun richtigerweise reagiert. Ich habe ihm schon in den vergangenen Monaten mit dem Thema in den Ohren gelegen", so Christoph Frauenpreiß. Er betont, dass man keinesfalls, wie online vielfach zu lesen ist, die Kutter abschaffen wolle.

Der wirtschaftliche Druck auf die verbleibenden Betriebe könnte so zwar verringert werden, bietet der Branche aber keine langfristige Zukunftsperspektive. "Der nächste Schritt ist es daher, Anreize und Rahmenbedingungen für die jungen Fischer zu schaffen. Wir sind ebenfalls auf der Zielgeraden, den Kutter der Zukunft fertigzustellen", sagt der Bundestagsabgeordnete aus Cuxhaven.

Der Kutter der Zukunft soll gebaut werden

An der Hochschule Emden/Leer wurde unter Professor Jann Strybny und Professor Michael Vahs das Fischereifahrzeug im Projekt "Energieeffiziente zukunftsweisende Küstenfischerei" entwickelt. Der 19,5 Meter lange moderne Fischkutter soll mit einem umweltfreundlichen Methanol-Antrieb in Serie gehen und so die deutsche Fischereiflotte modernisieren.

Die Europäische Union und das Land Niedersachsen haben das Projekt mit 282.000 Euro über den Europäischen Meeres- und Fischereifonds (EMFF) sowie das Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz Niedersachsen gefördert.

"Der Bau soll schon bald in Auftrag gegeben werden. Außerdem müssen wir die Debatte auf EU-Ebene vorantreiben, denn derzeit darf der Bund nur den Kauf eines Kutters fördern, aber nicht den Neubau - das soll sich ändern."

Der Fischerei-Verband begrüßt die aktuelle Entscheidung: "Es ist ein super Signal, so blöd abwracken ist. Doch die jungen Fischer bekommen so eine Aussicht auf Wirtschaftlichkeit", meint Frauenpreiß.

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Tim Larschow

Redakteur
Cuxhavener Nachrichten/Niederelbe-Zeitung

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