Das haben die neuen Besitzer mit dem Taubenhof Cadenberge vor
CADENBERGE. Gute Nachricht in trüber Zeit: Auf dem Taubenhof Cadenberge geht es weiter. Die neuen Eigentümer haben den Betrieb bereits aufgenommen. Das Ehepaar aus Hessen möchte seinen Traum leben. Und dafür hat es neue, frische Ideen im Gepäck.
Andrea (60) und Reinhard Rühl (61) haben das Anwesen mit Boutique-Hotel und Gutscafé gekauft. Sie möchten den mit viel Liebe renovierten und gut eingeführten Taubenhof im Großen und Ganzen so weiterführen, wie sie ihn von den Vorbesitzern übernommen haben. Bürgermeister Wolfgang Heß und Gemeindedirektor Frank Thielebeule sind begeistert, dass dort das Leben weitergeht und zuversichtlich, künftig mit den neuen Besitzern gut zusammenzuarbeiten. Bei einem Kennenlerntreffen in des Bürgermeisters Wohnküche jedenfalls stimmte schon mal die Chemie - und die Gemeindespitze sicherte den Eheleuten Unterstützung zu, hier gut Fuß zu fassen. An Empathie, Fröhlichkeit und Plänen herrscht bei ihnen kein Mangel: "Wir gehen gern auf Leute zu."
2009 aus dem Dornröschenschlaf geweckt
Der Taubenhof in seiner heutigen Ausrichtung besteht seit 2009. Seinerzeit hatten Pascale Capbarat und Carsten Eickhof das Ensemble aus dem Dornröschenschlaf geweckt und aus dem Anwesen mit viel Geld, Geschick und Geschmack eine richtig gute Adresse gemacht. Das Café in der restaurierten Scheune, das Boutique-Hotel und der Kulturbetrieb mit Arthaus-Kino, Konzerten oder Märkten bereicherte das Leben im Ort . Mit dem Rühls haben sie Nachfolger gefunden, die es in ihrem Sinne weiterführen möchten - dazu zählen auch die weit über den Ort ausstrahlenden beliebten Kunsthandwerker-Märkte. "Die Planungen sind angelaufen, wir sind schon bei der Standplanung", verraten sie. Zwei Termine an Wochenenden im Mai (15./16. Mai) und Oktober (15./16. Oktober) stehen bereits fest. Der Café-Betrieb und die Kinoabende starten im Frühling .
"Schockverliebt" in das Anwesen
Aber die neuen Taubenhof-Besitzer möchten ihrem Anwesen auch neue Akzente verpassen. Schon lange suchten sie nach einem dafür passenden Objekt möglichst in Nordseenähe. Sieben Jahre haben sie nach der passenden Immobilie Ausschau gehalten - und sich bei dem Besichtigungstermin in Cadenberge "schockverliebt". Wichtig war ihnen die Infrastruktur, zum Beispiel, dass man zu Fuß den Einkauf erledigen kann. "Zum Bäcker brauche ich nur sieben Minuten", schmunzelt Reinhard Rühl. Das Ehepaar möchte eine Alten-Wohngemeinschaft eröffnen - "Für junge Leute, wie wir es sind", lachen die beiden. Schon jetzt steht für sie fest, dass sie später nicht ins Seniorenheim möchten - daher realisieren sie jetzt - noch mitten im Berufsleben stehend - die Realisierung der Wünsche.
Alters-WG wird eingerichtet
In ihrer WG soll jeder und jede eine eigene Wohnung erhalten mit eigener Küche, Bad und Haustür - aber es gibt auch Gemeinschaftsräume und -projekte. In die Kälberscheune kommen die entsprechenden Appartements. Interessierte Gleichgesinnte werden dann gesucht, um gemeinsam alt zu werden. Ein halbes Jahr Probewohnen sei jedoch vorgesehen, man müsse schließlich sehen, ob es tatsächlich beim Zusammenleben menschlich passe. Von vornherein in ihrem Konzept angedacht ist auch, später bei Bedarf eine Pflegekraft zu beschäftigen. Schon jetzt steht fest, dass es in dem Komplex nicht nur ums Älterwerden geht, sondern ebenfalls Mehrgenerationenwohnen entsteht. Im Sommer ziehen ihr Sohn mit Frau und zwei kleinen Kindern hierher. Aus einer großen Wohnung im Wohnhaus sollen zwei kleinere entstehen.
Für dieses Jahr haben sich Andrea und Reinhard Rühl schon viel vorgenommen. Sie möchten nicht nur den Hotelbetrieb führen und das Café an Wochenenden öffnen, sondern auch vier Wohnungen erstellen lassen. Die Architektin hat die Planungen aufgenommen, die neuen Eigner hoffen darauf, ihre Pläne zügig umzusetzen. Unter Denkmalschutz stehen nur das Taubenhaus und die große Scheune, die das Café beherbergt. Aber dennoch können sie nicht einfach bauen, wie sie wollen, weil der gesamte historische Komplex unter Ensembleschutz steht.
Mangelnden gastronomischen Erfahrungen setzen sie Elan, Entdeckergeist und Empathie entgegen - und sie vertrauen auf künftige WG-Bewohnende, die Lust haben, mit ihnen Café und Projekte gemeinsam zu betreiben. Reinhard Rühl ist einer Großfamilie großgeworden, die immer noch einen Gasthof in Nieder-Moos bei Vogelsberg betreibt. Zunächst war er in einem technischen Beruf beschäftigt, viele Jahre davon europaweit im Außendienst. Vor 20 Jahren machte er sich im Bereich Fotovoltaik selbstständig und vertreibt heute spezielle Massagesessel, die dem Stressabbbau und der Entspannung dienen.
Kurzer historischer Abriss
Das Taubenhaus mit seinem markanten Zwiebelturm und die Hofgebäude gehörten einst zum benachbarten Schloss des Graf Bremer. Das Gut Cadenberge wurde erstmals im 16. Jahrhundert als Teil der Besitzungen von Adolf Bremer (1520 bis 1603) erwähnt. Heute existieren das 1724 errichtete Herrenhaus, das noch als Berufsschulinternat genutzt wird, die Kämmerei sowie Teile des Wirtschaftshofes.
Seine Blüte erlebte das Gut unter Graf Georg von Bremer ab 1853. Er ließ das hübsche Taubenhaus errichten. Unter seiner Ägide erfolgte die Umgestaltung und es wurde der weitläufige Englischer Landschaftsgarten angelegt. Dieser Gutspark ist die größte erhaltene historische Parkanlage des Elbe-Weser-Raumes.
Der Taubenhof selbst umfasst die denkmalgeschützten Wirtschaftsgebäude des Gutes mit Gutscafé und Boutique-Hotel in der Großen Scheune, dem als Ferienhaus ausgebauten Taubenhaus und dem ehemaligen Bullenstall und der Kälberscheune.