Das Schloss in Cadenberge war über 40 Jahre Internat: Jetzt kommt der Neubau
CADENBERGE. Die Planierfahrzeuge sind angerollt. Hinter der Bauhalle der BBS Cadenberge bereiten sie seit wenigen Tagen den Baugrund für ein Riesenvorhaben des Landkreises vor. Dort entsteht für einen zweistelligen Millionenbetrag der Internatsneubau. Unklar bleibt, was aus dem Schloss wird.
Der Weg für diesen lang gehegten Wunsch wurde vom Land Niedersachsen mit einer Finanzierungszusicherung geebnet. Das Land hatte im Sommer 2021 dem Landkreis Cuxhaven als Träger die Genehmigung erteilt, für den Gästehaus-Neubau eine sogenannte "Öffentlich-Private Partnerschaft" (ÖPP) einzugehen. Auf dieses Signal hatte die Politik lange gewartet.
Beeindruckend und historisch
Das Vorhaben wurde als dringend notwendig erachtet - nicht zuletzt zwecks Standortsicherung. Aber auch im Sinne einer zeitgemäßen Unterbringung der Schülerinnen und Schüler. Denn so beeindruckend und historisch die bisherigen Räumlichkeiten auch sind. Die Unterbringung im großen Herrenhaus ist aus der Zeit gefallen, weil sie nicht mehr modernen Standards entspricht.
Zahlreiche Berufsschüler und -schülerinnen aus weiten Teilen Niedersachsens haben bislang dort ihre Schulzeit verbracht. Am Standort Cadenberge wurden über 40 Jahre hinweg alle niedersächsischen Auszubildenden zum Straßenwärter zentral beschult und untergebracht.
Zeitplan könnte unterschritten werden
Nun ist mit der Errichtung eines neuen Gästehauses eine neue Ära absehbar. Wann werden die Internatler ihre neuen Räume beziehen können? "Vertraglich vereinbart ist, dass das Internat im Spätsommer des kommenden Jahres bezugsfertig ist", teilt Landkreis-Pressesprecherin Kirsten von der Lieth auf Nachfrage unseres Medienhauses mit und fährt mit guten Nachrichten fort: Das Bauunternehmen Depenbrock GmbH & Co. Verwaltung KG sei derzeit zuversichtlich, diesen Zeitplan sogar unterschreiten zu können.
Zweigeschossiger Bau
Nach Fertigstellung werden sich im Erdgeschoss die allgemeinen Nutzbereiche des Gästehauses, wie Küche und Mensa, Sport- und Clubräume, Studentenwohnung, sowie Büro- und Lagerräume befinden. Auf zwei weiteren Etagen entstehen die Wohnbereiche mit insgesamt 76 Doppelzimmern und zwei Doppelzimmern für Menschen mit Behinderung. Ob diese ausreichen werden, hänge von der Auslastung der einzelnen Ausbildungsjahrgänge ab, heißt es seitens des Landkreises. "Die Auslastung der Ausbildungsjahrgänge ist leider auch bei detaillierter Planung nur begrenzt vorhersehbar", so Kirsten von der Lieth.
Die herrschaftlichen Backsteinimmobilie
Immer gab es auch Unterbringung außerhalb des Internates. Diese war als Lösung für Spitzenbelastung gedacht. Der Kreis rechnet damit, dass derartige Spitzenbelastungen gegebenenfalls auch nach Bezugsfertigkeit des Gästehauses mit privaten Unterbringungen aufgefangen werden müssen. Die Inanspruchnahme der Jugendherberge Wingst, wo bislang in solchen Fällen auswärtige Schülerinnen und Schüler untergebracht sind, werde aber voraussichtlich nicht mehr notwendig sein.
In den Sternen steht, was der Landkreis mit seiner herrschaftlichen Backsteinimmobilie nach dem Auszug des BBS-Internates machen wird. Kirsten von der Lieth: "Konkrete Vorstellungen zu einer Nachnutzung des denkmalgeschützten Gutshauses gibt es noch nicht."
Touristisch und gastronomisch genutzt
Höchst interessiert ist die Gemeinde Cadenberge daran, dass diese städtebaulich bedeutende Immobilie an prominenter Stelle nicht lange leer stehen wird, eine sinnvolle Nutzung entwickelt wird und der Kreis die Gemeinde in seine Überlegungen und Pläne einbeziehe, so Bürgermeister Heß. Schließlich ist das Herrenhaus nicht als Solitär zu sehen, sondern es gehe um ein ganzes historisches Ensemble mit Gutspark und Taubenhof, der sich auch unter den neuen Eigentümern touristisch und gastronomisch ausrichtet.
Gutskomplex seit 16. Jahrhundert
Das Gut Cadenberge wurde ursprünglich im Jahr 1520 erbaut und war Stammsitz des Grafen Adolf von Bremer (1520 bis 1603). Im Laufe der Jahrhunderte verfiel der Bau. Zu Beginn des 18. Jahrhundert wurde es abgerissen.
Heute existieren das 1724 im Stil der Weserrenaissance errichtete Herrenhaus, das noch als Berufsschulinternat genutzt wird, die Kämmerei sowie Teile des Wirtschaftshofes. Nachdem das Schloss grundlegend saniert wurde, zog in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts ein Internat der BBS ins Herrenhaus ein.
Denkmalgeschütztes Wirtschaftsgebäude
Seine Blüte erlebte das Gut unter Graf Georg von Bremer ab 1853. Er ließ das Taubenhaus errichten. Unter seiner Ägide erfolgte die Umgestaltung. Es wurde der weitläufige Englische Landschaftsgarten angelegt. Dieser Gutspark ist die größte erhaltene historische Parkanlage des Elbe-Weser-Raumes.
Der in Privatbesitz befindliche Taubenhof selbst hat ein denkmalgeschütztes Wirtschaftsgebäude mit Gutscafé und Boutique-Hotel in der Großen Scheune, das als Ferienhaus ausgebaute Taubenhaus, den ehemaligen Bullenstall und die Kälberscheune.
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