399 Meter lang, 58 Meter breit und ein Tiefgang von 12,8 Metern. Als die "Mumbai Maersk" vor Wangerooge auf Grund läuft, sind knapp 7300 Container an Bord. Um ein Schiff dieser Größe zu bewegen, braucht es enorme Kräfte und viele Schlepper. Foto: Sina Schuldt/ dpa
Vor Wangerooge

"Mumbai Maersk" wieder frei: Wie das Havariekommando Cuxhaven den Container-Riesen in Sicherheit brachte

von Tim Fischer | 04.02.2022

CUXHAVEN. Vor der Insel Wangerooge ist in der Nacht zu Donnerstag das Containerschiff "Mumbai Maersk" auf Grund gelaufen. Jetzt ist die Gefahr gebannt.

Auf einer Pressekonferenz am Freitag berichteten Dr. Robby Renner, Leiter des Havariekommandos, und Dieter Schmidt, technischer Direktor des Havariekommandos, darüber, wie das Schiff in tiefes Wasser gezogen werden konnte.

Es geschah am Mittwochabend: "Um 23.50 berührte der Containerfrachter ,Mumbai Maersk‘ den Meeresboden vor der Insel Wangerooge", schildert Renner. "Der Lotse war zu diesem Zeitpunkt bereits an Bord", ergänzt Dieter Schmidt.

Zur Krisenbesprechung getroffen

Kurze Zeit später informierte die Verkehrszentrale das Havariekommando über den Vorfall und bat um die Übernahme der Einsatzlage, so Renner. Der Havariestab habe sich sofort zur Krisenbesprechung getroffen. Gleichzeitig wurden die in Cuxhaven stationierten Schiffe "Neuwerk" und "Mellum" zum Havaristen beordert, berichtet der Leiter des Havariekommandos. Der Auftrag der beiden Mehrzweckschiffe sei es gewesen, den Erstversuch eines Schleppmanövers durchzuführen, um das Schiff vom Grund wegzuziehen.

Erster Versuch erfolglos

"Obwohl Experten an Bord gebracht wurden und die Mehrzweckschlepper in idealer Position versuchten, das Schiff zu bewegen, schlug der erste Versuch fehl", fasst der Leiter des Havariekommandos den ersten Anlauf zusammen.

Defekt nicht feststellbar

Im Folgenden nutzte das Havariekommando den nächsten Tag, um vom Reeder und einer Bergungsfirma mehr Daten über den Frachter zu erhalten.

Dazu gehörten laut Renner Daten über das Ballastwasser (Wasser, das von Seeschiffen aufgenommen wird, um bei Fahrten ohne Ladung oder mit nur wenig Ladung eine ausreichende Stabilität zu gewährleisten), die Lage auf dem Meeresgrund und die Anzahl der Container an Bord - es waren 7300 Standardcontainer.

Unterstützung kam aus den Niederlanden

Dazu wurde die Unterwasserlandschaft um das Containerschiff mit Sensoren vermessen. "So konnten wir genau sehen, wie der Havarist aufliegt", erklärt Renner. "Dadurch konnten wir die Handlungsoptionen anpassen", ergänzt Dieter Schmidt. "Dabei stellten wir fest, dass 7000 Tonnen Ballastwasser abgepumpt werden mussten und wir mehr Zugkraft benötigten", resümiert Renner. Die zusätzliche Unterstützung kam aus den Niederlanden in Form von zwei Hochseeschleppern. Ohne die beiden zusätzlichen Schlepper wäre die Bergung nicht möglich gewesen, heißt es vonseiten des Havariekommandos.

Viele Schlepper

"Insgesamt waren vier Hochseeschlepper vor Ort, darunter auch ,Neuwerk‘ und ,Mellum‘. Hinzu kamen fünf weitere normale Schlepper", erläutert Robby Renner. Jetzt musste nur noch der ideale Zeitpunkt identifiziert werden, um den Havaristen orchestriert freischleppen zu können. Um 0.30 Uhr begannen die Schlepper zu ziehen. Nach Angaben des Havariekommandos dauerte es lediglich 36 Minuten, den Havaristen zu bewegen und in tiefes Wasser freizuschleppen.

"Nordic" in der Werft

Nach diesem Schritt ging die "Mumbai Maersk" in der Nähe von Bremerhaven vor Anker. Funktionstests mussten durchgeführt werden. "Dabei wurde festgestellt, dass weder die Rudermaschine noch die Antriebsmaschinen einen Schaden davongetragen haben. Somit konnte eine schifffahrtspolizeiliche Freigabe eingeholt werden", sagt Renner. Das Schiff konnte mit eigener Kraft nach Bremerhaven fahren.

Ob es sich bei der Havarie um menschliches Versagen des Lotsen oder des Kapitäns handelte, muss noch polizeilich ermittelt werden. Das Havariekommando konnte auf Nachfrage keine Angaben zum aktuellen Sachstand machen. Robby Renner: "Darüber liegen uns keine Informationen vor. Das müssen die Ermittlungen zeigen."

Kein Einzelfall mehr

Die Frage, warum der wohl leistungsfähigste Hochseeschlepper "Nordic" nicht eingesetzt wurde und Schlepper aus den Niederlanden angefordert werden mussten, beantwortete das Havariekommando im Anschluss an die Pressekonferenz. "Am vergangenen Wochenende gab es einen Orkan und der Hochsee-Bergungsschlepper ,Nordic‘ war für das Havariekommando im Einsatz. Bei der Hilfe für einen Havaristen hat sich das Schiff einen Schaden zugezogen, der einen Werftaufenthalt erfordert", erklärt Renner.

Seefahrt hat sich rapide verändert

"Die Seefahrt hat sich in den letzten Jahren rapide verändert und wir betrachten mit großen Interesse diese Veränderungen, die stattfinden", so Renner. Man müsse sich auf die Herausforderungen vorbereiten und Einsatzkräfte und den eigenen Stab weiter trainieren und schulen. Komplexe Schadenslagen wie der Vorfall mit der "Mumbai Maersk" würden immer wahrscheinlicher, so der Leiter des Havariekommandos.

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Tim Fischer

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