Suche nach Nancy Köhn aus Hechthausen: Was bislang bekannt ist
HECHTHAUSEN. Ist sie eines natürlichen Todes gestorben? Lebt sie noch? Oder wurde sie umgebracht? Das Schicksal der 2009 verschwundenen Nancy Köhn aus Hechthausen ist ungeklärt.
Er ist und bleibt ein mysteriöser Fall: Eine junge Frau aus Hechthausen verschwindet 2009 - spurlos. Ihr Auto wird an einer S-Bahnstation in Hamburg entdeckt, doch es gibt keine Hinweise, was mit Nancy Köhn passiert ist. Die Polizei geht weiterhin von einem Gewaltverbrechen aus und hat den Fall erneut aufgerollt. Am Mittwoch, 24. August, wird bereits zum zweiten Mal über in der ZDF-Sendung "Aktenzeichen Aktenzeichen XY ... ungelöst" ab 20.15 Uhr darüber berichtet.
Das letzte Lebenszeichen von Nancy Köhn, die aus Hagenow (Mecklenburg-Vorpommern) stammt und später mit ihrem Partner nach Hechthausen-Bornberg zog, gab es im März 2009, als die 26-Jährige mit ihrer Mutter telefonierte.
Krise in der Beziehung
Zu dieser Zeit hatte es in der Beziehung mit ihrem Freund heftig gekriselt. Der damals 31-Jährige sprach später von Streitigkeiten, die zu einem Bruch in der Partnerschaft geführt hätten. Im Streit habe er auch das Haus verlassen und damit zum letzten Mal Nancy Köhn gesehen und mit ihr gesprochen.
Nancys Bruder hatte ein ungutes Gefühl, dass der Kontakt zu seiner Schwester so abrupt abgebrochen war. Er erstattete im Juli 2009 Vermisstenanzeige, fuhr nach Hechthausen und stellte ihren ehemaligen Lebensgefährten zur Rede. Wo Nancy denn sei? Der stellt lapidar die Gegenfrage: "Ist sie denn nicht bei euch?"
Suche auf dem Grundstück
Hat der 31-Jährige etwas mit dem Verschwinden der jungen Frau zu tun? Die Polizei ging der Sache im wahrsten Sinne des Wortes auf den Grund. Im November 2009 suchte man auf dem rund 2000 Quadratmeter großen Grundstück, auf dem das Haus des einstigen Paares steht, nach Hinweisen auf eine Leiche. Mehr als 1000 Löcher wurden ausgehoben, damit Spürhunde leichter Witterung aufnehmen konnten. Selbst ein Teich wurde bis zu einer Tiefe von drei Metern ausgehoben. Trotz Spürhunden und Spezialgerät gab es aber keinerlei Hinweise.
Auch eine andere Spur hatte zuvor die Polizei nicht weiter vorangebracht. Bis zu ihrem Verschwinden war Nancy Köhn im Besitz eines blauen Ford Mondeo mit dem Kennzeichen CUX-LW 562. Ende April 2009 (also einen Monat, nachdem sie spurlos von der Bildfläche verschwunden war) fand man den Wagen auf dem Parkplatz der Hamburger S-Bahn-Station "Mittlerer Landweg", wo ihn die Behörden sicherstellten. Möglicherweise war der Wagen auch aufgebrochen worden, denn die Polizei sucht den oder die Täter, die ihn beschädigt hatten: "Diese Taten sind mittlerweile aber verjährt", so die Polizei in einem neuen Fahndungsplakat, auf dem nähere Hinweise zu Nancy Köhn stehen.
Auto wird verschrottet
Das Problem damals: Bevor bekannt wurde, dass Nancy Köhn, die für die Behörden nicht mehr erreichbar war, möglicherweise Opfer einer Gewalttat geworden ist, war das Auto und mit ihm mögliche Beweismittel verschrottet worden. Auf Briefe der Hamburger Behörden hatte es zuvor keine Reaktionen gegeben.
"Die Akte wird nicht geschlossen", hatte die Polizei 2019 und damit zehn Jahre nach Nancy Köhns Verschwinden gegenüber unserer Redaktion versichert. Und tatsächlich ist der Fall erneut aufgerollt und nach möglichen unbekannten Ansatzpunkten überprüft worden. "Die Polizei verfolgt immer noch die Theorie, dass Nancy Köhn einem Gewaltverbrechen zum Opfer gefallen sein muss.
Update in der Sendung
Zu diesem Entschluss kamen jetzt auch "neutrale Ermittler und Studierende der Polizeiakademie Nienburg, die sich ein weiteres Mal mit dem Fall beschäftigt haben", heißt es bei der Polizei. Dass sie immer noch von einer "Theorie" spricht, bekräftigt nicht gerade die Annahme, dass es eine neue und vielversprechende Spur gibt. Daher ist auch nur von einem "Update" zum bereits 2012 in der ZDF-Sendung vorgestellten Fall durch einen der Ermittler der Polizei die Rede.
Dieser wird übrigens vom Bruder der Vermissten begleitet, der einen "Appell an die Zuschauerinnen und Zuschauer der Sendung richten" werde. Klingt irgendwie nach dem "Prinzip Hoffnung" ...
EINIGE HINWEISE ZUM FALL:
Die Polizei Cuxhaven hat ein Hinweistelefon zum Fall Nancy Köhn geschaltet. Hinweise können über die Rufnummer (0 47 21) 57 32 00 mitgeteilt werden.
Der Präsident der Polizeidirektion Oldenburg, Johann Kühme, hat eine Belohnung von 5.000 Euro für Hinweise ausgesetzt, die zur Aufklärung des Vermisstenfalls und des möglichen Täters oder der Täter beitragen.
Der Fall gehört in die "Cold Case"-Reihe der Polizei. Dabei werden zum Teil jahrzehntealte Fälle neu aufgerollt und mit modernen Untersuchungs- und Ermittlungsmethoden untersucht.
Einer der bekanntesten Fälle im Cuxland, die durch diese "Cold Case"-Methode eine völlig neue Wendung nahm, war der Mord an der Neuenkirchenerin Swantje Starke, die bereits 1981 durch 60 Messerstiche zum Opfer gefallen war.
Erst 2010 wurde ihr Mörder in einem Indizienprozess zu einer lebenslänglichen Freiheitsstrafe verurteilt. Ausschlaggebend waren DNA-Spuren, die man erst heute auswerten konnte.