Der Autostart erfordert hohe Konzentration bei den Trabern und dem Starterteam. Foto: Adelmann
Der Autostart erfordert hohe Konzentration bei den Trabern und dem Starterteam. Foto: Adelmann
Aushängeschild für Cuxhaven

87. Duhner Wattrennen in Cuxhaven: Spannend bis zur letzten Minute

von Maren Reese-Winne | 16.07.2023

Spannend war es auf der Bahn: Zum Schluss schnappte Krista Trimmer auf der Zielgeraden dem Routinier Jochen Holzschuh beim 11. Lauf des Duhner Wattrennens noch den Sieg vor der Nase weg. So verlief der weitere Renntag. 

Der Eindruck zog sich durch den Tag: "Es waren mehr Leute da und die Stimmung war ganz besonders gut." Veranstalter und Polizei zählten rund 15.000 Gäste. Als der Regen über Cuxhaven hereinbrach, waren die Spuren des Rennens im Watt schon fast beseitigt, denn gleich nach den Ende des letzten Rennens fuhren die Helfer der Nordseeheilbad Cuxhaven GmbH mit ihren Fahrzeugen ins Watt, um die Begrenzungen wieder einzuladen.

Ab mittags war an einem sonnigen Tag mit Hitzerekorden in Deutschland die Vorfreude auf den Renntag aufgekommen. Wegen der Tide und des späten Veranstaltungsbeginns hatte der Verein das Traditionsrennen auf einen Sonnabend verlegt.

Zahlreiche Gäste verfolgten um 14 Uhr den Bügeltrunk vor dem Strandhotel Kamp, auf dem die Pferde der Haflingerfreunde Cuxhaven ein ebenso imposantes Bild abgaben wie die Cuxland-Parforcehornbläser, die sich noch Unterstützung aus Schleswig-Holstein dazugeholt hatten. Die Haflingerfreunde zeigten später am Strand eine Quadrille zur Musik des Wellerman-Songs und kamen diesmal mit Fischerhemden und Elbsegler-Mützen daher.

Keine Pflichterfüllung, sondern Leidenschaft

Ehrengast Olaf Lies, niedersächsischer Minister für Wirtschaft, Verkehr, Bauen und Digitalisierung, begleitete den Renntag zum dritten Mal und konnte das Engagement des Vereins für Pferderennen auf dem Duhner Watt nicht genug loben. Es handle sich spürbar nicht nicht um eine Pflichterfüllung, sondern echte Leidenschaft. Das weithin austrahlende Wattrennen lenke den Blick auf einen Stadt voller positiver Entwicklungen, aber auch auf die einzigartige Natur des UNESCO-Weltnaturerbes. Der Erfolg sei nicht zuletzt den Teilnehmenden zu verdanken, die Jahr für Jahr diese spannende sportliche Herausforderung suchten. 

Minister Olaf Lies, Wattrenn-Präsident Jos van der Meer, Neptun und Oberbürgermeister Uwe Santjer eröffneten das Rennen und bekamen dabei Unterstützung durch Jan Cux und Cuxi. Foto: Reese-Winne

Jos van der Meer hob die Liebe und den Leidenschaft für den Pferdesport sowie die Partnerschaft zwischen Mensch und Pferd hervor und freute sich über ideale äußere Bedingungen mit einem prima Geläuf. Von nicht weniger als dem schönsten Pferderennen weltweit sprach Oberbürgermeister Uwe Santjer. Er dankte den Hunderten von Ehrenamtlichen, die diese Arbeit machten, ohne dafür ins Rampenlicht zu kommen.

"Das schaffst Du noch ein Mal", raunte Santjer dem im Neptun-Kostüm bereitstehenden Altenwalder Karl-Heinz Rohbrecht bestärkend zu, der - nach der Vorstellung einiger neuer Akteure und Besonderheiten - ankündigte, sich nun endgültig zur Ruhe zu setzen: "Ich werde das Wattrennen immer in meinem Herzen tragen", verabschiedete sich Karl-Heinz Rohbrecht, der 53 Jahre lang für Cuxhaven ins Neptun-Kostüm schlüpfte. Mit einem "Gut Nass Ahoi" eröffneten Neptun und die Offiziellen das Rennen.

Der Wunsch, dass alle Beteiligten wieder gesund ans Ufer kommen mögen, ging in Erfüllung - zur großen Erleichterung aller, die im vergangenen Jahr den schweren Sturz der Amazone Silke Brüggemann miterlebt hatten. Vielmehr gab es richtig spannende Rennen und auch mal Unvorhergesehenes wie zwei Fehlstarts zu sehen. Es war faszinierend, dem jungen Live-Sprecher Marvin Schridde zuzuhören, der vom Richterturm auf dem Deich aus den Überblick behielt.

Das Geschehen aus der Perspektive des Sprechers Marvin Schridde. Foto: Adelmann

Diesmal ohne Stress mit der Tide

Sechs Trabrennen, ein Trabreiter-, vier Galopprennen und ein Minitraberrennen - so setzte sich das straffe, um 15 Uhr beginnende sportliche Programm zusammen, das ohne Stress mit der Tide zu Ende gebracht werden konnte, und das bei nahezu perfekten äußeren Bedingungen. Ein paar Tropfen zählten nicht, und die gegen Abend heranrollenden Wolken hielten sich an den beschwörenden Ausspruch: "Das zieht vorbei."

Überall waren Gäste zu sehen, die sich in die Programmhefte vertieften und anschließend ihre Tipps in den Wettbüros platzierten. Lange vor Schluss ging Jos van der Meer schon von über 100.000 Euro Umsatz aus.

Ganz nah herangeholt: Die Trabreiter vor der Kulisse am Duhner Strand. Foto: Adelmann

Das Interviewen der Siegerinnen und Sieger sowie der Sponsoren im Siegerfeld übernahm Hans-Ludolf Matthiessen, Präsident des Hamburger Rennclubs, der auch den Preisstiftern ihren Raum gab und mit der - mit einem Augenzwinkern dargebrachten - Beschreibung des Nordseebads Otterndorf als "Blankenese Cuxhavens" die Einheimischen zum Staunen brachte.

Beste Amazone wurde Vivien Korbus

Das erste Rennen - Preis der Cuxhaven-Niederelbe Verlagsgesellschaft und des Havenhostels Cuxhaven - konnte Vivien Korbus auf "Geronimo" für sich entscheiden. Sie gewann auch im 7. Rennen den Wanderpreis des Niedersächsischen Ministerpräsidenten und holte erneut die Auszeichnung für die beste Amazone. Das Blaue Band des Wattenmeeres holte sich Denny Den Dubbelden mit "Call On Me Ranais" und im letzten Rennen um den Preis von Döse schnappte Krista Trimmer mit "Jonne Cavallo" auf der Zielgeraden dem Routinier Jochen Holzschuh den Sieg vor der Nase weg, was noch einmal Rufe in den Zuschauerreihen nach sich zog.

Doppelsiegerin Vivien Korbus holte extra Karl-Heinz Rohbrecht heran, der als Neptun seinen letzten Auftritt hatte. Foto: Adelmann

Holzrücken ist zum Leistungssport geworden

Das Rahmenprogramm bestritten neben den Haflingerfreunden Thomas Glander und Ludger Wigger, die mit drei Kaltblütern das Holzrücken präsentierten. Was einst bei der Arbeit im Wald bedeutsam war, ist heute ein sportlicher Wettkampf, in dem die beide auf europäischer Ebene antreten. Die Marineflieger aus Nordholz schickten für den obligatorischen Überflug je einen Sea-Lynx- und einen NH-90-Hubschrauber - Vorgänger und Nachfolger - über das Festgelände. Den ganzen Tag über herrschte ordentlich Trubel auf der Fest- und Essenmeile hinter dem Deich. Die Polizei zog eine "durchweg positive" Bilanz und meldete keine besonderen Vorkommnisse - bis auf hohes Verkehrsaufkommen in Duhnen.

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Maren Reese-Winne

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Cuxhavener Nachrichten/Niederelbe-Zeitung

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