"Tanzen auf vielen Hochzeiten": Cuxhaven auf Kurs zur Pole-Position im Offshore-Wind
In Cuxhaven überschlagen sich die Ereignisse: ein Rekord-Förderbescheid, der das Offshore-Zentrum neu gestaltet, eine Ladenöffnung, die über hundert Jobs bringt, und ein dänischer Investor, der mit großen Plänen aufwartet.
Es war kein gewöhnlicher Sachstandsbericht, den Kai Sawischlewski von der städtischen Wirtschaftsförderung dem Ausschuss für Wirtschaft und Häfen in seiner jüngsten Sitzung vorlegte. Innerhalb weniger Wochen hatten sich drei Ereignisse zusammengefunden, die Cuxhavens Weg als Industriestandort der Energiewende auf eine neue Stufe heben: ein Rekord-Förderbescheid, eine lang ersehnte Ladenöffnung und ein dänischer Investor, der mit dem Bagger anrückt.
Mitte März überreichte Niedersachsens Wirtschaftsminister Grant Hendrik Tonne einen Bescheid über 30 Millionen Euro. Die höchste Einzelförderung, die die Stadt Cuxhaven je erhalten hat. Das Geld fließt aus dem Programm der Gemeinschaftsaufgabe zur Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur (GRW) und deckt anteilig den Neubau einer Brücke sowie eines Hafenzubringers im Deutschen Offshore-Industrie-Zentrum (DOIZ) ab. Rund 15 Monate Vorarbeit lagen diesem Bescheid zugrunde, geleistet gemeinsam von Stadt, Cuxhaven HafenEntwicklung GmbH, dem niedersächsischen Wirtschaftsministerium und der NBank.

Kaufland öffnet und schafft mehr als hundert Jobs
Einige Wochen zuvor öffnete der neue Vollsortimenter neben dem Bürgerbahnhof seine Türen: Cuxhaven hatte 2021 mit der Schließung von Real - damals arbeiteten dort 82 Menschen - sein letztes großes Lebensmittelanker-Geschäft in der Innenstadt verloren. Kaufland hat das Gebäude erworben, aufwendig saniert und nun neu bespielt: Allein der Betreiber selbst zählt 80 neue Arbeitsplätze, in der Summe mit den Mietern dm, NKD, Woolworth sowie den regionalen Unternehmen Busse und Itjen sind weit über hundert neue sozialversicherungspflichtige Stellen entstanden. Das Einzugsgebiet reicht dabei weit über die Innenstadt hinaus. Auch Lotsenviertel und Hafen profitieren von der neuen Nahversorgungsachse.
Dass keine Apotheke eingezogen ist, sorgte im Ausschuss für Nachfragen. Ältere Bürgerinnen und Bürger aus Groden etwa, die mit dem Bus fahren und ihren Rollator schwer beladen, hätten gerne beides erledigt. Sawischlewski verwies auf ein Rezept-Terminal, über das Medikamente bestellt und abgeholt werden können. Das Grundproblem aber - fehlende Apothekerinnen und Apotheker auf dem Markt - ließ sich nicht wegdiskutieren.

Jupiter Bach legt los - 4,5 Millionen im Hafen
Das jüngste Kapitel wurde am 6. März aufgeschlagen: Jupiter Bach, ein dänischer Hersteller von Gondeln für Windkraftanlagen, begann an diesem Tag mit den Erdarbeiten auf seiner Fläche im DOIZ. Das Investitionsvolumen beläuft sich auf 4,5 Millionen Euro. Ein Standortleiter ist bereits in Cuxhaven, Vorstellungsgespräche liefen nach Angaben Sawischlewskis mit guter Resonanz. Da der eigentliche Hallenbau noch Zeit braucht, hat die Wirtschaftsförderung für Jupiter Bach eine Übergangslösung bei Cuxport vermittelt. Ein Beweis dafür, wie kurz die Wege zwischen den Akteuren im Hafen geworden sind. Auch hier sind lokale Unternehmen an den Bauarbeiten beteiligt, wie schon bei den Schwerlastlagerflächen, wo das Konsortium Mibau/Freimuth und das Unternehmen Kurt Fredrich Spezialtiefbau aus Lockstedt tätig sind.
Parallel laufen die Arbeiten in der blauen CSC-Halle: Der alte Hallenboden wird komplett herausgerissen. Der Grund ist schlicht physikalischer Natur: Die neuen Bauteile lasten bis zu dreieinhalbtausend Tonnen auf dem Boden, viermal so viel, wie der alte Untergrund tragen konnte.

Cuxhaven auf internationalem Parkett
Zur Sitzung blickte Kai Sawischlewski auch auf den Messekalender. In der 12. Kalenderwoche reiste die Wirtschaftsförderung zur Windforce-Konferenz nach Bremerhaven, hochrangig besetzt mit Ministerpräsident Olaf Lies, BSH, BNetzA sowie Energiekonzernen wie RWE, Iberdrola und TotalEnergies. Cuxport war dort selbst als Vortragender vertreten. Im September folgt die WindEnergy in Hamburg, Europas Leitmesse der Branche, an der Cuxhaven gemeinsam mit dem Land Niedersachsen, Seaports of Niedersachsen und dem Partnerstandort Emden unter einem gemeinsamen Niedersachsen-Stand auftritt. Das Modell der geteilten Messekosten hat sich bewährt, die meisten Unternehmen haben ihre Teilnahme bereits bestätigt.
Jenseits dieser Schlaglichter begleitet die Wirtschaftsförderung zahlreiche Unternehmen bei Erweiterungsvorhaben, Standortkonsolidierungen und Unternehmensnachfolgen. Förderanträge laufen, ohne dass Einzelheiten öffentlich gemacht werden können. Der Breitbandausbau in Altenbruch, Lüdingworth und Arensch schreitet in Kooperation mit dem Landkreis voran. Und über die Leader-Regionen Land Hadeln und Wesermünde Nord lassen sich private wie kommunale Projekte mit Fördermitteln unterlegen. "Wir tanzen auf vielen Hochzeiten", sagte Kai Sawischlewski und meinte es als Kompliment an das Team der städtischen Wirtschaftsförderung.