Auf der rot markierten Fläche im Cuxhavener Hafen soll das neue Werk von Jupiter Bach gebaut werden. Es liegt damit in zentraler Lage mitten im Zuliefererpark des Deutschen Offshore-Industrie-Zentrums. Foto: Wirtschaftsförderung Cuxhaven
Auf der rot markierten Fläche im Cuxhavener Hafen soll das neue Werk von Jupiter Bach gebaut werden. Es liegt damit in zentraler Lage mitten im Zuliefererpark des Deutschen Offshore-Industrie-Zentrums. Foto: Wirtschaftsförderung Cuxhaven
Wirtschaftsförderung zieht Bilanz

"Tanzen auf vielen Hochzeiten": Cuxhaven auf Kurs zur Pole-Position im Offshore-Wind

von Jens Potschka | 27.03.2026

In Cuxhaven überschlagen sich die Ereignisse: ein Rekord-Förderbescheid, der das Offshore-Zentrum neu gestaltet, eine Ladenöffnung, die über hundert Jobs bringt, und ein dänischer Investor, der mit großen Plänen aufwartet. 

Es war kein gewöhnlicher Sachstandsbericht, den Kai Sawischlewski von der städtischen Wirtschaftsförderung dem Ausschuss für Wirtschaft und Häfen in seiner jüngsten Sitzung vorlegte. Innerhalb weniger Wochen hatten sich drei Ereignisse zusammengefunden, die Cuxhavens Weg als Industriestandort der Energiewende auf eine neue Stufe heben: ein Rekord-Förderbescheid, eine lang ersehnte Ladenöffnung und ein dänischer Investor, der mit dem Bagger anrückt.

Mitte März überreichte Niedersachsens Wirtschaftsminister Grant Hendrik Tonne einen Bescheid über 30 Millionen Euro. Die höchste Einzelförderung, die die Stadt Cuxhaven je erhalten hat. Das Geld fließt aus dem Programm der Gemeinschaftsaufgabe zur Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur (GRW) und deckt anteilig den Neubau einer Brücke sowie eines Hafenzubringers im Deutschen Offshore-Industrie-Zentrum (DOIZ) ab. Rund 15 Monate Vorarbeit lagen diesem Bescheid zugrunde, geleistet gemeinsam von Stadt, Cuxhaven HafenEntwicklung GmbH, dem niedersächsischen Wirtschaftsministerium und der NBank.

Die neue Schwerlastbrücke wird die Umschlag- und Gewerbeflächen sowie das Siemens Gamesa Werk mit der Bundesstraße 73 verbinden. Grafik: Stadt Cuxhaven/AfW

Kaufland öffnet und schafft mehr als hundert Jobs

Einige Wochen zuvor öffnete der neue Vollsortimenter neben dem Bürgerbahnhof seine Türen: Cuxhaven hatte 2021 mit der Schließung von Real - damals arbeiteten dort 82 Menschen - sein letztes großes Lebensmittelanker-Geschäft in der Innenstadt verloren. Kaufland hat das Gebäude erworben, aufwendig saniert und nun neu bespielt: Allein der Betreiber selbst zählt 80 neue Arbeitsplätze, in der Summe mit den Mietern dm, NKD, Woolworth sowie den regionalen Unternehmen Busse und Itjen sind weit über hundert neue sozialversicherungspflichtige Stellen entstanden. Das Einzugsgebiet reicht dabei weit über die Innenstadt hinaus. Auch Lotsenviertel und Hafen profitieren von der neuen Nahversorgungsachse.

Dass keine Apotheke eingezogen ist, sorgte im Ausschuss für Nachfragen. Ältere Bürgerinnen und Bürger aus Groden etwa, die mit dem Bus fahren und ihren Rollator schwer beladen, hätten gerne beides erledigt. Sawischlewski verwies auf ein Rezept-Terminal, über das Medikamente bestellt und abgeholt werden können. Das Grundproblem aber - fehlende Apothekerinnen und Apotheker auf dem Markt - ließ sich nicht wegdiskutieren.

Seit Ende Februar begrüßt Kaufland viele neue Kundinnen und Kunden - und das bleibt bei anderen Märkten nicht unbemerkt. Foto: Koppe

Jupiter Bach legt los - 4,5 Millionen im Hafen

Das jüngste Kapitel wurde am 6. März aufgeschlagen: Jupiter Bach, ein dänischer Hersteller von Gondeln für Windkraftanlagen, begann an diesem Tag mit den Erdarbeiten auf seiner Fläche im DOIZ. Das Investitionsvolumen beläuft sich auf 4,5 Millionen Euro. Ein Standortleiter ist bereits in Cuxhaven, Vorstellungsgespräche liefen nach Angaben Sawischlewskis mit guter Resonanz. Da der eigentliche Hallenbau noch Zeit braucht, hat die Wirtschaftsförderung für Jupiter Bach eine Übergangslösung bei Cuxport vermittelt. Ein Beweis dafür, wie kurz die Wege zwischen den Akteuren im Hafen geworden sind. Auch hier sind lokale Unternehmen an den Bauarbeiten beteiligt, wie schon bei den Schwerlastlagerflächen, wo das Konsortium Mibau/Freimuth und das Unternehmen Kurt Fredrich Spezialtiefbau aus Lockstedt tätig sind.

Parallel laufen die Arbeiten in der blauen CSC-Halle: Der alte Hallenboden wird komplett herausgerissen. Der Grund ist schlicht physikalischer Natur: Die neuen Bauteile lasten bis zu dreieinhalbtausend Tonnen auf dem Boden, viermal so viel, wie der alte Untergrund tragen konnte.

Sandaufspülung im Gange: Im neuen Offshore-Basishafen werden derzeit 2,5 Millionen Kubikmeter Sand eingebracht, eine Menge, die mit rund 140 Schwerlasttransporten à 40 Tonnen gleichzusetzen wäre. Die Logistik erfolgt von der Seeseite aus. Das schont Straßen und die Nerven der Anwohner. Foto: Potschka

Cuxhaven auf internationalem Parkett

Zur Sitzung blickte Kai Sawischlewski auch auf den Messekalender. In der 12. Kalenderwoche reiste die Wirtschaftsförderung zur Windforce-Konferenz nach Bremerhaven, hochrangig besetzt mit Ministerpräsident Olaf Lies, BSH, BNetzA sowie Energiekonzernen wie RWE, Iberdrola und TotalEnergies. Cuxport war dort selbst als Vortragender vertreten. Im September folgt die WindEnergy in Hamburg, Europas Leitmesse der Branche, an der Cuxhaven gemeinsam mit dem Land Niedersachsen, Seaports of Niedersachsen und dem Partnerstandort Emden unter einem gemeinsamen Niedersachsen-Stand auftritt. Das Modell der geteilten Messekosten hat sich bewährt,  die meisten Unternehmen haben ihre Teilnahme bereits bestätigt.

Jenseits dieser Schlaglichter begleitet die Wirtschaftsförderung zahlreiche Unternehmen bei Erweiterungsvorhaben, Standortkonsolidierungen und Unternehmensnachfolgen. Förderanträge laufen, ohne dass Einzelheiten öffentlich gemacht werden können. Der Breitbandausbau in Altenbruch, Lüdingworth und Arensch schreitet in Kooperation mit dem Landkreis voran. Und über die Leader-Regionen Land Hadeln und Wesermünde Nord lassen sich private wie kommunale Projekte mit Fördermitteln unterlegen. "Wir tanzen auf vielen Hochzeiten", sagte Kai Sawischlewski und meinte es als Kompliment an das Team der städtischen Wirtschaftsförderung.

Wie hat Ihnen der Artikel gefallen?

(1 Stern: Nicht gut | 5 Sterne: Sehr gut)

Feedback senden

CNV-Nachrichten-Newsletter

Hier können Sie sich für unseren CNV-Newsletter mit den aktuellen und wichtigsten Nachrichten aus der Stadt und dem Landkreis Cuxhaven anmelden.

Die wichtigsten Meldungen aktuell


Bild von Jens Potschka
Jens Potschka

Redakteur
Cuxhavener Nachrichten/Niederelbe-Zeitung

potschka@no-spamcnv-medien.de

Lesen Sie auch...
Bauen und Wohnen

Wechsel an der Spitze der Cuxhavener Siedlungsgesellschaft angekündigt

von Kai Koppe

Ulrike Petruch soll zum Jahreswechsel Peter Misener "beerben" und die Führung des Unternehmens übernehmen.

Lokalpolitik

Oberbürgermeister-Wahl in Cuxhaven: Grüne unterstützten die Kandidatur Uwe Santjers

von Maren Reese-Winne

Die Voten von Vorstand und Ortsversammlung waren einstimmig. Bündnis 90/Grüne haben sich entschieden: Sie werden bei der Oberbürgermeisterwahl am 13. September in Cuxhaven die Kandidatur des Amtsinhabers Uwe Santjer (SPD) unterstützen. 

Umweltaktivistinnen

Warum diese Frauen in Cuxhaven freiwillig Müll aufsammeln - und was sie dabei erleben

von Wiebke Kramp

In Cuxhaven zieht eine Gruppe engagierter Frauen durch die Straßen, um die Umwelt von Müll zu befreien. Mit Greifern und Gesprächen sensibilisieren sie Passanten für einen achtsamen Umgang mit der Natur.

Lang lebe die Liebe

"Immer Ja sagen zu allem": Die Geheimnisse der Cuxhavener Ehejubilare

von Märthe Werder

In der Kugelbake-Halle in Cuxhaven kamen Dutzende Paare zusammen, die seit Jahren verheiratet sind. Sie alle hatten eine Gemeinsamkeit: Sie feiern in diesem Jahr Ehejubiläum. Und zur Feier des Tages verrieten die Jubilare ihre Erfolgsrezepte.