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Die Protestierenden wollten eine Abwendung des Beschlusses in letzter Minute erreichen. Für sie kann der erhoffte Effekt des Regenrückhaltebeckens den Verlust für die Natur nicht aufwiegen. Foto: Reese-Winne
Die Protestierenden wollten eine Abwendung des Beschlusses in letzter Minute erreichen. Für sie kann der erhoffte Effekt des Regenrückhaltebeckens den Verlust für die Natur nicht aufwiegen. Foto: Reese-Winne
Naturschutz

Cuxhaven: Stadt und EWE Wasser trotz Protests fest vom Arnhausen-Projekt überzeugt

von Maren Reese-Winne | 02.11.2026 Zuletzt aktualisiert: 02.11.2026 14:32 Uhr

In Cuxhaven-Groden entfacht der geplante Bau eines Regenrückhaltebeckens hitzige Debatten. Stadt und EWE Wasser betonen die Notwendigkeit des Vorhabens in Arnhausen und nennen ihre Argumente. Die politische Entscheidung scheint inzwischen sicher.

Im Rathaus-Innenhof hatte sich am vergangenen Dienstag Protest formiert, um im letzten Moment die Mitglieder des Ausschusses für Digitalisierung und technische Dienste zu bewegen, die Abstimmung über den Beginn der vorgezogenen Ausgleichs- und Vermeidungsmaßnahmen im Gebiet Arnhausen in die neue Ratsperiode zu verschieben. Kurz darauf gab es drinnen eine klare Entscheidung. Bei einer Gegenstimme (durch das in Kürze ausscheidende Ratsmitglied der Grünen Robert Babacé) sprachen sich die Mitglieder dafür aus, das Vorhaben weiterzuverfolgen.

"There's no Planet B", "Walderhalt statt Regenrückhaltebecken", "Fehlplanung" oder "Naturzerstörung ohne Bedarf" stand auf den Schildern, mit denen die rund 40 Protestierenden auf Aufruf der BUND-Kreisgruppe Cuxhaven, der Initiative Stadtgrün und "Parents for Future" ihren Protest gegen den Bau des Regenrückhaltebeckens und die Teilrodung in dem ökologisch wichtigen Gebiet Ausdruck verliehen. 

Vor großer Kulisse reagierte der Fachbereichsleiter und stellvertretende Dezernatsleiter Torsten Köhne in der Sitzung sichtlich gereizt auf die im Raum stehenden Behauptungen. Viele der durch den BUND genannten Zahlen seien nicht nachvollziehbar, so Köhne: "Wir können gerne diskutieren, aber auf Faktenbasis", meinte er in die Richtung der Zuschauer.

Fachausschuss stieg nicht in Diskussion ein

Ohne weiteren Redebedarf stimmte der Fachausschuss für die Pläne zur Umsiedlung von Brutvögeln, Fledermäusen und Amphibien. Die rund 186.000 Euro teure Maßnahme kann als Beginn der Arbeiten an dem Rückhaltebecken verstanden werden. Maßgeblich wird das Ja des Verwaltungsausschusses am kommenden Donnerstag sein. 

Der Verlauf wurde in der Zuhörerschaft mit Enttäuschung und Empörung aufgenommen. In den kritischen Nachfragen (Bericht folgt) wurde auch spürbar, dass sich viele Grodenerinnen und Grodener in vielerlei Weise nicht ausreichend gehört und daher benachteiligt fühlen.

Der aus dem Rat ausscheidende langjährige Ausschussvorsitzende Peter Altenburg (Die Cuxhavener) schloss die Sitzung nicht zufällig mit den Worten "Lasst mir die Stadt nicht untergehen."

Zwei Tage nach der Sitzung ließ sich unser Medienhaus in einem lange vereinbarten Gespräch mit der Stadt und EWE Wasser noch einmal die Hintergründe der Entwässerungsmaßnahmen in Groden erläutern. Dabei gehe es nicht zuvorderst um Starkregenereignisse, sondern zunächst mal um die Regelentwässerung, so Umweltwissenschaftlerin Sarah Chagrou von der Unteren Wasserbehörde (Stadt Cuxhaven).

Der rote Rahmen umreißt das Projektgebiet: die Straßen Im Mittelteil, Kastanienweg und die Querstraßen. In Grün sind die Überstaupunkte im Fall stärkerer Regenfälle gekennzeichnet. Sie sollen entschärft werden. Plan: Stadt Cuxhaven

Im Generalentwässerungsplan von 2012 seien Schwachpunkte in der regulären Entwässerung festgehalten, Projektgebiete benannt und priorisiert worden. Kurz nach Ende der letzten Arbeiten in der Innenstadt solle es mit "GrodEN 1" (Groden Entwässerung) weitergehen. Eine  Machbarkeitsstudie habe klar die Notwendigkeit des Regenrückhaltebeckens gezeigt. Alternativen zum Standort Arnhausen hätten sich nicht aufgetan.

Das Rückhaltebecken stelle aber nur den ersten Teil der Arbeiten im Gebiet "GrodEN 1" dar, erklärt Projektingenieur Riyadh Samad (EWE Wasser). Es sei als Vorfluter (Sammelpunkt für überschüssiges Wasser) Voraussetzung für die Kanalerweiterung entlang der Straßen Im Mittelteil, Kastanienweg und den Querstraßen. "Zurzeit befindet sich dieser Rückhaltepunkt in den Kellern der Wohnhäuser", bemerkt er trocken. Die Stadt handle in ihrer Verantwortung für den Schutz der Menschen und Gebäude und gemäß der neuesten Fassung der Arbeitsblätter der Deutschen Vereinigung für Wasserwirtschaft, Abwasser und Abfall e. V. (quasi die DIN für Entwässerungsprojekte), versichert er. 

Mit vielen Gegenargumenten nicht einverstanden

EWE und Stadt beklagen sachliche Fehler und Fehlinterpretationen in den Argumenten des BUND. So entwässere etwa der Lehstrom nicht in die Baumrönne, sondern in den Schleusenpriel, so Stadtbaurat Andreas Eickmann. Die Wahrnehmung, dass der Wasserspiegel im Gewässer rund um Arnhausen stets unterhalb kritischer Grenzen bleibe, sei subjektiv und werde auch durch Untersuchungen des Wasserverbands Land Hadeln widerlegt, die die  hydraulische Überlastung des Lehstrom nachgewiesen hätten.

Für die Installation von Rigolen oder Zisternen biete der Straßenraum nicht genug Platz; ein Landkreis-Förderprogramm dafür wende sich nur an Privatpersonen. Eine Ausbaggerung der Gräben hinter den Grundstücken drohe die Fließgeschwindigkeit des Regenwassers nur zu beschleunigen und die Überstaupunkte noch mehr zu belasten. Im übrigen sei niemals ein Betonbecken geplant gewesen, sondern vielmehr eine naturnahe, see-ähnliche und öffentlich zugängliche Anlage.  

"Die Materie ist schwer zu fassen", räumt Henning Weidemann (Vertriebsleiter EWE Wasser) ein. Es gehe um die langfristige Entwicklung des Entwässerungssystems - vom Regelereignis bis zu sehr seltenen Vorfällen. "Dafür muss der Startpunkt richtig gesetzt sein." Sarah Chagrou sieht in der Diskussion die positiven Aspekte für die Bevölkerung nicht genügend repräsentiert: "Wir wollen die Bürger nicht vergraulen, wir wollen helfen."

Doppelte Kompensation hat Hintergrund

Der Eingriff in die Natur ist unbestritten: Von rund 77.600 Quadratmetern Gesamtfläche würden voraussichtlich 22.600 Quadratmeter beansprucht, davon allein 14.000 für das Becken, hieß es. Dafür müssten voraussichtlich 22 Habitatbäume gefällt werden. Dieser Eingriff werde doppelt kompensiert (doppelt, weil das Gelände selbst bereits als Kompensation für andere Eingriffe in die Natur dient, d. Red.). Die Umsiedlung der Tiere beginne bewusst mindestens ein Jahr vor Baubeginn. Das Vorgehen basiere auf wissenschaftlichen Erkenntnissen und werde fachlich begleitet.

Sollte der nichtöffentlich tagende Verwaltungsausschuss zustimmen, dürfte zügig die Beauftragung erfolgen. Als Nächstes würde dann eine Brücke über den Lehstrom ins Gelände gebaut. Der Rat hat sich bereits im Sommer 2025 mehrheitlich für das Gesamtprojekt entschieden. 

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Maren Reese-Winne

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Cuxhavener Nachrichten/Niederelbe-Zeitung

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