Alte Realschule in Cuxhaven plötzlich Hoffnungsträger: Gebäude auf Jahre ausgebucht
Die alte Realschule im Cuxhavener Schulviertel war schon längst dem Tod geweiht. Gleich nach dem Bezug des Schulneubaus Ende 2011 sollte sie abgerissen werden. Heute ist sie auf Jahre ausgebucht. Und die Herausforderungen reißen nicht ab.
Selbst als klar war, dass die alte Realschule noch einmal für den Schulbetrieb hergerichtet werden sollte, hielt sich die vehemente Forderung nach einem Abriss in spätestens drei Jahren. Und heute? Kommt dem Gebäude geradezu ein Status als Hoffnungsträger zu.
Ein Ende der Nutzung durch die Oberschule Cuxhaven-Mitte und das Lichtenberg-Gymnasium ist zurzeit nicht in Sicht und die nächsten Interessenten stellen sich womöglich bereits hinten an. Somit entfällt auch die Aussicht, dass hier so bald ein weiterer Jahrgang der OBS Mitte einziehen kann, um so im Hauptgebäude mehr Platz für die Grundschüler der Gorch-Fock-Schule zu schaffen.
Austausch über Überraschungen und Verständigung in der Schulszene
Mit einer entsprechenden Forderung stieß der zu Beginn der Schulausschusssitzung neu verpflichtete Elternvertreter Nils Fenske auf Gegenwind und schob gleichzeitig einen interessanten Austausch über unliebsame Überraschungen, Schulbauprojekte und Verständigung an - ohne Rücksicht auf Schulträgerschaften, denn in der Schullandschaft der Stadt ist alles eng miteinander vernetzt, auch wenn der Kreis seit 2015 Träger der weiterführenden Schulen ist.

Pragmatische Lösungen für eine absehbare Zeit finden
Der erste Blick widmete sich den Perspektiven der Gorch-Fock-Schule und der Oberschule Cuxhaven-Mitte im gemeinsam genutzten Bleick-Max-Bleicken-Haus in der Rathausstraße. Erster Stadtrat Marcus Itjen setzt darauf, beiden Schulen in den kommenden vier Jahren (bis zum Auszug der Grundschule in einen Neubau) vernünftige Bedingungen zu schaffen. In einem Gespräch mit den Schulleiterinnen Katja Arnold und Clarissa Schröer hätten sich insbesondere der Musikraum und die Mensa als Engpässe herausgestellt.
"Kein vierjähriger Dornröschenschlaf vorgesehen"
"Gewisse Kapazitäten sind im Gebäude noch da", kündigte Itjen an. Außerdem sei für die Gorch-Fock-Schule bereits eine Änderung der Schulbezirksgrenzen in Kraft gesetzt worden, damit zum kommenden Schuljahr wieder eine Dreizügigkeit erreicht werde. Darüber hinaus setze er auf gemeinsame Interimslösungen und gewiss keinen vierjährigen Dornröschenschlaf: "Die Probleme der Schulen sind uns nicht egal, dagegen stemme ich mich mit Macht."
Zusätzlichen Druck braucht der Landkreis an dieser Stelle nicht
Getrost könne darauf verzichtet werden, im Zusammenhang mit der alten Realschule Druck auf den Landkreis zu machen: "Die Herausforderung, die der Landkreis mit dem Lichtenberg-Gymnasium zu bewältigen hat, möchte ich nicht haben", so Itjen. Wie berichtet, fällt dem Landkreis beim LiG gerade das Bauen im Bestand vor die Füße und Asbestfunde haben den Abschluss der Sanierung weit in die Zukunft geschoben, sodass der Schule gar nichts anders übrig bleibt, als weiter mit drei Standorten zu leben.

Enak Ferlemann (CDU) wies auf die berechtigten Bedürfnisse der seit Jahren auf zwei Standorte verteilten OBS Cuxhaven-Mitte hin. Oberschulgerechter Unterricht brauche auch die entsprechenden Räume. Außerdem warte nach der komplizierten Sanierung des LiG mit der Altenwalder Realschule ein wahrscheinlich noch dickerer Brocken.
Auch Ratskollegin Ulla Bergen (SPD) warb - verbunden mit dem Hinweis auf die wirkliche Notlage des LiG - für gegenseitige Akzeptanz der Schulen und Schulformen.
Einigung über Finanzierung am liebsten vor der Wahl
Das Bleick-Max-Bleicken-Haus wird demnächst noch eine wichtige Rolle spielen, wenn es an die Finanzierung der neuen Gorch-Fock-Schule, ein Bauprojekt der Stadt, geht: Ein Teil der auf 20 Millionen (nicht wie gestern versehentlich geschrieben 25 Millionen) Euro veranschlagten Bausumme soll aus der Veräußerung des Gebäudes an den Landkreis kommen.
Die Höhe der Summe ist noch Verhandlungssache. Dass der Kreis durch den Schulneubau Platz für seine Oberschule gewinnt, soll sich im Angebot niederschlagen. Einig waren sich Verwaltung und Ausschuss darin, dass beim Verkauf auch das Stadttheater in Kreiseigentum übergehen und dann von der Stadt angemietet werden solle, "am liebsten vor der Sommerpause und vor der Wahl", so Ferlemann.
