Kosten, Personal, Nutzer: Die aktuelle Situation in der Stadtbibliothek Otterndorf
Die Diskussion um die Zukunft der Stadtbibliothek Otterndorf geht weiter. Die Verwaltung hat jetzt Kosten und Nutzerzahlen auf den Tisch gelegt und warnt angesichts der Personalsituation vor "erheblichen Angebots- und Öffnungszeiteneinschränkungen".
Die aktuelle Situation und die Diskussion über die Zukunft der Stadtbibliothek Otterndorf treiben viele Bürgerinnen und Bürger um. Ausgelöst durch die finanziellen Schwierigkeiten der Samtgemeinde Land Hadeln in den vergangenen Jahren, drängt die CDU-Fraktion darauf, den personellen und finanziellen Aufwand der Bibliothek zu senken und in einer interfraktionellen Arbeitsgruppe über die künftige Ausrichtung der Samtgemeinde-Einrichtung zu sprechen.
Als Grundlage für die weitere Diskussion hat die Verwaltung die Kennzahlen der Stadtbibliothek, darunter Nutzerzahlen, Kosten und die personelle Situation, zusammengestellt. Sie sollen in der Sitzung des Schul- und Sportausschusses am kommenden Donnerstag, 5. März 2026 (17 Uhr, Sitzungssaal im Verwaltungsgebäude Otterndorf), behandelt werden. Die NEZ/CN-Redaktion beantwortet vorab die wichtigsten Fragen.
Wie ist die aktuelle personelle Situation in der Stadtbibliothek Otterndorf?
Seit dem Weggang von Julian Bursky im November 2025 ist die Leitungsstelle in der Bibliothek unbesetzt. Damit fehlt eine Fachkraft aus dem Bibliotheksbereich. "Die aktuelle Personalsituation gestaltet sich infolgedessen schwierig", schreibt die Verwaltung in ihrer Sitzungsvorlage. Aktuell kümmert sich eine Teilzeit-Sachbearbeiterin in Zusammenarbeit mit der zuständigen Teamleitung darum, den Betrieb der Bibliothek aufrechtzuerhalten. Sie hat ihre Stundenzahl befristet erhöht. Außerdem wurde eine Kraft "zur Unterstützung im alltäglichen Betrieb" in Teilzeit, befristet bis zum 31. Juli 2026, eingestellt.

Wie wirkt sich die personelle Situation auf das Angebot der Bibliothek und die Öffnungszeiten aus?
Weil die Vollzeitstelle derzeit fehlt, mussten die Öffnungszeiten reduziert und geplante Veranstaltungen abgesagt werden. Auch beim Leseförderprogramm "Julius-Club" macht die Stadtbibliothek in diesem Jahr nicht mit. Geplante Kooperationen zum Thema Medienkompetenz und Leseförderung mit der Grundschule Otterndorf konnten nicht verwirklicht werden. Sollte die Leitungsposition nicht zeitnah wiederbesetzt werden, wird es zu weiteren Angebots- und Öffnungszeiten-Einschränkungen kommen, ist die Verwaltung überzeugt. Auch die Büchereizentrale Niedersachsen drängt auf eine baldige Nachbesetzung der Leitungsstelle und rät dazu, dass der oder die "Neue" ein Bibliotheksprofil erstellt, "um die bestmögliche Nutzung der Ressourcen und den größtmöglichen Nutzen für die Einwohner der Samtgemeinde zu eruieren und zu erreichen."

Könnten Ehrenamtliche in der Bibliothek aushelfen?
Die Verwaltung sieht das skeptisch. Im Gegensatz zu regulären Beschäftigten seien Ehrenamtliche nicht weisungsbefugt. Sie treffen die Entscheidung, ob, wann und in welchem Umfang sie tätig sein wollen, frei, heißt es in der Sitzungsvorlage. Der Arbeitgeber sei nicht berechtigt, Ehrenamtliche zur Arbeit einzuteilen oder Arbeitspläne zu erstellen, die die Person zur Arbeit verpflichten.
Wie haben sich die Nutzerzahlen und die Ausleihen entwickelt?
Die Diskussion um die mögliche Schließung der Stadtbibliothek Otterndorf hatte 2025 eine Solidaritätswelle für die Samtgemeinde-Einrichtung ausgelöst. Das schlägt sich auch in den Nutzerzahlen und Ausleihen nieder. Wurden im Jahr 2024 insgesamt 764 Nutzerinnen und Nutzer mit 23.066 Ausleihen registriert, waren es im vergangenen Jahr bereits 847 Nutzerinnen und Nutzer und 25.832 Ausleihen. Urlauber und gemeindefremde Personen sind nicht eingerechnet und kommen noch dazu.

Woher kommen die Bibliotheksnutzer?
Der CDU-Fraktionsvorsitzende Hans-Peter Weber fordert ein deutlich stärkeres Engagement der Stadt Otterndorf für die Bibliothek, da diese nach Angaben der CDU überwiegend von Otterndorfern genutzt werde. Diese Annahme ist nicht ganz falsch, wie ein Blick in die Nutzerstatistik zeigt: Von den 847 Nutzerinnen und Nutzern der Bibliothek kommen 572 aus der Stadt Otterndorf. Das sind 67,53 Prozent. Mit deutlichem Abstand folgt auf Platz zwei die Gemeinde Neuenkirchen (52 Nutzer) und auf dem dritten Rang die Gemeinde Ihlienworth (36 Nutzer). Ganz hinten in der Statistik steht Odisheim mit lediglich einem Bibliotheksnutzer.
Wie entwickeln sich die Kosten?
Die Samtgemeinde drückt bei den Kosten auf die Bremse. So musste der einstige Bibliotheksleiter zuletzt deutliche Budgetkürzungen hinnehmen. In Zahlen: Lagen die Personal- und Sachkosten im Jahr 2023 noch bei 144.800 Euro, waren es 2024 nur noch 114.658 Euro und im vergangenen Jahr 109.455 Euro. Hinzu kommen die Kosten für die Unterhaltung des Gebäudes an der Wallstraße, in dem auch die Tourismuszentrale untergebracht ist.