Die Zahl der Nutzierrisse ist ist signifikant angestiegen. Foto: Julian Stratenschulte/dpa
Die Zahl der Nutzierrisse ist ist signifikant angestiegen. Foto: Julian Stratenschulte/dpa
Forderung nach Entnahme wächst

Wölfe reißen weiter Nutztiere im Kreis Cuxhaven: Zwei Tage altes Kalb getötet

von Wiebke Kramp | 30.09.2025

Es reißt nicht ab: Landwirte beklagen weitere Nutztierrisse durch einen Wolf oder mehrere Wölfe  in verschiedenen Orten im Kreis Cuxhaven. Nebenerwerbsschäfer Thomas Reineckes Forderungen nach entschlossenem Handeln werden lauter.

Seine Schafe lässt Thomas Reinecke mittlerweile nicht mehr auf den Weiden nahe seinem Haus laufen. Das hält den oder die Wölfe nicht davon ab, weiterhin in dem Beritt auf Beutezug zu gehen. Vor ein paar Tagen wurde in Steinau ein Rind gerissen und angefressen - nur rund 500 Meter von Nebenerwerbsschäfer Reinecke entfernt.

Nutztierrisse mehren sich offenbar wieder, so hat Reinecke erfahren, dass zwischen Wanna und Nordleda ein weiteres, zwei Jahre altes Rind gerissen wurde, in Nordholz sei ein zwei Tage altes Kalb aufgefressen worden. Außerdem gab es in der vorigen Woche aus Lüdingworth-Köstersweg Meldungen über Risse von Schafen und auch im Raum Wanna wurde aktuell ein Schafriss in der Nacht zu Dienstag beklagt.

Für Thomas Reinecke ist "das Ende der Fahnenstange erreicht". Er habe bei der Unteren Naturschutzbehörde einen Antrag auf Entnahme gestellt, weil das Rudel es gelernt habe, Wolfsschutzzäune zu überwinden. "Man muss härter eingreifen, andere Länder in Skandinavien oder die Schweiz machen es uns vor", sagt der Steinauer.

Über die Hotline der Landwirtschaftskammer werden die Rissbegutachter informiert. "Ich lass‘ auf die Bezirksförster nichts kommen, das läuft pragmatisch. Sie machen einen Termin und kommen zu uns raus - das geht bis hinunter nach Walsrode oder Lüneburg."

Seine Schafe hat Thomas Reinecke jetzt verteilt. Einige laufen in Belum und seine Mutterschafe am Elbdeich. Von dort müssten sie allerdings im November geholt werden und liefen dann normalerweise bis Ende Januar draußen auf seinen Weiden. Wie er das demnächst regeln soll, ohne mit ständigen Wolfsattacken konfrontiert zu werden, kann der Steinauer bislang nicht sagen.

Die Pressestelle des Landkreises bestätigt gegenüber unserem Medienhaus: "Der Antrag auf Entnahme ist Anfang letzter Woche eingegangen und wird zurzeit geprüft." Allerdings teilt Pressesprecherin Simone Starke dazu mit: "Auch wenn es wohlmöglich einfach scheint, ist der Vorfall rechtlich und fachlich komplex. Die Untere Naturschutzbehörde des Landkreises ist im steten Austausch mit den Fachbehörden des Landes (NLWKN-Wolfsbüro) und dem Umweltministerium, um die einzelnen Faktoren genau zu begutachten und zu beurteilen. Dazu gehört auch das Ergebnis der Genetikprobe, welches noch aussteht." Rechtlich verhalte es  sich zurzeit so: Auf EU-Ebene hat die Berner Konvention den Schutzstatus des Wolfes von 'streng geschützt‘ auf 'geschützt‘ gesenkt. Die Anpassungen auf staatlicher Ebene stünden aber noch aus, also in Deutschland die Anpassung im Bundesnaturschutzgesetz und in der Bundesartenschutzverordnung.

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