Symbolfoto: Julian Stratenschulte/dpa
Symbolfoto: Julian Stratenschulte/dpa
Erhöhtes Rissgeschehen

Wolfsangriffe im Kreis Cuxhaven: Land will Entnahme von Problemwölfen erleichtern

von Wiebke Kramp | 05.10.2025

Im nördlichen Kreis Cuxhaven spitzt sich die Lage zu: Wölfe reißen vermehrt Nutztiere. Das Umweltministerium in Hannover sieht jetzt den Bund in der Verantwortung, um die Entnahme von Problemwölfen zu erleichtern.

Der nördliche Kreis Cuxhaven - inklusive Stadtgebiet - bleibt ein Hotspot an Nutztierrissen. Darunter ist eine hohe Zahl an Rinderrissen. Das Umweltministerium in Hannover bestätigt auf Nachfrage unseres Medienhauses ein erhöhtes Rissgeschehen durch Wölfe. In den Gemeinden Steinau, Wanna, Geestland sowie der Stadt Cuxhaven hätten die Rissbegutachter seit dem 4. September zwölf Nutztierschadensfälle mit amtlicher Feststellung Wolf aufgenommen. Zusätzlich befinde sich ein weiterer Fall noch in Bearbeitung, so das Ministerium. Und dies sind nur die offiziell gemeldeten Fälle. 

Allerdings fehlen genaue Erkenntnisse, wie viele Wölfe und Rudel gegenwärtig tatsächlich im nördlichen Cuxhaven unterwegs sind. Raoul Reding, Wolfbeauftragter der Landesjägerschaft, teilt mit: "Das Monitoring wird zurzeit durch die ortsansässigen Jäger durchgeführt. Aktuell haben wir mindestens vier Wölfe (zwei Adulte, zwei Welpen) für das Nordholzer Rudel nachgewiesen."

Wie berichtet, hat der Schäfer Thomas Reinecke aus Steinau bei der Unteren Naturschutzbehörde (Landkreis Cuxhaven) einen Antrag auf Entnahme gestellt, weil es wiederholte Attacken trotz Herdenschutzmaßnahmen gab. Entnahme bedeutet das Töten einzelner Wölfe. Beim Land Niedersachsen sieht man ganz offensichtlich die Verantwortung gegenwärtig beim Bund, um überhaupt handeln zu können. Es müsse durch Änderung des Bundesnaturschutzgesetzes ermöglicht werden, rechtssicher und regional differenziert Entnahmen von Problemwölfen vorzunehmen. 

Christian Meyer (Grüne), Umweltminister in Niedersachsen, sieht in der Thematik Wolf den Bund in der Verantwortung. Foto: Rohde

Umweltminister Meyer: "Niedersachsen will ein regional differenziertes Bestandsmanagement"

Umweltminister Christian Meyer (Grüne) dazu wörtlich: "Der Fall in Cuxhaven wäre ein solcher und wir sind bereit eine entsprechende Bundesregelung umgehend umzusetzen. Um Wölfe in Regionen mit erhöhten Nutztierschäden leichter zu entnehmen, warten wir jedoch dringend auf die von der Bundesregierung im Koalitionsvertrag angekündigte Änderung des Bundesnaturschutzgesetzes, um rechtssicher und einfach problematische Wölfe entnehmen zu können. Niedersachsen will ein regional differenziertes Bestandsmanagement, dazu benötigen wir jedoch endlich eine Anpassung der Rechtslage im Bund."

Matthias Eichler, stellvertretender Pressesprecher des Ministeriums, erläutert, dass Niedersachsen sich seit langem und 2024 erfolgreich beim Bund dafür eingesetzt habe, den strengen Schutzstatus des Wolfes auf EU-Ebene herunterzustufen, da der Wolf in Niedersachsen nicht mehr vom Aussterben bedroht sei. Für große Teile Niedersachsens, dazu zähle die gesamte niedersächsische Küste und somit der Landkreis Cuxhaven, sei in diesem Sommer der gute Erhaltungszustand der Tierart Wolf an die EU gemeldet worden. Das EU-Parlament hat sich in diesem Jahr für eine Herabsenkung des Schutzstatus des Wolfes von "streng geschützt" auf "geschützt" ausgesprochen.

Infoveranstaltungen für die Bevölkerung im Wolfsterritorium nördliches Cuxland sind keine geplant. Der Sprecher aus dem zuständigen Umweltministerium meint dazu auf Nachfrage: "Das Thema Wolf wird seit langer Zeit öffentlich diskutiert, das Ministeriums veröffentlicht regelmäßig Pressemitteilungen zum aktuellen Stand und neuen Entwicklungen bei dem Thema, außerdem können sich die Menschen ausführlich auf unserer Internetseite informieren. Insofern sind keine Informationsveranstaltungen oder Aufklärungskampagnen geplant, zumal wir auf die Gesetzesänderungen auf Bundesebene immer noch warten."

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Wiebke Kramp

Redakteurin
Cuxhavener Nachrichten/Niederelbe-Zeitung

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