Die Alte Liebe ist für viele Cuxhavener ein Sehnsuchtsort. Jetzt soll sie umgestaltet werden. Foto: Schimmel
Die Alte Liebe ist für viele Cuxhavener ein Sehnsuchtsort. Jetzt soll sie umgestaltet werden. Foto: Schimmel
Kommentar

Erhalten oder umbauen? Pro und Contra zu Sanierungsplänen für Alte Liebe in Cuxhaven

26.02.2026

Die Alte Liebe in Cuxhaven steht vor einem Wandel. Das gefällt nicht jedem. Zwei Redakteure beleuchten die hitzige Debatte um das Wahrzeichen. Zwei Kommentare - die unterschiedlicher kaum sein können.

Die Alte Liebe ist mehr als ein Aussichtspunkt - sie ist Wahrzeichen, Treffpunkt und für viele ein Stück Heimat in Cuxhaven. Nun soll sie umgebaut werden, um sie fit für die Zukunft zu machen. Doch die Pläne stoßen nicht nur auf Zustimmung: Während die einen Modernisierung und neue Chancen sehen, fürchten andere den Verlust von Geschichte und Charakter. Zwei CN/NEZ-Redakteure beziehen dazu klar Stellung - und erklären, warum sie den Widerstand verstehen oder eben nicht.

Vom Tauwasser nass sind die Bronzefigur "Die Schöne von Niedersachsen" und der Holzanleger "Alte Liebe". Trist ist auch die Stimmung für manche Cuxhavener, die die Aussichtsplattform in ihrer jetzigen Form erhalten sehen wollen. Foto: Wagner/dpa

Petition ist kein Störfaktor: Das Oberdeck der Alten Liebe ist zu erhalten

Ein Kommentar von Jens-Christian Mangels 

Die Sanierung der Alten Liebe ist wichtig, Sicherheit, Barrierefreiheit und bauliche Erneuerung sind notwendig. Doch Fortschritt darf nicht bedeuten, gewachsene Identität zu verlieren. Gute Planung verbindet beides: Zukunftsfähigkeit und Respekt vor dem, was Menschen mit einem Ort verbindet. Genau hier liegt der Kern der Kritik vieler Bürgerinnen und Bürger.

Die Petition für den Erhalt des Oberdecks der Alten Liebe ist deshalb mehr als eine nostalgische Reaktion. Mehr als 9000 Unterschriften zeigen, dass es sich um ein ernstzunehmendes Anliegen handelt. Menschen nutzen ein demokratisches Instrument, um ihre Stimme einzubringen. Das ist kein Störfaktor, sondern ein zentraler Bestandteil lebendiger Demokratie.

Petitionen geben Bürgerinnen und Bürgern die Möglichkeit, Einfluss zu nehmen. Sie machen sichtbar, wenn Entscheidungen an den Erwartungen der Öffentlichkeit vorbeigehen. Wer Bürgerbeteiligung ernst meint, darf solche Signale nicht ignorieren. Gerade bei einem emotional bedeutenden Ort wie der Alten Liebe ist Zuhören kein Entgegenkommen, sondern Pflicht.

Die Initiatorinnen und Initiatoren der Petition verdienen Unterstützung. Sie setzen sich sachlich für den Erhalt eines identitätsstiftenden Elements ein. Sie erinnern daran, dass Stadt- und Hafenentwicklung nicht nur technische Fragen beantwortet, sondern auch kulturelle und gesellschaftliche.

NPorts und die Stadt Cuxhaven sollten die Kritik nicht als Widerstand gegen Veränderung verstehen, sondern als Chance zur Verbesserung. Ein überarbeitetes Konzept, das das Oberdeck integriert und Fördermöglichkeiten einbezieht, könnte Modernisierung und Tradition verbinden. Genau solche Kompromisse stärken Akzeptanz und Vertrauen.

Die Alte Liebe lebt von Erinnerungen und Perspektiven. Beides sollte auch künftig möglich sein. Wer das Oberdeck erhält, bewahrt nicht die Vergangenheit um jeden Preis, sondern schützt das, was diesen Ort für viele Menschen besonders macht.

Die "Alte Liebe" in Cuxhaven steht im Mittelpunkt einer politischen Diskussion über Transparenz und Tourismus. Foto: Mangels

Sachlichkeit statt Empörung: Ein fremdes Wohnzimmer und wer darin das Sagen hat

Ein Kommentar von Jens Jürgen Potschka

Die Alte Liebe ist ein Schatz. Das steht außer Frage. Wer je bei Sonnenaufgang auf ihren Planken gestanden und den Containerschiffen beim Vorbeifahren zugeschaut hat, der versteht die Aufregung. Und dennoch: Aufregung allein ist kein Argument.

Niedersachsen Ports plant die Sanierung eines Bauwerks, das ihnen gehört. Punkt. Dass dies in Teilen der Öffentlichkeit so etwas wie kollektive Empörung ausgelöst hat, sagt viel über unsere Zeit und wenig über die Qualität der Pläne.

Wer die Fakten kennt, weiß: Das Betonfundament der Alten Liebe ist marode. Nicht sanierungsbedürftig, sondern  marode. Die Pfähle im Boden halten, der "Betonkeller", auf dem alles steht, ist Schrott. Um ihn zu erneuern, muss der gesamte Holzaufbau weichen. Was dann neu entsteht, wird höher liegen: weniger Sturmflutschäden, weniger Winterschäden, weniger Handarbeit und ein großzügiges Plateau, das dauerhaft trägt. Das ist keine Verschlechterung. Das ist Vernunft.

NPorts investiert jährlich rund 150.000 Euro in den Unterhalt einer Anlage, mit der die Hafengesellschaft keinen einzigen Cent verdient. Keine Liegegebühren, kein Eintrittsgeld, kein Ertrag. Trotzdem wird saniert, wird gepflegt, wird gestreut, werden Bohlen getauscht, und zwar per Hand, weil die Treppe keinen Maschineneinsatz erlaubt. Das ändert sich mit dem neuen Konzept. Auch das ist ein Argument, das die Diskussion verträgt.

Und dann ist da noch das Wohnzimmer. Ja, die Petitions-Initiatorin Nicole Antons sagt, die Alte Liebe sei das Wohnzimmer der Cuxhavener. Das klingt schön. Aber wer in einem fremden Wohnzimmer zu Gast ist, bestimmt nicht, wie die Möbel stehen. Und wer dem Gastgeber freche Mails schreibt - mit Inhalten wie "Ihr seid eine Schande, zieht euch aus der Stadt zurück", so wie es in einem Schreiben aus der Bevölkerung an den Hafenbetreiber stand -, der hat den Boden sachlicher Auseinandersetzung längst verlassen.

Die Petition mit ihren 9000 Unterschriften verdient Respekt. Sie ist ein legitimes demokratisches Mittel. Doch Demokratie bedeutet Mitsprache und nicht Mitbestimmung über fremdes Eigentum. Und dass der zuständige politische Ausschuss die Pläne ohne nennenswerte Kritik zur Kenntnis genommen hat, ist keine Fußnote. Es ist das Ergebnis eines ordentlichen Verfahrens.

Die Alte Liebe wird nicht verschwinden. Sie wird nicht abgerissen. Sie wird neu gebaut: besser, höher, widerstandsfähiger. Wer das Oberdeck vermisst, darf das sagen. Wer Fördermittel einwerben will, der soll es tun. Wer einen Förderverein gründen möchte, hat die volle Unterstützung des NPorts-Chefs. All das ist möglich, im Dialog, am Verhandlungstisch, in einem angemessenen Ton.

Was nicht möglich ist: dass Lautstärke Sachkenntnis ersetzt. Und dass Empörung Eigentümerrechte außer Kraft setzt.

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