Im Cuxhavener Hafen schreiten die Bauarbeiten für die neuen Liegeplätze sichtbar voran. Das ist auch mit Lärm verbunden. Foto: Larschow
Im Cuxhavener Hafen schreiten die Bauarbeiten für die neuen Liegeplätze sichtbar voran. Das ist auch mit Lärm verbunden. Foto: Larschow
Unterschiedliche Meinungen

Hinnehmbar oder Krankmacher? CN/NEZ-Redakteure zu Rammarbeiten im Hafen von Cuxhaven

20.08.2025

Wenn im Hafen von Cuxhaven gearbeitet wird, ist das hin und wieder mit Lärm verbunden. Eine morgendliche Aktion sorgte nun aber für Unmut bei einigen Bürgern. Dazu äußern sich zwei CN/NEZ-Redakteure - und unterscheiden sich in ihren Einordnungen.

Am Sonntagmorgen (17. August 2025) waren in weiten Teilen Cuxhavens über einen längeren Zeitraum wiederkehrende metallene Geräusche zu hören. Im Sekundentakt erfolgt der dumpfe Ton. Vereinzelt meldeten sogar Anwohner aus Altenwalde und Otterndorf, sie würden die Geräusche hören. Sie stammten von Rammarbeiten im Hafen und schallten über einen Großteil der Stadt - schon ab 7.30 Uhr.

Daraufhin zeigten sich einige Einwohner in den sozialen Medien verärgert. Sie kritisierten den frühen Beginn der Arbeiten. Zu den Social-Media-Kommentaren äußern sich mit Tim Larschow und Frank Lütt zwei Redaktionsmitglieder der Cuxhavener Nachrichten (CN) und der Niederelbe-Zeitung (NEZ). Eine Einordnung.

Aktuell werden im Cuxhaven unter anderem die neuen Liegeplätze 5 bis 7 gebaut. Foto: Larschow

Das Geräusch von Fortschritt: Hafenarbeit folgt einem anderen Rhythmus

Ein Kommentar von Tim Larschow

Man stelle sich vor: Es ist Sonntagmorgen. Ich wache auf, höre ein dumpfes "Klong", immer wieder. Mich stört das so sehr, dass ich sofort auf die Uhr schaue - 7.30 Uhr - und mir denke: "Das poste ich jetzt auf Facebook."

So oder so ähnlich scheint das Gedankenspiel mancher Cuxhavener auszusehen. Dass ein Hafen ein gewisses Geräuschniveau mit sich bringt und man sich ja bewusst für das Leben in seiner Nähe entschieden hat - das wird dabei gern ausgeblendet. Schiffe beobachten, Kutter im Alten Fischereihafen fotografieren, den Blick auf die Elbe genießen? Ja, bitte! Aber wehe, ein Schiff macht hier fest, entlädt Steine oder versperrt mal die Aussicht.

Wir wollen Arbeitsplätze - aber bitte ohne Lärm. Wir wollen günstigen Strom - aber bitte ohne Windkraft und Großbauprojekte. Wir wollen Fortschritt - aber möglichst geräuschlos. Eine merkwürdige Mentalität, die sich da zeigt. Natürlich: Sonntagsarbeit ist in Deutschland grundsätzlich verboten. Aber für Häfen gibt es Ausnahmen. Denn Hafenarbeit folgt nicht dem Rhythmus von Feierabend und Wochenende, sondern dem Takt von Schiffen, Gezeiten und internationalem Wettbewerb. Das Arbeitszeitgesetz und das Seearbeitsgesetz sehen deshalb Sonderregelungen vor. Ohne diese wäre vieles schlicht nicht möglich.

Ich selbst höre die Baustellengeräusche bis nach Hause. Sie stören mich nicht - im Gegenteil: Sie bedeuten Fortschritt. Und seien wir ehrlich: Würde im Hafen einmal nicht gearbeitet, fänden sich gewiss auch Stimmen, die genau darüber klagen würden. Mit dem geplanten Termin für die Fertigstellung Ende 2028 ist ohnehin ein Ende in Sicht - und die Rammarbeiten werden deutlich früher abgeschlossen sein.

Zwischen "bitte nicht so laut" und "aber Arbeitsplätze brauchen wir schon" liegt ein Widerspruch, der ziemlich typisch für unsere Zeit ist. Wir wollen alles - aber möglichst ohne Konsequenzen und ohne jede Unannehmlichkeit für das eigene Leben.

Cuxhavens Hafen wächst. Das hat auch mit Aufwand zu tun. Täglich wird am Wasser gearbeitet. Foto: Makel

Lärm macht krank: Rammarbeiten in aller Herrgottsfrühe sind eine Frechheit

Ein Kommentar von Frank Lütt

Cuxhaven wächst wirtschaftlich. Die gerade veröffentlichten Halbjahreszahlen für den Hafen sind eine Bestätigung für die Ansiedlungspolitik der vergangenen Jahre. Das soll auch möglichst so bleiben. Dass deshalb auch neue Projekte entstehen, ist die logische Konsequenz. Aber darf man deshalb alle anderen Interessen verdrängen?

Sicherlich gibt es die eine oder andere Entscheidung in dem dynamischen Prozess, die für die wirtschaftliche Prosperität notwendig ist und nicht jedem gefällt. Wenn es aber um die Gesundheit der Menschen geht, dann muss auch mal Wirtschaft sich bewegen, muss auch mal zurückstecken.

Die Rammarbeiten in den frühen Morgenstunden an den Sonntagen beziehungsweise die Genehmigung dafür sind eine Frechheit. Für die meisten Menschen ist dieser Tag nicht nur der heilige Tag in der Woche, sondern auch der einzige Tag, an dem man nicht früh aufstehen muss. Und wenn dieser Erholungstag in dieser Form über einen langen Zeitraum nicht mehr gegeben ist, dann kann das gesundheitliche Auswirkungen haben. Lärm macht krank.

Als junger Mensch machte mir so etwas weniger aus - und ich habe wirklich viel Lärm erlebt, denn ich bin nur einen Steinwurf entfernt von der früheren Mützelfeldt-Werft an der Deichstraße groß geworden. Kaum war die Werft dann verlegt worden, wurde für die heutige Marina kräftig gerammt. Damals ist aber niemand auf die Idee gekommen, die Rammarbeiten auch auf einem Sonntag zu leisten.

Warum muss diese Lärmbelästigung am siebten Tag der Woche sein? Ist der Zeitdruck so groß? In über drei Jahren sollen die Liegeplätze erst fertig sein. Und muss denn schon in aller Herrgottsfrühe sonntags gerammt werden? Wäre nicht auch ein Arbeitsbeginn um 9 oder 10 Uhr möglich?

Außerdem gibt es mittlerweile technische Verfahren, die viel leiser sind als die Ramme. Aber das spielt vermutlich bei der Ausschreibung keine Rolle. Da geht es nur um den schnöden Mammon.

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