Tatort ZOB: Eine Gruppe von zehn jungen Menschen soll hier ausländerfeindliche Gesänge angestimmt haben. Der Busbahnhof liegt in unmittelbarer Nähe zu dem Schulkomplex in Otterndorf. Foto: Schröder
Tatort ZOB: Eine Gruppe von zehn jungen Menschen soll hier ausländerfeindliche Gesänge angestimmt haben. Der Busbahnhof liegt in unmittelbarer Nähe zu dem Schulkomplex in Otterndorf. Foto: Schröder
"Ausländer raus"-Rufe in Schul-Nähe

Kommentar zu Nazi-Gegröle in Otterndorf: "Was mir wesentlich mehr Sorgen bereitet..."

von Egbert Schröder | 29.05.2024

Der Vorfall am ZOB in der unmittelbaren Nähe des Schulzentrums in Otterndorf löst Entsetzen aus - auch noch am Tag danach. Redakteur Egbert Schröder erklärt, was ihm Sorge bereitet - und bezieht klar Stellung für die nahe Zukunft.

Wie tief kann man eigentlich noch sinken? Öffentlich stimmen hippe Typen gut gelaunt auf Sylt in Champagner-Laune und Designer-Klamotten einen "Deutschland den Deutschen, Ausländer raus"-Gesang an. Widerlich. So besoffen kann man gar nicht sein, um ein solches Verhalten mit einer kurzzeitigen Unzurechnungsfähigkeit zu verteidigen. Gut, dass einige Arbeitgeber diese aufgeblasenen Idioten entlassen oder freistellen. Aber sie werden in ihrer High-Society-Blase wohl weich fallen…

Ob am Schulzentrum in Otterndorf oder auf Schützenfesten in der Provinz

Doch was mir wesentlich mehr Sorgen bereitet, sind Vorfälle an der Basis; wie in dieser Woche nahe dem Otterndorfer Schulzentrum, wo diese Parolen ungeniert, in aller Öffentlichkeit und mitten am Tag gesungen werden. Oder dass Randgruppen (?) selbst bei Schützenfesten in der Provinz derartige Gesänge anstimmen. Dass das Abspielen des eigentlich harmlosen Liebes-Liedes inzwischen bei größeren Events inzwischen verboten worden ist, täuscht über die Tatsache hinweg, dass die Ausländerfeindlichkeit längst in breiten Schichten der Bevölkerung angekommen ist oder stillschweigend toleriert wird. Fürchterlich.

Menschen mit ausländischer Staatsangehörigkeit tragen zum Wohlstand der Republik bei

Man kann ja darüber streiten, in welcher Form unser Sozialsystem bereit sein muss und kann, die Zuwanderung von Ausländern zu stemmen. Doch wenn - ich wiederhole mich - "Idioten" grölend "Ausländer raus" skandieren, muss man sich auch fragen, ob zum Beispiel etliche Menschen aus der Nachbarschaft mit ausländischer Staatsangehörigkeit - ob nun aus Island, den Niederlanden, Großbritannien, Syrien oder Türkei - bei uns nicht dazu beitragen, für den Wohlstand unserer Republik zu sorgen; in welcher Position auch immer.

Meine Erkenntnis: Sylt ist überall. Leider. Und die Aufgabe von Demokraten ist es, eine solche rechtsradikale Gesinnung konsequent zu bekämpfen. Die nächste Chance ist die Europawahl. Keine Stimme für rechtsgerichtete Parteien ist da eine gute Wahl.

Wie hat Ihnen der Artikel gefallen?

(1 Stern: Nicht gut | 5 Sterne: Sehr gut)

Feedback senden

CNV-Newsletter

Wissen, was im Cuxland los ist: Alle wichtigen Nachrichten aus der Stadt und dem Landkreis Cuxhaven direkt in Ihr Postfach. Hier für den CNV-Newsletter anmelden.


Top Nachrichten



Bild von Egbert Schröder
Egbert Schröder

Redakteur
Cuxhavener Nachrichten/Niederelbe-Zeitung

eschroeder@no-spamcuxonline.de

Lesen Sie auch...
Standpunkt

Kommentar zum Gemeinderat Wingst: Möchtegern-Bürgermeister und misslungene Leitung

von Egbert Schröder

Die Sitzung des Wingster Gemeinderates lief aus dem Ruder, dauerte schlappe vier Stunden und bringt CNV-Redakteur Egbert Schröder ins Nachdenken über Lust und Frust in der Kommunalpolitik.

Baumschutz versus Bauprojekte

Cuxhavens Umgang mit alten Bäumen hinterlässt schalen Beigeschmack (Kommentar)

von Kai Koppe

Der Streit um eine mehr als hundert Jahre alte Linde in Cuxhaven wirft grundsätzliche Fragen auf. CN/NEZ-Redakteur Kai Koppe findet: Wer sich "grün" auf die Fahnen schreibt, muss auch dann zum Baumschutz stehen, wenn es unbequem wird.

Fußball

Kommentar: Wo soll dieser Weg für Rot-Weiss Cuxhaven hinführen?

von Jan Unruh

Erst die Abmeldung der Zweiten, dann die Trennung vom Trainer nach nur einem Spiel: Bei Rot-Weiss Cuxhaven läuft vieles schief. Der einstige Fußball-Gigant der Stadt muss sich unbequemen Fragen stellen - und dringend Antworten finden. Ein Kommentar.

Hintergrund

Café Brüning: Wenn manchem die Presse in Otterndorf zu kritisch wird, folgen Lügen

von Frank Lütt

Wegen möglicher Steuerverschwendung von 300.000 Euro in Otterndorf schaltete sich der Bund der Steuerzahler ein. Und nun werden Lügen über ein Mitglied der CNV-Medien-Redaktion verbreitet. Dieser Beitrag widerlegt die Anschuldigungen.