Die Landesgartenschau könnte 2034 nach Cuxhaven kommen: Neben dem Kurpark würde dem Schlossensemble eine Schlüsselrolle zukommen. Hier zu sehen ist die Visualisierung des mit einem Landesgartenschau-Konzept beauftragten Planungsbüros. Grafik: Lichtenstein Landschaftsarchitektur Stadtplanung
Die Landesgartenschau könnte 2034 nach Cuxhaven kommen: Neben dem Kurpark würde dem Schlossensemble eine Schlüsselrolle zukommen. Hier zu sehen ist die Visualisierung des mit einem Landesgartenschau-Konzept beauftragten Planungsbüros. Grafik: Lichtenstein Landschaftsarchitektur Stadtplanung
Kommentar

Pro und Contra zur Landesgartenschau 2034 in Cuxhaven: Gewinn oder Projekt ohne Sinn?

25.09.2025

Die Landesgartenschau 2034 in Cuxhaven polarisiert. Während Befürworter in ihr eine Chance für Stadtentwicklung und Tourismus sehen, zweifeln Kritiker an ihrem Sinn. Ein Pro und Contra aus der CN/NEZ-Redaktion.

Soll Cuxhaven 2034 Gastgeberin der Landesgartenschau werden? Die Idee klingt verlockend: große Investitionen, viele Besucherinnen und Besucher, ein Schub für Stadtentwicklung und Image. Doch nicht alle sind begeistert - und die Bilanz könnte am Ende negativ ausfallen. nicht immer positiv ausfällt. Ein Blick auf die Argumente dafür und dagegen.

Landesgartenschau in Cuxhaven: Raum für konzeptionelle Gedanken (ein Kommentar von Kai Koppe)

Ich bin kein Gartenschau-Fan. Weder hat es mich nach Bad Gandersheim gezogen, noch bin ich jemals zu irgendeiner BUGA gereist. Der Besuch einer Rhododendron-Ausstellung in Westerstede war in dieser Richtung schon alles. Mehr als 20 Jahre ist das her; ein dienstlicher Termin, den ich als, sagen wir mal, nicht besonders aufregend in Erinnerung habe.

Warum kann ich mich trotzdem für die Idee einer Landesgartenschau in Cuxhaven erwärmen? Weil es dabei nicht um Geranien geht, nicht um Blütenpracht oder darum, Besuchern mit artifiziellen Landschaften Sand in die Augen zu streuen. Es geht - und die Cuxhavener Bewerbung spiegelt das wider - um Stadtentwicklung, um Natur und Urbanität und die Frage, wie wir Menschen dieses Spannungsfeld in kreativer Weise gestalten.

Diesbezüglich soll die 2034-Ausstellung Anregungen geben. Nicht auf dem Papier, sondern erlebbar, in Form von Räumen, die man begehen kann. Vieles davon (das ist Fakt!) soll uns erhalten bleiben - über eine Gartenschau-Dauer von 164 Tagen hinaus. Daran allein wird ersichtlich, dass das Event kein verlängertes Wochenende für Blumenfreunde darstellt, selbst wenn - Stichwort: Zielgruppe - abzusehen bleibt, dass uns die busladungsweise einfallenden Kegelclubs natürlich in hoher Frequenz heimsuchen werden. Was soll's? Wir werden damit umgehen können - in dem Wissen, dass die Landesgartenschau aus unserer (nämlich der Cuxhavener) Sicht vor allem ein Vehikel abgibt. Ein Mittel, um unsere Stadt ein oder zwei Schritte weiter nach vorn zu bringen. Eine LGS gebietet es schließlich, sich konzeptionelle Gedanken über das "Gesicht" der Ausrichterstadt zu machen - ohne dass der finanzpolitische Rotstift von vornherein den Verlauf des Diskurses bestimmt. Deswegen gibt es ja die Möglichkeit, in Verbindung mit einer Gartenschau Fördergelder zu akquirieren - Subventionen, ohne die eine Neugestaltung des Kurparks vermutlich auf den Sankt-Nimmerleinstag verschoben werden müsste. 

"Das ist doch nur wieder etwas für Touris!", höre ich in Gedanken schon das Echo der Gartenschau-Gegner. Falsch: Mit Kind oder Enkelkind weiß man auch als Einheimischer um den Wert dieses Parks - nicht zuletzt wegen des Spielangebots am oberen Ende. Wenn solche Spielplätze im Zuge der LGS zahlreicher und attraktiver (ich denke an Forscherparcours und Abenteuerlandschaften) werden, ist das definitiv ein Gewinn. Und wenn in Erwartung von Besucheranstürmen auch noch Verkehrsprobleme gelöst und moderne Parkleitsysteme geschaffen werden, könnte es sein, dass ich in reifem Alter zu einem Gartenschau-Fan mutiere.

Redakteur Kai Koppe hält viel von einer Landesgartenschau 2034 in Cuxhaven. Foto: Koppe

Kein Vorzeigeprojekt: Die Landesgartenschau macht für die Stadt keinen Sinn (ein Kommentar von Ulrich Rohde)

Warum will ich eigentlich keine Landesgartenschau in Cuxhaven haben? Die Frage ist nicht so einfach zu beantworten. Denn prinzipiell ist dagegen ja nichts einzuwenden. Schließlich haben Gartenschauen heutzutage nichts mehr von den piefigen Veranstaltungen früherer Jahre mit getrimmten Rabatten und mit militärischer Präzision aufgereihten Primelbeeten. Es geht vielmehr um die Darstellung natürlicher oder naturnaher Lebensräume, um das Verständnis für ökologische Zusammenhänge.

Doch es ist etwas anderes, was mich daran stört, dass Cuxhaven die Landesgartenschau ausrichtet. Es ist der eigene Umgang mit der Natur in der Stadt. Sicher, wir haben den Schlossgarten, den Kurpark, wir haben die Küstenheiden, die Moorwiesen und einiges mehr. Aber haben wir auch im innerstädtischen Bereich ausreichend Grünflächen und Bewuchs, der in heißen Sommern Kühlung verschafft? Ich denke nicht. Wo sind die kleinen Parks in der Nachbarschaft, in denen sich die Menschen aus dem Viertel treffen? Wo gibt es Gebäudebegrünung, von der Schwammstadt noch gar nicht zu reden? Bislang ist es vielmehr so, dass fast jede freie oder frei werdende Fläche monetarisiert, also versiegelt und bebaut wird. Eine "grüne" Stadtplanung kann ich leider nicht erkennen. Und was auch immer man vom Regenwasserrückhaltebecken in Arnhausen halten mag: Wenn dafür 14.000 Quadratmeter Wald gerodet werden sollen, ist dies sicher kein Beweis für Naturnähe.

Als Küstenstadt sind wir es gewohnt, dass uns der Wind um die Ohren bläst und wir im Sommer von den extremen Hitzeausschlägen nach oben verschont bleiben. Doch die letzten Jahre haben gezeigt: Auch an uns zieht der Klimawandel nicht folgenlos vorbei. Die Sommer werden heißer, die Luft wird stickiger. Mit gravierenden gesundheitlichen Folgen gerade für ältere Mitbürgerinnen und Mitbürger. Ein großer Teil der Gebäude in der Stadt ist 45 Jahre alt und älter. Sie stammen aus einer Zeit, als das Klima gemäßigter war als heute. Nicht jedes Haus wurde energetisch saniert. Nun kann man nicht alle diese Häuser abreißen. Aber man kann etwas tun, indem man deren Umgebung grüner macht, die Aufenthaltsqualität im Freien verbessert. Und da hat Cuxhaven zweifellos noch viel Luft nach oben. Richtet man die Landesgartenschau aus, ist man auch Vorzeigestadt. Aber dafür müsste man etwas zum Vorzeigen haben - und zwar mehr als das, was uns natürlicherweise in den Schoß gefallen ist.

Es braucht ein Konzept für eine lebenswerte, ergrünende, klimaangepasste Stadt. Und das sehe ich derzeit nicht. Deshalb macht die Landesgartenschau für mich keinen Sinn.

Redaktionsleiter Ulrich Rohde kann sich eine Landesgartenschau 2034 in Cuxhaven nicht vorstellen. Foto: Ringfoto Schattke

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