Hurtigruten in Cuxhaven: Kommen die Urlauber wieder? Das sagen die Gäste
CUXHAVEN. Passagiere der "Otto Sverdrup" sind am Dienstagabend wieder in Cuxhaven von Bord gegangen. Welche Eindrücke nehmen sie mit auf das Schiff?
Zwei Wochen Kreuzfahrt liegen vor den Passagieren. Doch wenige Stunden nachdem das Schiff in Hamburg abgelegt hat, macht es wieder fest. Die "Otto Sverdrup" der Reederei Hurtigruten hat es gerade einmal die Elbe hinauf geschafft, etwas mehr als 100 Kilometer sind es nach Cuxhaven. Es ist das zweite Mal, dass das Hurtigruten-Schiff in Cuxhaven festmacht. Spät abends geht es von Bord - für drei Stunden. Was bringt den Gästen der nächtliche Zwischenstopp? Und wollen sie - wie Oberbürgermeister und Touristiker hoffen - wiederkommen?
Nur zwei Drittel der "Otto Sverdrup" belegt
264 Passagiere befinden sich am Dienstagabend an Bord der "Otto Sverdrup", die etwa 400 Gäste beherbergen könnte. Coronabedingt wird die Auslastung um ein Drittel reduziert. Auf dem Schiff gelten strenge Regeln wie Mindestabstand und Maskenpflicht, berichten die Passagiere.
Anlegen in der Dunkelheit an Seebäderbrücke
Nach dem Start in Hamburg ist nach gut drei Stunden Cuxhaven erreicht. Pünktlich um 22.30 Uhr legt das Hurtigruten-Schiff in der Dunkelheit an der Seebäderbrücke an. Von dem moralisch fragwürdigen Hintergrund des Kurzaufenthalts wissen nur die wenigsten Passagiere, wie sie erzählen. Die Reederei soll Cuxhaven laut Medienberichten vor allem nutzen, um zwei deutsche Häfen anzusteuern, sodass die Tour als international gilt und dadurch ausländisches, günstigeres Personal engagiert werden kann.
Landgang in Cuxhaven nur in Verbindung mit Tour
Nichtsdestotrotz hat die Tourismuswirtschaftsgemeinschaft (TWG) Cuxhaven ein knackiges, abwechslungsreiches Programm mit einem Mix aus Information und Unterhaltung für die Gäste zusammengestellt. Den Landgang in Cuxhaven treten etwa 60 der 264 Passagiere an. Dass sie die Stadt auf eigene Faust erkunden, ist im Gegensatz zu den Expeditionen in Norwegen nicht möglich. Die TWG-Tour ist für die Kreuzfahrt-Urlauber aber im Preis für die gesamte Hurtigruten-Reise enthalten. Jutta Rabien und ihre Tochter Anna schließen sich an, obwohl sie Cuxhaven bereits kennen und schon öfter zu Gast waren. Sie interessieren sich vor allem für die Führung durch die Hapag-Hallen, erzählen sie.
Sehenswürdigkeiten in Cuxhaven werden passiert
Mit zwei Cuxliner-Doppeldecker-Bussen geht es um kurz vor 23 Uhr zunächst durch den Hafen - von der Seebäderbrücke zum Fährhafen, anschließend vorbei an der Alten Liebe sowie am Maritimen Sicherheitszentrum und der City Marina. Am Havenhostel werfen die Gäste einen Blick in den Alten Fischereihafen. Weitere Zwischenziele sind das Museum "Windstärke 10" sowie die Fischhallen und -restaurants in der Neufelder Straße. Über das Mikrofon erzählen die Tourführer Wissenswertes über die einzelnen Stationen.
Cuxhavens Gäste haben angebissen
Helga Vorwerk und ihr Sohn Jürgen aus Mönchengladbach sind überrascht: Dass Cuxhaven so viel Industrie zu bieten hat, hätten sie nicht gewusst. Deshalb finden sie die Rundfahrt informativ. Etwas enttäuscht sind sie darüber, dass sie die Stadt bei ihrem ersten Cuxhaven-Besuch nur in der Dunkelheit zu sehen bekommen. "Aber es macht Lust auf mehr", versichert Jürgen Vorwerk.
Angekommen in den Hapag-Hallen am Steubenhöft
Nachdem der Cuxport passiert ist, erreicht der Bus nach 20 Minuten Fahrtzeit den Amerikahafen mit den Hapag-Hallen. Dort gibt es zunächst einen Willkommens-Drink und eine Gesangseinlage des Duos "Ebbe & Flut". Anschließend übernimmt Horst Koperschmidt: Er erzählt etwas zu der langen Schifffahrts-Geschichte Cuxhavens sowie den Bildern an den Wänden des Kuppelsaals und gibt Einblicke in die lange Zollhalle.
Erst wieder Festland in Norwegen unter den Füßen
Christian Becker und Andrea Gürzing aus Bochum sind in Cuxhaven von Bord gegangen, weil sie wissen, dass sie sich hier das letzte Mal für einige Zeit auf dem Festland befinden. Erst eineinhalb Tage später - am Donnerstag gegen 9 Uhr - wird das norwegische Stavanger angefahren. "Das Cuxhaven-Angebot kam überraschend, als wir das Schiff betreten haben", erzählt Becker. Spontan hätten sie sich dafür entschieden: "Wir dachten, das nehmen wir mit." Vor allem die Auswanderer-Geschichte sei für sie interessant gewesen, betont Andrea Gürzing, nachdem sie das Auswandererhaus in Bremerhaven bereits besucht habe.
Bochumer bleiben nicht für länger in Cuxhaven
Dass sie jetzt einen zehntägigen Urlaub in Cuxhaven verbringen würden, können sich die Bochumer nicht vorstellen. Im Rahmen einer "Wattenmeer-Expedition" - in Kombination mit Trips nach Helgoland oder Juist -, sei Cuxhaven für sie aber schon reizvoll.
Von Herzogenaurach und Coburg nach Cuxhaven
Auch Susanne Seltsam und ihr Mann Stefan wollen wiederkommen. "Das würde ich alles gerne mal bei Tageslicht sehen", sagt die Herzogenauracherin. Das Ehepaar hat die Tour zusammen mit seinen Freunden Hans-Jürgen und Gabi Mees aus Coburg angetreten. "Wir waren neugierig. Wir waren noch nie hier und hatten wenig Vorstellung davon, was Cuxhaven ist", erklärt Mees, der überrascht ist: "Wir haben Cuxhaven nicht mit so viel Tourismus in Verbindung gebracht, sondern nur mit Fischfang."
TWG Cuxhaven will am Tour-Konzept feilen
Darauf soll zukünftig auch der Fokus der Tour gelegt werden, erzählt Katja Cordes, die ehrenamtlich für die TWG im Einsatz ist und an diesem Abend viele Gespräche mit den Reisenden führt. "Die Gäste wollen mehr über die Cuxhavener Geschichte, die Fischwirtschaft und die Auswanderer-Geschichte erfahren", stellt sie fest. Deshalb feile die TWG noch immer an dem perfekten Konzept für die Tour. Auch die Büttpedder sollen nach Shanty-Chor sowie "Ebbe & Flut" noch bei weiteren Anlandungen zum Einsatz kommen. Zudem sei die Erstellung eines Flyers, den die Gäste bei Abreise mit auf das Schiff bekommen, denkbar.
Hurtigruten als Eintrittskarte in die Passagierschifffahrt
Auch Horst Koperschmidt, der die Gäste eine halbe Stunde lang durch die Hapag-Hallen führt, hofft auf positive Auswirkungen für Cuxhaven. Das Empfangen der Hurtigruten-Gäste könne der Eintritt in die Passagierschifffahrt für Cuxhaven sein, meint er. Deshalb liege es ihm am Herzen, die Urlauber über die Küstenstadt zu informieren - auch wenn er zugibt, dass die Leute vermutlich "nicht wegen der Führung hier sind, sondern weil es auf dem Plan steht".
Anleger der Elbfähre zu Gesicht bekommen
Gegen 0.15 Uhr ist Abfahrt an den Hapag-Hallen. Über den Elbfähren-Anleger und die Fischmehl-Hallen geht es in den Alten Fischereihafen, wo zum Abschluss der Tour die Shanty-Chor-Messe eingeladen hat. Zur Keyboard-Einlage von Gustav Ribbe mit Klassikern wie "Auf der Reeperbahn nachts um halb 1" oder "Ein Prosit der Gemütlichkeit" werden bei uriger Atmosphäre Krabbenbrot sowie Bier und Wattenlöper-Schnaps (Kräuterlikör) serviert.
Einstellen auf Nacht-Touren
Um 1.30 Uhr geht es zurück aufs Schiff. Kurz vor der Ankunft an der Seebäderbrücke zu später Stunde sagt eine der Mitfahrenden: "Zum Glück haben wir noch eine halbe Stunde geschlafen. Sonst hätten wir es nicht geschafft." Für die von den Hurtigruten angestellte Tourleiterin, die auf dem Schiff mitfährt und in Norwegen herumführt, ist Cuxhaven deshalb der perfekte Kreuzfahrt-Einstieg: Weil im Winter die norwegischen Häfen vor allem nachts angefahren werden in der Hoffnung, Polarlichter zu erspähen, sei der späte Halt in Cuxhaven ideal, um sich einzugewöhnen.
Hurtigruten-Schiff legt um 2 Uhr ab
Um 1.40 Uhr sind die Reisenden wieder an Bord der "Otto Sverdrup". Gegen 2.10 Uhr legt das Kreuzfahrtschiff in Richtung Norwegen ab. Aber vielleicht kommen die Gäste ja schon bald wieder nach Cuxhaven. In zwei Wochen wollen die Tour-Führer dann erneut Werbung für ihre Stadt machen.