Cuxhaven und Niedersachsen machen Front gegen Hamburgs Schlick-Pläne
CUXHAVEN. Das Land Niedersachsen und die Stadt Cuxhaven machen gemeinsam Front gegen die Pläne Hamburgs, möglicherweise belasteten Schlick aus dem Hamburger Hafen in der Nähe der Vogelschutzinsel Scharhörn zu verklappen.
Und sie wollen auch gemeinsam prüfen, ob das Land oder die Kommune dagegen rechtlich vorgehen kann. Das haben SPD-Ministerpräsident Stephan Weil und Cuxhavens SPD-Oberbürgermeister Uwe Santjer beim jüngsten Besuch Weils am Donnerstag in Cuxhaven vereinbart.
In einem für kommenden Dienstag geplanten Gespräch mit Andreas Rieckhoff, Staatsrat aus der Hamburger Wirtschaftsbehörde, wird es Santjer um mögliche Alternativen zu den Hamburger Plänen gehen. Santjer ließ beim Besuch Weils keinen Zweifel an seiner Entschlossenheit, eine Verklappung vor Scharhörn zu verhindern.
Sedimente driften ab
Konkret geht es um eine Million Tonnen Feinsedimente, die zum allergrößten Teil nicht an Ort und Stelle liegen bleiben, sondern in Richtung Schleswig-Holstein verdriften würden. Die im Vorfeld erarbeitete Auswirkungsprognose verschweige aber nicht, dass ein geringer Teil am Ende auch an den Cuxhavener Stränden und in der Grimmershörnbucht landen und dort das Tourismusgeschäft belasten könnte.
Diese besorgniserregende Erkenntnis hat jedenfalls die Leiterin der Fachabteilung Naturschutz im Cuxhavener Rathaus, Anja Stute nach aufmerksamem Studium des umfangreichen Papiers der Hamburg Port Authority (HPA) gewonnen. Darin werden die Auswirkungen der Verklappungen von Schlick aus dem Hamburger Bereich bei Scharhörn und im Bereich Neuer Lüchtergrund prognostiziert.
Darin heißt es, dass ein Teil des Schlicks, der auch das Cuxhavener Watt-und Strandgebiet erreichen könnte, sehr wohl mit Schadstoffen belastet sei, was die HPA bisher bestritten habe.
Ein Zentimeter Aufwuchs
Das betonte Anja Stute beim Gespräch Santjers mit Stephan Weil. Rechnerisch, so Santjer am Freitag auf Nachfrage unseres Medienhauses, könnte der Wattaufwuchs vor Cuxhaven bis zu 10 Kilogramm pro Quadratmeter betragen, was im Uferbereich rund einen Zentimeter ausmachen würde. Langfristig seien negative Auswirkungen für die Strände und "Cuxhavens Badewanne", die Grimmershörnbucht, nicht auszuschließen, zumal am Neuen Lüchtergrund weiterhin im großen Stil Baggergut verklappt werde. Trotz des klaren Neins in dieser Frage, will sich Santjer dem Dialog mit den Hamburgern nicht verschließen.
Im Gegenteil: "Wir müssen gemeinsam nach langfristigen Lösungen suchen, damit es nicht alle paar Monate um eine neue Verklappstelle geht", so Santjer. Neben einer besseren Kooperation der norddeutschen Häfen gehe es auch um die Frage, ob Hamburg wirklich die volle Tiefe und Breite des neuen Fahrwassers benötige und ob sich das (gereinigte) Baggergut nicht langfristig auch für bauliche Maßnahmen wie den Deichbau oder die Schaffung einer Energieinsel in der Deutschen Bucht eignen würde.