Ist die viel fotografierte „Hermine“ noch zu retten? Diese Frage stellen sich viele Cuxhavener und Gäste. Eine konkrete Antwort von der Stadt als Eigentümer des Gasffelschoners liegt seit einem Jahr nicht vor. Foto: Potschka
Ist die viel fotografierte „Hermine“ noch zu retten? Diese Frage stellen sich viele Cuxhavener und Gäste. Eine konkrete Antwort von der Stadt als Eigentümer des Gasffelschoners liegt seit einem Jahr nicht vor. Foto: Potschka
Maritimes Denkmal

"Hermine" seit einem Jahr ohne Masten: Cuxhavens Verwaltung hüllt sich in Schweigen

von Jens Potschka | 22.12.2023

Vor einem Jahr, am 23. Dezember 2022, hat die "Hermine", der Gaffelschoner vor dem Schleusenpriel in Cuxhaven, seine Masten verloren. Was seitdem rund um Cuxhavens heimliches Wahrzeichen passiert ist.

Mit der Schlagzeile "Hermine in Cuxhaven: Masten und Klüverbaum einen Tag vor Weihnachten entfernt" titelten die Cuxhavener Nachrichten am 23. Dezember 2022. Vor einem Jahr verlor Cuxhavens heimliches Wahrzeichen damit seine maritimen Attribute.

Auch der Klüverbaum der hermine wurde am 22. Dezember 2022 aus Sicherheitsgründen entfernt. Foto: Potschka

Der Leiter für Gebäude und Grundstückswirtschaft bei der Stadt Cuxhaven Lutz Rothermundt und seine Kollegen hatten sich eigentlich auf einen ruhigen Start ins Weihnachtsfest 2022 eingerichtet. Doch am 22. Dezember erreichte die städtische Bauverwaltung der Brief eines Gutachters, der kurz zuvor Untersuchungen an dem Schiff vorgenommen hatte. Zudem erforderten heftige Winterstürme am selben Tag ein schnelles Handeln der Stadt, weil die Masten des Gaffelschoners Hermine als nicht mehr standfest galten.

Die Weihnachtbeleuchtung in Form eines stilisierten Schiffes mag zwar recht schön anmuten, doch über den desolaten Zustand des Gaffelschoners Hermine im Zentrum der City kann das "Lichterschiff" nicht hinwegtäuschen. Foto: Potschka

"Hermine" in Cuxhaven: Kommt die geplante Sanierung überhaupt noch? 

"Ich muss zugeben, die schon länger geplante Sanierung der Masten kommt am Tag vor Weihnachten etwas holprig, doch der Gutachter hat uns in seinem Schreiben mitgeteilt, dass die Masten vom Einsturz gefährdet sind. Von ihnen geht definitiv eine Gefahr aus", erklärte seinerzeit der Leiter der Bauverwaltung. Am selben Tag stellte Rothermundt in Aussicht: "Die Mittel für die Sanierung der Hermine sind schon bewilligt. Insgesamt 142.000 Euro inklusive Eigenmittel der Stadt stehen zur Verfügung. Das Geld stammt aus dem Landesprogramm Perspektive Innenstadt und soll im neuen Jahr (2023) für die dringend notwendige Sanierung der Hermine verwendet werden. Wir warten jetzt noch das endgültige Gutachten ab. Danach werden wir vorrangig die Masten und die Takelage wieder instand setzen. Das hat erst einmal Priorität. Klar ist jedoch schon jetzt, dass auch im Bereich des Kiels der Hermine definitiv Holz ausgetauscht werden muss."

Die Masten der Hermine wurden nach der "Amputation" abtransportiert und fachgerecht entsorgt. Foto: Potschka

Unser Medienhaus hakte im Verlauf des Jahres 2023 immer wieder regelmäßig bei der Stadtverwaltung nach und berichtete über den jeweils aktuellen Sachstand. So sollte ein weiteres Gutachten erstellt werden. Letzteres liegt im Rathaus dem Vernehmen nach auch schon seit geraumer Zeit vor und sollte nach Angaben des Pressesprechers Marcell Kolbenstetter in Form einer Vorlage auch im Jahr 2023 im Fachausschuss behandelt werden. Bislang wurde das Thema jedoch nicht in öffentlicher Sitzung erörtert. Auch eine offizielle Pressemitteilung oder wie auch immer geartete Information zum weiteren Vorgehen mit der Hermine aus dem Rathaus liegt unserem Medienhaus bis zum heutigen Tage nicht vor.

Arbeiter enfernen die Masten und Takellage der Hermine. Foto: Potschka

Ist die Hermine in Cuxhaven noch denkmalgeschützt?

Kurz vor Toreschluss erklärte der städtische Pressesprecher am Donnerstagnachmittag auf erneute Anfrage: "Die obere Denkmalschutzbehörde in Hannover befindet sich noch im Austausch mit der Stadt, um die Frage zu klären, ob die Hermine weiterhin als denkmalgeschützt gilt oder nicht." Dadurch, dass am Gaffelschoner im Laufe der Jahre zahlreiche bauliche Veränderungen vorgenommen wurden, gelte es diese Frage abschließend fachlich erneut zu beantworten. Gerüchten über eine bereits gefallene Entscheidung, die immer wieder in der Stadt kursierten, erteilte der Pressesprecher jetzt eine deutliche Absage. "Es ist noch gar keine Entscheidung gefallen. Zum jetzigen Zeitpunkt können wir leider noch nicht Neues verkünden."

So bleibt die Frage, die die Stadtverwaltung im neuen Jahr 2024 zu beantworten hat, auch weiterhin stehen: "Quo vadis, Hermine?"

Masten und Klüverbaum des Gaffelschoners Hermine wurden vor genau einem Jahr an Weihnachten 2022 mit schwerem Gerät amputiert. Foto: Potschka

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