Schülerinnen, Schüler und Lehrkräfte stellten sich symbolisch hinter das "Kreuz ohne Haken", das danach einen festen Platz in der Nähe des Schultors erhielt. Foto: Reese-Winne
Schülerinnen, Schüler und Lehrkräfte stellten sich symbolisch hinter das "Kreuz ohne Haken", das danach einen festen Platz in der Nähe des Schultors erhielt. Foto: Reese-Winne
Aktion "Kreuz ohne Haken"

Nein zum Extremismus jeglicher Art: Zwei Schulen im Kreis Cuxhaven bekennen Farbe

von Maren Reese-Winne | 21.02.2025

Wenn an der freiheitlich-demokratischen Grundordnung gesägt werden soll, dann ist es Zeit, zusammenzustehen und gegenzuhalten. Mit der Teilnahme an der Aktion "Kreuz ohne Haken" haben das am Freitag Schulen in Stadt und Kreis Cuxhaven getan.  

Seit Freitag steht auf den Schulhöfen des Lichtenberg-Gymnasiums in Cuxhaven und an der Johann-Heinrich-Voß-Schule in Otterndorf je ein in den Farben Pink und Gelb leuchtendes Andreaskreuz - ein "Kreuz ohne Haken".

Im Kreis Cuxhaven sind immer häufiger diese Kreuze zu sehen. Das Andreaskreuz steht dabei - wie vor einem Bahnübergang - als Symbol für Schutz und gleichzeitig als Zeichen des Zusammenhalts. Entstanden sind die als Symbol des Widerstands gegen sich ausbreitende völkische Siedler zuächst im Landkreis Uelzen. Der Landkreis Cuxhaven hat den Schulen nun die Teilnahme an der Aktion angeboten.

Angriff auf die deutsche Staatsordnung

Völkische Siedler wollen sich von der deutschen Staatsordnung befreien, um in unabhängigen Zonen ihrer nationalsozialistischen Weltansicht nachzugehen und von dort aus die Gesellschaft zu unterwandern. "Die völkischen Siedlungsprojekte sind kein Kurzzeitphänomen, sondern auf eine langfristige Beeinflussung der Alltagskultur ausgerichtet", schreibt dazu die in der Stärkung der demokratischen Zivilgesellschaft stark engagierte Amadeu-Antonio-Stiftung. Die völkische Bewegung war schon in den Jahren vor 1933 eine der tragfähigsten Bewegungen für den Aufstieg des Nationalsozialismus, wie gerade eine umfassende wissenschaftliche Arbeit ergeben hat.

Zahlreiche Schülerinnen und Schüler und Lehrkräfte des Lichtenberg-Gymnasiums blieben am Freitag nach Unterrichtsschluss freiwillig länger, um nach einer kurzen Einstimmung durch Schulleiter Martin Rehermann auf dem Schulhof das Kreuz aufzuhängen und sich symbolisch dahinter zu versammeln. 

Bewusstsein für Demokratie und gegen Extremismus jeglicher Art

Bewusstsein für Demokratie und gegen Extremismus habe einen wichtigen Platz in der Schule, so Martin Rehermann. "Wir wenden uns gegen Extremismus jeglicher Art - rechts, links oder islamistisch", betonte er. "Denn was Extremisten eint, ist, dass sie unsere freiheitlich-demokratische Grundordnung zerstören wollen."

Dem Thema war - verbunden mit einer Gedenkminute für die Opfer des eine Woche zuvor verübten Attentats in München - am Donnerstag bereits Thema einer Klassenleiterstunde am gesamten LiG.

Das Lichtenberg-Gymnasium bekenne sich aber auch zur auf dem Kreuz zu lesenden Botschaft "für Vielfalt", so der Schulleiter. Toleranz und Vielfalt seien untrennbare Bestandteile der Demokratie: "Das eint uns und dabei sind wir viele. Wir sind auf keinen Fall allein", meinte er auch in Richtung Otterndorf zur dortigen Realschule.

"Gelebte und handlungsorientierte Demokratieerziehung"

An der Johann-Heinrich-Voß-Schule in Otterdorf wurde das Kreuz erst gestaltet und dann auf dem Schulgelände angebracht. Foto: Gade

Dort waren die Jugendlichen am Freitagmorgen zunächst handwerklich gefordert "Schriftzüge plotten, Holzlatten sägen und schleifen, pink und schwefelgelb lackieren, Schriftzüge aufsprühen und die Bretter zu einem Kreuz zusammenschrauben - was sich nach einem Projekt aus dem Kunst- und Werkunterricht anhört, ist tatsächlich gelebte und handlungsorientierte Demokratieerziehung an der Johann-Heinrich-Voß-Schule in Otterndorf", schreibt Schulleiter Arne Gade.

Mit der Teilnahme an der Aktion "Kreuz ohne Haken - fUEr Vielfalt" (UE weist auf den Ursprung in Uelzen hin) setze seine Schule ein Zeichen gegen Rechtsextremismus. Gade: "Die Schule hat sich entschieden, die Aktion in ihr Konzept zur Demokratieerziehung aufzunehmen. Rassismus und Ausgrenzung dürfen keinen Platz in der deutschen Demokratie finden."

Erinnerung nicht verblassen lassen

Die Erinnerung an Deutschlands dunkelstes Kapitel - Aufstieg und Fall des Dritten Reichs mit Millionen Toten - dürfe für die Heranwachsenden nicht verblassen. "So werden immer wieder im Rahmen des Geschichtsunterrichts die Gedenkstätten Sandbostel und Buchenwald besucht und jüngst wurde an der Schule die Biografie von Arthur Samuel thematisiert, eines Juden, der die Zeit des Nationalsozialismus durch die Hilfe engagierter Bürger überlebt hat. Außerdem wurde der Film ,Gary's Letter' über das Leben des Holocaust-Überlebenden Gerd Sternberg aus Cuxhaven gezeigt."

Demokratie praktisch lernen

Neben der Erinnerungskultur würden die Jugendlichen in ihrem demokratischen Denken und Handeln bestärkt, im März als Nächstes mit dem kommunalpolitische Planspiel "Pimp your Town", zu dem auch die Hauptschule Otterndorf, das Gymnasium Otterndorf und die Schule Am Dobrock aus Cadenberge eingeladen seien.

Gade weiter: "Und vielleicht bekommt die Realschule auch einen Platz im Programm ,Leuchtfeuer Demokratie' - einem Präventionsprogramm gegen die Radikalisierung von Jugendlichen, das vom Landkreis Cuxhaven und der Polizeidirektion Oldenburg entwickelt wurde.

Schule und Elternhäuser müssen gegenhalten

In einer Zeit, in der die politische Meinungsbildung von Jugendlichen und jungen Erwachsenen von sozialen Medien wie Tiktok, Youtube oder Instagram stark beeinflusst werden, müssen Elternhäuser und Schulen mit Hilfe von klassischen seriösen Medien wie Zeitungen, Magazinen oder Nachrichtensendungen aufklären und politische Themen mit Heranwachsenden kontrovers diskutieren. Und immer wieder muss in Gesprächen im Wohnzimmer und im Klassenraum auf das hingewiesen werden, was das Leben in unserem Land auszeichnet: Grundrechte für alle Bürgerinnen und Bürger, die es zu schützen gilt."

An der Johann-Heinrich-Voß-Schule in Otterdorf wurde das Kreuz erst gestaltet und dann auf dem Schulgelände angebracht. Foto: Gade

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Maren Reese-Winne

Redakteurin
Cuxhavener Nachrichten/Niederelbe-Zeitung

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