Die „Bürgerinitiative (BI) gegen McDonalds am Heidestrandbadsee“ sammelt Unterschriften gegen den Standort. Gegen "McDonald's" ist sie aber nicht grundsätzlich. Foto: Brettschneider
Die „Bürgerinitiative (BI) gegen McDonalds am Heidestrandbadsee“ sammelt Unterschriften gegen den Standort. Gegen "McDonald's" ist sie aber nicht grundsätzlich. Foto: Brettschneider
"McDonald's" Hemmoor

Hemmoor: Streit um "McDonald's"-Standort am See - Was die Bürgerinitiative fordert

von Bengta Brettschneider | 04.06.2025

In Hemmoor konkretisiert die "Bürgerinitiative gegen McDonald's am Heidestrandbadsee" ihre Kritik. Umwelt und Sicherheit wie auch das Selbstverständnis der Stadt als kinderfreundliche Kommune stehen im Fokus - keine grundsätzliche Ablehnung.

Die "Bürgerinitiative (BI) gegen McDonalds am Heidestrandbadsee" ist eine bunte Gruppe. Das jüngste Mitglied ist 16 Jahre alt, die ältesten sind bereits im Rentenalter. Die Gruppe polarisiert. Die Mitglieder stehen regelmäßig auf dem Wochenmarkt in Hemmoor, um Unterschriften gegen den Standort zu sammeln. Mittlerweile wurde laut BI bereits der zweite Schwung an Unterschriften, die jetzt an die tausend reichen, im Rathaus abgegeben.

Die beleidigenden Kommentare auf Facebook haben laut Heidi Stamm mittlerweile aufgehört, aber auf dem Wochenmarkt seien sie nach wie vor Anfeindungen ausgesetzt. Es gebe bereits Menschen, die sich in der BI engagiert haben und dies jetzt nicht mehr tun. "Sie halten es nicht mehr aus", erklärt Heidi Stamm, Gründerin der BI. Nach dem letzten Wochenmarkt hätten sie den Entschluss gefasst, ihren Standpunkt noch einmal deutlich zu machen, um mit Missverständnissen aufzuräumen. 13 Mitglieder der BI haben sich für das Gespräch mit unserem Medienhaus zusammengefunden, in unmittelbarer Nähe zum Heidestrandbadsee.

"Wir sind nicht grundsätzlich gegen McDonald's"

"Uns eilt ein Ruf voraus, der nicht auf uns zutrifft", erläutert Heidi Stamm. "Wir sind nicht die Initiative, die gegen den ersten Standort neben der Grundschule in Hemmoor war. Und wir sind auch nicht grundsätzlich gegen die Ansiedlung von ,McDonalds' in Hemmoor", betont sie. Nachdem der Antrag vom Bürgerforum zu einer alternativen Standortsuche von Rat und Verwaltung abgelehnt wurde, habe sich die BI gegründet.

Die BI sieht bei dem Standort am Heidstrandbadsee erhebliche Sicherheitsbedenken bei der  Verkehrssituation. Bereits jetzt sei der Bahnhofsweg ein Nadelöhr für Auto- und Radfahrer. Außerdem würde sich der Verkehrslärm für die Anwohner erheblich erhöhen. Das liege auch daran, dass der geplante Standort ein Wohn- und kein Gewerbegebiet sei. "Es geht uns dabei auch nicht nur um uns. ,McDonalds' sollte in keinem Wohngebiet stehen", betont Rudi Stamm.

Grüne Ziele der Stadt im Widerspruch?

Ein weiterer Kritikpunkt der BI zum Standort bezieht sich auf die Nachhaltigkeit. Neben dem Zertifikat "kinderfreundliche Kommune" strebe die Stadt Hemmoor auch das Zertifikat "nachhaltige Kommune" an. Dazu gehöre unter anderem, den Baumbestand, vor allem von Bäumen, die 30 Jahre oder älter sind, zu schützen und zu erhalten. Im Zuge der geplanten Bebauung würde aber ein Großteil der dort stehenden Bäume abgeholzt werden. "Wir sind mitten im Klimawandel, in Hemmoor ist alles zugepflastert und dann soll noch dieses kleine Stück Natur zerstört werden", merkt Eleonore Lemke an. Auch wenn neue Bäume als Ausgleich gepflanzt werden sollen, dauere es Jahrzehnte, bis diese die Wirkung der alten Bäume erreichen. In anderen Städten würden mittlerweile Versiegelungen rückgängig gemacht werden. Zusätzlich hätten sich in dem Gebiet rund um den See etliche Tiere angesiedelt. Dazu würden Eisvögel, verschiedene Fledermausarten und Wildbienen gehören.

Kinderfreundliche Stadt oder Fast-Food-Fläche?

Die Kinder- und Jugendärztin in Weiterbildung Greta Große sieht den geplanten Standort auch aufgrund seiner Nähe zum "B4", der Skateanlage und dem Schulweg von Kindern und Jugendlichen kritisch. Aussagen von "McDonald's" wie, man wolle die Kinder direkt abgreifen, beunruhigen sie. "Die Stadt habe jetzt die einmalige Chance, etwas unmittelbar für eine kinderfreundliche Kommune zu tun", betont sie. Dazu gehöre auch, dass Kinder und Jugendliche sich sicher bewegen können, was durch das erhöhte Verkehrsaufkommen durch den Schnellimbiss und seinen "McDrive" gefährdet wäre.

Auch vor dem Hintergrund des ISEK-Prozesses (Integrierte städtebauliche Entwicklungskonzepte) gebe es einen eklatanten Widerspruch zu dem Bau eines "McDonald's" in einem Wohngebiet. Projekte mit großer Bürgerbeteiligung würden überwiegend auf die Otto-Peschel-Straße und die Bahnhofstraße mit Bahnhofsweg abzielen. In den Plänen städtischer Entwicklung solle dabei ein Fokus auf die Begrünung von Flächen, die Aufenthaltsqualität und Sicherheit für Fußgänger und Radfahrer aller Altersgruppen gesetzt werden. Laut Planungsbüro "Cappel und Kranzhoff" müsse sich die Lebensqualität in Hemmoor verbessern.

Ein Konflikt, der auch Jugendliche betrifft

Die Spaltung rund um das Thema "McDonald's" in Hemmoor betreffe jedoch nicht nur die Erwachsenen, sondern auch Jugendliche, erläutert eine Schülerin, die sich der BI angeschlossen hat. Patrizia besucht das Gymnasium Warstade und ist 16 Jahre alt. Auch sie hat Unterschriften gegen den Standort gesammelt. Viele hätten direkt unterschrieben, andere hätten Angst gehabt, erzählt sie. "Sie haben Angst vor Konflikten in der Familie oder unter Freunden." Sie versteht nicht, warum man einen See mitten im Ort zerstören sollte. 

Als eine kurze Stille während des Gesprächs eintritt, ist nur der Regen von draußen zu hören. "So soll es bleiben", meint Rudi Stamm. Wenn "McDonald's" an den See zieht, würde sich der Lärmpegel erheblich erhöhen. Rund 1,8 Millionen Menschen essen täglich in einem der 1500 "McDonald's"-Restaurants in Deutschland. 

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