"Ich habe Angst": Verschobene Alte-Liebe-Sanierung könnte für Cuxhaven teuer werden
Die Sanierung der Alten Liebe in Cuxhaven steht möglicherweise auf der Kippe. Die Vorgänge im Petitionsausschuss des Landtags verzögern die Entscheidung um die Aussichtsplattform. Das dürfte verschiedene Folgen haben.
Bis auf Weiteres bleibt offen, wie sich der Petitionsausschuss im Niedersächsischen Landtag zur Petition einer Cuxhavenerin verhält: Nicole Antons möchte die Aussichtsplattform Alte Liebe in ihrer heutigen zweigeschossigen Bauweise erhalten. Hinter ihrem Veto gegen die Sanierungspläne der Hafenbetreibergesellschaft NPorts stehen (Stand 27. September 2026) 10.397 Unterstützer.
Entgegen der ursprünglichen Tagesordnung war der Punkt "Oberdeck der Alten Liebe erhalten" am Mittwoch (23. September 2026) nicht Gegenstand einer Sitzung des Petitionsausschusses im Niedersächsischen Landtag. Unbestätigten Berichten zufolge hatte es innerhalb des Ausschusses Widerstand gegen eine Behandlung des Themas gegeben: Zu kurzfristig sei die Petition auf die Ausschuss-Agenda gesetzt worden.
Abschluss vor Saisonstart wird unwahrscheinlicher
Der Petitionsausschuss wird nun erst in seiner nächsten Sitzung - am 4. November - über den Antrag der Cuxhavenerin beraten. Das hat Folgen: Da sich das Plenum frühestens nach der Ausschussberatung mit der Sache befassen kann, kann der Landtag frühestens in seiner Sitzung am 16. und 17. November 2026 über die Petition entscheiden. Das teilte ein Landtagssprecher Ende vergangener Woche gegenüber der CN/NEZ-Redaktion mit.
In der Sturmflutsaison war die Aussichtsplattform zuletzt immer wieder von Brechern überspült worden. Geht man davon aus, dass sie auf die ein oder andere Weise baulich verändert werden muss, droht aktuell die Zeit für eine mit dem Tourismusgeschäft verträgliche Lösung davonzulaufen.
Auf Nachfrage von cnv-medien.de wollte eine Sprecherin des Hafenbetreibers am Freitag (25. September 2026) nicht ausschließen, dass sich das gesamte Projekt durch die erfolgte Vertagung des Petitionsthemas verzögern kann. Ärgerlich ist das aus NPorts-Sicht vor allem wegen der bereits getroffenen Vorbereitungen. "Das Ausschreibungsergebnis liegt vor", bestätigte Dörte Schmitz (Niedersachsen Ports). Das bedeutet, dass mit der Umsetzung des Vorhabens, das nach den Plänen der Hafen-GmbH eine Erhöhung des zentralen Decks inklusive einer abgespeckten Oberdeck-Lösung vorsieht, direkt begonnen werden kann. "Wir könnten theoretisch sofort loslegen", hieß es dazu aus Oldenburg. Ob Niedersachsen Ports diesen Schritt angesichts einer noch nicht abschließend beschiedenen Petition geht, ist eine Frage, die in der vergangenen Woche unbeantwortet blieb.
Gesetzt den Fall, dass die Hafenbetreibergesellschaft ihr weiteres Vorgehen von der politischen Entscheidung abhängig macht: Der Zeitpunkt für einen möglichen Baubeginn fiele dann bereits tief in den Herbst. Dass der Umbau der Alten Liebe in diesem Fall bis zum Saisonstart Mitte April realisieren lässt, wäre also nahezu auszuschließen. Die beliebte Aussichtsplattform stünde demnach auch in den darauffolgenden (Sommer-) Wochen nicht zur Verfügung - nichts anderes meint die NPorts-Zentrale in Oldenburg mit den oben erwähnten "Verzögerungen".
Für Gäste wäre ein solches Szenario schade, für die Stadt Cuxhaven entstünde womöglich sogar ein wirtschaftlicher Schaden: Obschon die Alte Liebe (im Besitz von NPorts) außerhalb der kommunalen Einflusssphäre liegt, kommt die Stadt Cuxhaven über eine ihrer Touristenattraktionen, das Feuerschiff "Elbe 1", ins Spiel. Das schwimmende Denkmal hat seinen Stammplatz an der Plattform, von dort aus gelangen Besucher an Bord, die pro Kopf sechs Euro springen lassen, um das Schiff besichtigen zu können.
OB befürchtet, dass Mittel verfallen
Ohne Zugang über die Alte Liebe kein "Open Ship": Über die für den Schiffsunterhalt benötigten Eintrittsgelder sei die Stadt beim Thema Alte Liebe eben doch involviert, sagte Santjer, der mit Einbußen in fünfstelliger Höhe rechnet, sollten Schiffsbesuche auf der "Elbe 1" in der Sommersaison 2027 aus den genannten Gründen ins Wasser fallen.
Eine naheliegende Idee - nämlich das Feuerschiff für die Dauer der Bauarbeiten an einen Ausweichstandort zu verlegen - sei in Anbetracht des vollen Hafens nicht ohne Weiteres umzusetzen: Allein aus diesem Grund bezeichnete es der Oberbürgermeister als "sehr bedauerlich", dass der Petitionsausschuss in seiner vergangenen Sitzung nicht ins Handeln gekommen ist. Santjer sieht in diesem Zusammenhang auch die Gefahr, dass eine Sanierung der Alten Liebe auf Folgejahre vertagt werden könnte. Nicht nur, dass Baupreise weiter steigen und den bislang gesetzten Finanzierungsrahmen sprengen könnten: "Ich habe Angst, dass diese 5,5 Millionen verfallen", sagte der OB gegenüber der CN/NEZ-Redaktion unter Verweis auf die aktuell für die Alte Liebe bereitgestellten Mittel.
In einem Beitrag im Webportal "Open Petition" machte die Petentin die Landtags-SPD für die derzeitige Situation verantwortlich. Gemeinsam mit dem Hafenbetreiber hat letztere nach Antons Auffassung versucht, "klammheimlich im Hinterzimmer und im Eilverfahren" eine Entscheidung nach eigenem Gusto herbeizuführen.
"Warum wird mit solch einer Penetranz an der Verstümmelung eines weltbekannten Wahrzeichens festgehalten?", fragt Antons. Für die angedachte Sanierungslösung nennt NPorts allerdings technische Gründe: Weil die Alte Liebe aus Flutschutzgründen erhöht werden muss, wird die auf dem Fundament ruhende Gesamtkonstruktion schwerer werden. Um statische Grenzen einhalten zu können, soll das Oberdeck des Bauwerks nicht etwa verschwinden. Wohl aber kleiner ausfallen als bisher.
CNV-Newsletter
Wissen, was im Cuxland los ist: Alle wichtigen Nachrichten aus der Stadt und dem Landkreis Cuxhaven direkt in Ihr Postfach. Hier für den CNV-Newsletter anmelden.