Petitionsinitiatorin Nicole Antons: "Die Alte Liebe ist unser Wohnzimmer am Meer"
Nicole Antons ist das Gesicht einer Petition, hinter der rund 9000 Unterschriften und die Forderung zum Erhalt des Oberdecks der Alten Liebe stehen. Im Interview mit Jens-Christian Mangels erzählt sie von ihrem Antrieb und den nächsten Schritten.
Frau Antons, was ist Ihr Antrieb, sich für die Alte Liebe und den Erhalt des Oberdecks zu engagieren?
Ich habe mein ganzes Leben hier in Cuxhaven verbracht und die Alte Liebe war schon immer ein großer Teil unserer Familiengeschichte. Das ist unser Wohnzimmer am Meer. Immer wenn irgendetwas war, sind wir am Ende des Tages noch mal zur Alten Liebe gegangen, haben dort etwas gesessen, geplaudert oder den Sonnenuntergang angeschaut. Die Alte Liebe ist ein Teil meiner ganz persönlichen Geschichte, aber eben auch ein Teil der Cuxhavener Geschichte.
Die Fakten liegen mittlerweile auf dem Tisch: NPorts ist zwar bereit, die Alte Liebe zu sanieren, will aber auf das Oberdeck verzichten. Von der Petition hat sich der NPorts-Geschäftsführer wenig beeindruckt gezeigt. Kämpfen Sie trotzdem weiter?
Selbstverständlich. Wir werden alle uns zur Verfügung stehenden demokratischen und rechtlichen Mittel ausschöpfen, um unser Ziel zu erreichen.
NPorts-Chef Holger Banik hat gesagt, die Pläne seien in Stein gemeißelt. Sehen Sie trotzdem noch Gesprächsbereitschaft?
Ja, auf jeden Fall. Oberbürgermeister Uwe Santjer hat mir zugesagt, mit Herrn Banik noch einmal zu reden. Und inzwischen hat sich der Cuxhavener Niederlassungsleiter von NPorts, Knut Kokkelink, bei mir gemeldet und nach meiner Telefonnummer fragen lassen. Also, ich gehe mal davon aus, dass da noch sehr viel Luft nach oben ist.
Woher nehmen Sie die Zuversicht, dass das Oberdeck noch gerettet werden kann?
Weil ich immer noch an den Denkmalschutz glaube. Und weil ich überzeugt bin, dass wir in Cuxhaven unsere maritime und historische Bedeutung nicht verlieren sollten. Wir müssen die Kulturdenkmäler schützen. Die Alte Liebe ist einzigartig, sie gibt es in dieser Form nur hier. Sie ist schützenswert.
Wie stehen die Chancen, dass die Alte Liebe den Status eines Denkmals erhält?
Aus meiner Sicht stehen die Chancen sehr gut. Wenn Sie sich das gesamte Ensemble mit dem Hamburger Leuchtturm, dem Minensucherdenkmal und dem geschützten Feuerschiff "Elbe 1" anschauen, dann macht die Alte Liebe dieses Ensemble erst komplett. Ich sehe keinen Grund, warum die Alte Liebe nicht denkmalschutzwürdig sein sollte.
Haben Sie schon eine Rückmeldung vom niedersächsischen Landesamt für Denkmalpflege?
Nein, aber die Unterlagen liegen dort vor. Ich hatte den Antrag am 8. Februar gestellt und bis jetzt noch keine schriftliche Rückmeldung bekommen. Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz habe ich auch informiert. Auch von dort habe ich noch keine Rückmeldung erhalten.
Sie haben in den vergangenen Tagen viele Gespräche geführt, auch mit Vertretern aus der Politik. Können Sie uns einen kleinen Einblick in diese Gespräche geben?
Ich habe viele Anrufe bekommen und werde auch von den politischen Fraktionen angesprochen. Gespräche habe ich unter anderem mit Uwe Santjer geführt, mit Vertretern der CDU und der FDP. Ich möchte aber klarstellen, dass das keine rein politische Aktion wird. Es geht mir darum, den Bürgerwillen weiterzutragen. Und der ist ja mittlerweile sehr stark.
Vermuten Sie hinter den jetzt aufploppenden Reaktionen aus der Politik auch Wahlkampfmanöver? Am 13. September ist Kommunalwahl.
Das will ich nicht näher beleuchten. Wir sollten alle miteinander gesprächsbereit bleiben, egal ob Wahlkampf ist oder nicht. Die Bürger und Bürgerinnen erwarten, dass sie mitgenommen werden, wenn es um solche Dinge wie die Alte Liebe geht.
Sie schreiben in einem Kommentar zu Ihrer Petition, Ihr Anliegen sei "längst kein rein lokales Thema mehr". Wie meinen Sie das?
Die Pläne zur Alten Liebe sind - auch durch einen Fernsehbeitrag - sehr weit ins Internet vorgedrungen. Ich bekomme Zuschriften aus aller Welt, aus Vietnam und den USA. Alle sorgen sich um die Alte Liebe. Auch ehemalige Cuxhavenerinnen und Cuxhavener, die jetzt im Ausland leben, melden sich. Die Petition verbreitet sich rasend schnell. Und sie soll wohl auch schon bis nach Berlin gedrungen sein, wie ich hörte.
Wie könnte aus Ihrer Sicht eine Lösung aussehen? NPorts allein wird das Oberdeck der Alten Liebe nicht retten.
Das genau ist der Knackpunkt. Ich frage mich, woran es liegt, dass NPorts diesen Widerstand aufrechterhält. Es gibt Fördermöglichkeiten ohne Ende, auch außerhalb des Denkmalschutzes. Wir bekommen einen Hafenausbau für 300 Millionen. Und jetzt soll das Geld für eine Aussichtsplattform nicht reichen? Das erschließt sich mir nicht.
Die Hafengesellschaft NPorts sagt, sie sei für den Tourismus nicht zuständig.
Na ja, für den Tourismus als Marketing sicherlich nicht. Dafür haben wir die Nordseeheilbad Cuxhaven GmbH, die für die Alte Liebe auch wirbt. Aber die Vorhaltung, die Instandhaltung, die Schaffung, die Infrastruktur von Hafenanlagen, der Hafenausbau, das alles ist ein Teil davon und gehört dazu.
Sie setzen ganz bewusst auf demokratische Mittel und einen respektvollen Umgang, distanzieren sich von Wut und Aggression. Warum ist Ihnen das so wichtig?
Natürlich kann man wütend sein. Ich bin auch wütend, aber ich bin es zu Hause. Dann schnaufe ich dreimal durch und beruhige mich wieder. Wut ist kein guter Antrieb. Entscheidungen werden nicht auf der Straße getroffen, wenn man Radau macht, sondern am Verhandlungstisch.
Der öffentliche Ruf nach einer Demonstration für die Alte Liebe wird dennoch immer lauter. Wie denken Sie darüber?
Gegen eine Mahnwache oder eine Demonstration habe ich im Prinzip nichts einzuwenden. Das ist auch ein demokratisches Mittel. Dennoch halte ich es für wichtig, weiter Gespräche zu führen.
Die Alte Liebe wurde auf die Tagesordnung des Cuxhavener Stadtrates gesetzt, der am 26. Februar tagt. Gehen Sie hin?
Davon können Sie ausgehen.
Was erhoffen Sie sich von dieser Sitzung?
Ich hoffe auf Gesprächsbereitschaft und dass viele Einwohnerinnen und Einwohner Fragen stellen zur Alten Liebe. Genau das wollte ich erreichen. Dieses Angebot hätte von der Politik schon viel eher kommen müssen.
NPorts-Chef Holger Banik hat bei der Präsentation der Pläne erklärt, dass er kein Problem damit hätte, die Alte Liebe für einen symbolischen Preis abzugeben. Sollte die Stadt Cuxhaven oder eine andere Institution die Alte Liebe übernehmen?
Von mir aus auch ein Förderverein. Für abwegig halte ich das keineswegs. Mein Fokus liegt aber erst einmal darauf, auf Fördermöglichkeiten hinzuweisen. Wenn dann am Ende der berühmte letzte Euro noch fehlt, dann werden wir dafür sicherlich auch noch eine Lösung finden.
Wenn jeder Ihrer rund 9000 Unterstützer 100 € geben würde, hätte man schon 900.000 Euro zusammen...
Ich habe Unterstützer, die noch viel mehr geben würden. Daran sehen Sie, was für ein hoch emotionaler und bedeutender Ort die Alte Liebe für die Menschen ist.