Sanierung der Alten Liebe: Warum Cuxhaven jetzt auf Hannover blickt
Monatelang wurde über die Zukunft der Alten Liebe gerungen. Nun könnte der Petitionsausschuss des Landtags am 4. November Weichen stellen. Die Sanierung des Cuxhavener Wahrzeichens ist längst auch zu einem Konflikt um Bürgerbeteiligung geworden.
Für die Zukunft der Alten Liebe könnte der Mittwoch, 4. November, zu einem entscheidenden Tag werden. Dann befasst sich der Petitionsausschuss des Niedersächsischen Landtags erneut mit der Petition der Cuxhavenerin Nicole Antons. Die Tagesordnung für die Sitzung liegt noch nicht vor. Auch die Uhrzeit steht noch nicht fest. Dass die Petition zur Alten Liebe an diesem Tag behandelt wird, gilt jedoch als sehr wahrscheinlich.
Die Forderung der Petitions-Initiatorin: Das charakteristische Oberdeck des beliebten Aussichtsbauwerks soll auch nach der dringend notwendigen Sanierung möglichst vollständig erhalten bleiben. Nach einer ausführlichen Anhörung im August wird nun eine Empfehlung des Ausschusses erwartet. Die endgültige Entscheidung über die Petition liegt beim Landtag.
Mehr als 10.000 Menschen unterstützen inzwischen das Anliegen der Cuxhavenerin Nicole Antons. Ihre Petition für den Landtag hatte Ende Mai das erforderliche Quorum von 5000 Mitzeichnungen überschritten und damit eine öffentliche Anhörung ermöglicht. Auslöser waren die im Februar vorgestellten Sanierungspläne der landeseigenen Hafengesellschaft Niedersachsen Ports (NPorts). Zunächst sollte das Oberdeck vollständig entfallen. Nach Protesten legte NPorts eine überarbeitete Planung mit einer deutlich kleineren zweiten Ebene vor. Doch auch diese lehnt die Initiative ab.

Die Notwendigkeit der Sanierung ist unstrittig
Die Notwendigkeit der Sanierung ist unstrittig. Schäden an Betonbauteilen und zunehmende Sturmflutbelastungen machen die Arbeiten erforderlich. Zudem soll die Plattform um etwa einen Meter angehoben werden, um Hochwasserschutz und Barrierefreiheit zu verbessern. Nach Angaben von NPorts und Wirtschaftsministerium lassen die vorhandenen Stahlpfähle ein Oberdeck in bisheriger Größe aus statischen Gründen nicht zu. Geplant ist deshalb eine zweite Ebene von etwa 24 mal vier Metern. Eine umfassendere Sanierung einschließlich der Pfahlgründung würde laut Ministerium zehn bis 15 Millionen Euro kosten und ein mehrjähriges Genehmigungsverfahren erfordern.
Die Initiative bezweifelt, dass alle technischen Möglichkeiten ausgeschöpft wurden. Sie fordert eine unabhängige Machbarkeitsstudie und die Prüfung alternativer Bauweisen, etwa mit Carbonbeton. Auch Kostenberechnungen und statische Begründungen hält sie für unzureichend transparent.
Bei der Anhörung am 19. August verlangten Abgeordnete zusätzliche Einschätzungen. Die Grünen-Abgeordnete Sina Maria Beckmann regte eine Bewertung der touristischen Bedeutung an, CDU-Mann Christian Frölich forderte eine weitere Stellungnahme zur Statik. Antons wertete die Nachfragen als Erfolg: "Wir wurden ernst genommen." Ob die Stellungnahmen inzwischen vorliegen und was sie ergeben haben, dürfte für die Beratung entscheidend sein.
Ursprünglich sollte der Ausschuss bereits am 23. September erneut beraten. Wegen Unstimmigkeiten über das Verfahren wurde der Tagesordnungspunkt jedoch kurzfristig abgesetzt. Antons warf SPD und NPorts daraufhin vor, eine schnelle Entscheidung zulasten der Initiative anzustreben.

Weitere Verzögerungen könnten teuer werden
Die Verzögerung erhöht den Zeitdruck. Laut NPorts liegt das Ausschreibungsergebnis für die Sanierung bereits vor. Die Hafengesellschaft hatte zugesichert, bis zur politischen Klärung keine unumkehrbaren Schritte einzuleiten. Ob die Arbeiten zur Tourismussaison 2027 abgeschlossen werden können, erscheint zunehmend fraglich.
Oberbürgermeister Uwe Santjer warnt vor finanziellen Folgen. Bei einer längeren Sperrung drohten dem Feuerschiff "Elbe 1", das an der Alten Liebe liegt, Einnahmeausfälle in fünfstelliger Höhe. Ein Ausweichliegeplatz sei schwer zu finden. Santjer sorgt sich zudem um die bereitstehenden 5,5 Millionen Euro: "Ich habe Angst, dass diese 5,5 Millionen verfallen", erklärte er Ende September gegenüber unserer Redaktion. Antons weist die Verantwortung für mögliche wirtschaftliche Schäden zurück und verweist auf die bisherigen Planungs- und Entscheidungsprozesse.
Längst geht es um mehr als bautechnische Fragen. Für die Initiative ist der Umgang mit ihrer Petition ein Maßstab für demokratische Bürgerbeteiligung. Antons spricht von einem "Prüfstein für den Zustand unserer demokratischen Kultur". Dem stehen technische und finanzielle Zwänge sowie der Zeitdruck gegenüber. Beide Seiten wollen die Alte Liebe erhalten, streiten aber über den Weg.
Am 4. November könnte sich zeigen, ob der Ausschuss die bisherige Planung unterstützt oder zusätzliche Prüfungen empfiehlt. Auch eine erneute Vertagung ist möglich. Bei einer abschließenden Empfehlung könnte sich der Landtag frühestens am 16. und 17. November mit der Petition befassen.

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