FDP-Ratsherr Günter Wichert beklagt, dass der Antrag seiner Fraktion zum Rückkauf des Gorch-Fock-Schulgebäudes (Kiautschou-Kaserne) seit einem Jahr unsichtbar sei. Foto: Reese-Winne
FDP-Ratsherr Günter Wichert beklagt, dass der Antrag seiner Fraktion zum Rückkauf des Gorch-Fock-Schulgebäudes (Kiautschou-Kaserne) seit einem Jahr unsichtbar sei. Foto: Reese-Winne
Ringen um Gorch-Fock-Schule

Wie belastet ist altes Schulgebäude in Cuxhaven denn nun wirklich?

von Maren Reese-Winne | 01.10.2024

Vor einem Jahr sorgte FDP-Ratsherr Günter Wichert in der Ratssitzung für Wirbel, als er unangekündigt einen Antrag auf Rückkauf des alten Gorch-Fock-Schulgebäudes stellte und die Rückverlegung forderte. Für ihn bleibt das Anliegen aktuell.

Wo eigentlich dieser Antrag geblieben sei, echauffierte er sich vor wenigen Tagen im Schulausschuss. Zusammen mit zwei weiteren Vertretungsberechtigten hat er inzwischen ein diesbezügliches Bürgerbegehren an die Stadt gerichtet. 

Heftige Gegenrede im Rat ausgelöst

Mit seinem Vorstoß hatte er seinerzeit im Rat heftigen Widerspruch erzeugt - unter anderem mit dem Hinweis auf die Schadstoffbelastung des Gebäudes und die im Jahr 2013 unterirdische Finanzsituation der Stadt. Der Verkauf der alten Kiautschou-Kaserne, deren Sanierung als unfinanzierbar galt, sei damals eine Voraussetzung für die Verhandlung des Entschuldungsvertrags gewesen, gaben Gegenredner zu bedenken und reagierten sichtlich pikiert. Wichert hingegen sei damals noch gar nicht Mitglied des Rates gewesen. 

Wichert bestritt im Schulausschuss nun diese Schadstoffbelastung. Zumindest sei nicht das gesamte Gebäude betroffen, das habe er bei einer Einsicht in die Akten gesehen. Er könne keine Beeinträchtigung der Schülerinnen und Schüler erkennen, begründete er seinen Antrag. Der Ertrag durch den Verkauf des "für einen Appel und ein Ei" verkauften Altbaus sei damals nur niedrig gewesen. Das Gebäude vom Investor, einem Chinesen, der es ohnehin nur verfallen lasse, zurückzukaufen und dann zu sanieren, dürfe nicht schwer sein, so Wichert mit dem Hinweis darauf, dass in diesem Jahr eine Entscheidung über die Zukunft der Gorch-Fock-Schule getroffen werden müsse.

Es geht nicht nur um Schadstoffe

"Sie können die Kontamination überprüfen, diese Messwerte gibt es nicht", so der Ratsherr. Ihre Informationen lauteten anders, so Dezernentin Petra Wüst; im übrigen kursiere der FDP-Antrag zur Bearbeitung im Rathaus. Ausschussvorsitzender Lars Birner (CDU) hielt angesichts so vieler Unbekannter einen Neubau nach aktuellen energetischen Standards auf einem städtischen Grundstück für deutlich sinnvoller. Vor dem Auszug der Grundschule waren bei Rundgängen durch die Schule noch reichlich uralte Heizkörper zu sehen, zu denen Leitungen aus Kaisers Zeiten liefen.   

"Kreis hat neben Krankenhaus keinen Spielraum mehr"

Mit Blick auf die Kreis-Finanzen sah Wichert (auch Kreistagsmitglied) es als illusorisch an, dass der Kreis so bald für die OBS Cuxhaven-Mitte baue oder sich an der Finanzierung eines Grundschulneubaus beteilige: "Der Kreis hat keinen Spielraum mehr, wir können uns nichts mehr erlauben." Allein das Krankenhaus Land Hadeln entziehe dem Kreis fünf bis sieben Millionen Euro Liquidität im Jahr, so Wichert.

Rüdiger Kurmann (Die Cuxhavener) und Ulla Bergen (SPD), beide ebenfalls im Kreistag, deuteten an, dass sich für den Bau einer neuen Grundschule in Cuxhaven dort mit Blick auf eine erhebliche Kostenersparnis durchaus Offenheit abzeichne. Die Verwaltungen befänden sich im Gespräch, so Petra Wüst. Allein die naturschutzfachliche Bewertung - Grundvoraussetzung für eine Bauleitplanung - würde jedoch schon ein Jahr beanspruchen. Ihres Wissens seien dort noch keine Gutachten in Vorbereitung: "Dafür bräuchte es erst mal Beschlüsse."

FDP-Ratsherr Günter Wichert beklagt, dass der Antrag seiner Fraktion zum Rückkauf des Gorch-Fock-Schulgebäudes (Kiautschou-Kaserne) seit einem Jahr unsichtbar sei. Foto: Reese-Winne

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Maren Reese-Winne

Redakteurin
Cuxhavener Nachrichten/Niederelbe-Zeitung

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