Urplötzlich tauchte der Zettel mit der Ankündigung der Sperrung des Gemeinschaftsstroms vergangene Woche an der Eingangstür auf; die Mieter können sich darauf keinen Reim machen. Foto: Reese-Winne
Urplötzlich tauchte der Zettel mit der Ankündigung der Sperrung des Gemeinschaftsstroms vergangene Woche an der Eingangstür auf; die Mieter können sich darauf keinen Reim machen. Foto: Reese-Winne
Immer mehr Wohnungen stehen leer

Alpha-Real Estate-Wohnungen in Cuxhaven: Stromsperre im letzten Moment abgewendet?

von Maren Reese-Winne | 06.11.2024

Wird es in ihrem Treppenhaus ab jetzt düster? Eine Ankündigung versetzte Mieter der Alpha Real Estate im Matthias-Claudius-Weg in Cuxhaven in Alarmbereitschaft - mal wieder.

Der Steinbelag im Treppenhaus des Mehrfamilienhauses im Matthias-Claudius-Weg 39 a ist fast schwarz, auch von den dunkelrot verklinkerten Wänden ist keine Erhellung zu erwarten. Vor dem Hintergrund versetzte ein Aushang die Mieterinnen und Mieter in Alarmbereitschaft. Am 6. November (Mittwoch) sollte der Gemeinschaftsstrom abgeschaltet werden.

Bürgersteig bliebe ebenfalls stockfinster

"Kein Licht mehr im Treppenhaus? Das würde bedeuten, dass ich meine Wohnung ab nachmittags nicht mehr verlassen könnte", sagt eine in der zweiten Etage wohnende Mieterin, die nur überlegen kann, was sonst noch alles mit der Abschaltung der Stromversorgung außer Betrieb ginge: die Kellerbeleuchtung ganz gewiss, hoffentlich nicht auch noch die Heizungsanlage. "Wenn auch noch die Außenbeleuchtung ausfiele, bliebe es auch auf dem Bürgersteig stockfinster", ergänzt sie.

Plötzlich ein Zettel an der Eingangstür

"Ankündigung Sperrung Gemeinschaftsanlage" steht auf dem von der EWE Netz unterschriebenen Zettel, der vor wenigen Tagen plötzlich auf der Eingangstür klebte. Warum gerade in ihrem Eingang? Die Betroffenen wissen es nicht. Erst im September hatten Anwohner des John-Brinckman-Wegs 8 eine ähnliche Überraschung erlebt. Beide Häuser gehören zum Komplex der 281 Alpha-Real-Estate-Wohnungen im Stadtteil Süder-/Westerwisch.

Im September konnte die Sperrung abgewendet werden. Die EWE habe nach dem Kontakt mit dem Insolvenzverwalter die Androhung zurückgenommen, berichtete EWE-Sprecher Dietmar Bücker; im Rahmen des Insolvenzverfahrens sollten auch keine weiteren Sperrungen erfolgen.

"Auf den Verkauf der Wohnungen warten"

Sämtliche Bemühungen der Anwohner, noch vor dem Feiertag (31. Oktober) die Sache zu regeln, liefen ins Leere: Die sich im Insolvenzverfahren in Eigenregie befindliche Alpha Real Estate sei wie gewohnt auf Tauchstation geblieben, die EWE habe sich auf Datenschutz berufen und keine Informationen herausgegeben, berichtet eine Anwohnerin. Einzige Auskunft bei der Kanzlei des vom Amtsgericht Mannheim beauftragten Sachwalters: Man möge auf den Verkauf der Wohnungen warten, dann werde alles wieder gut.

Auftrag plötzlich zurückgenommen

Am Mittwoch, dem Tag der beabsichtuigten Sperrung, dann ein Hinweis aus dem offenbar mit dem Außendienst beauftragten Unternehmen C+K Service GmbH in Sottrum: Der Auftrag sei zurückgenommen, zumindest am selben Tag sei nicht mehr mit einer Sperrung zu rechnen. Dass seit zwei Jahren nicht mehr die TAG Immobilien AG, sondern inzwischen die Alpha Real Estate als Vermieter fungiere, sei dem Gesprächspartner völlig unbekannt gewesen, erzählt die Anwohnerin.

Hängepartie seit November 2022

Die Hängepartie dauere für sie seit November 2022 an: "Wir haben genau drei Briefe gekommen: die Vorstellung als neuer Vermieter, die Verkündung eines neuen Bankkontos für die Zahlung der Mieten und eine Mieterhöhung." Auf E-Mails und Briefe gebe es keine Reaktion, ein von mehreren Nachbarn unterzeichneter Brandbrief sei ungeöffnet zurückgekommen. Über Kaufinteressierte kursierten lediglich Gerüchte.

Unterdessen stünden immer mehr Wohnungen im John-Brinckman-Weg, dem Brockesweg und im Matthias-Claudius-Weg leer, die Rede sei inzwischen von sicherlich rund 60 Wohnungen, und das in einer Stadt mit bekanntem Wohnungsnotstand. "Selbst Wohnungen von Verstorbenen liegen unberührt da; sogar deren Autos stehen noch auf den Parkplätzen", berichtet sie.

Einst der Stolz eines neuen Stadtviertels

Keiner kümmere sich um die Schwachstellen wie die maroden, über 50 Jahre alten Rohrleitungen. Schäden wüchsen ins Unermessliche, was das einst sehr beliebte Wohngebiet weiter schwäche: "Dabei wollen wir gerne weiter hier wohnen." Das Umfeld, die Nachbarschaft und der Wohnungszuschnitt stimmten, viele schwärmten von den alten Zeiten.

Als das Viertel von 1967 bis 1970 errichtet wurde, waren die Bewohner stolz, eine so schöne Wohnung zu bekommen. Nur wenige wissen, dass die Planung auf einen renommierten Architekten zurückgeht: Wir werden darüber berichten.

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Maren Reese-Winne

Redakteurin
Cuxhavener Nachrichten/Niederelbe-Zeitung

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