CNV Medien

Vor zehn Jahren wurde der Rad- und Wanderweg durch das ehemalige Marine-Munitionsdepot zwischen Altenwalde und Oxstedt eröffnet. Foto: Reese-Winne
Vor zehn Jahren wurde der Rad- und Wanderweg durch das ehemalige Marine-Munitionsdepot zwischen Altenwalde und Oxstedt eröffnet. Foto: Reese-Winne
Natur und Geschichte

Cuxhaven-Altenwalde: Vor zehn Jahren wurde der Weg durchs Munitionsdepot freigegeben

von Maren Reese-Winne | 03.10.2026

Es war eine Wiederbelebung von Erinnerungen und gleichzeitig eine Entdeckungsreise, als im Sommer 2016 die historische Wegeverbindung zwischen Altenwalde und Oxstedt als Rad- und Wanderweg wiedereröffnet wurde - mit vielen  Visionen und Wünschen. 

Erst der Rückzug der Bundeswehr und die Aufgabe des Marine-Munitionsdepots 6 im Jahr 2005 hatten dies möglich gemacht. Einige Zeitzeugen hatten den Weg als Kinder noch in den frühen 60er-Jahren erlebt, bevor er sich für Jahrzehnte geschlossen hatte. Freudige Erwartung lag also über der Szenerie, als die lokale Prominenz und Bürgerinnen und Bürger am 22. August 2016 auf dem Gelände des früheren Lagers Kiefernhorst zusammenkamen.  Es gab Erbsensuppe aus der Feuerwehr-Feldküche und freudige Ausblicke in die Zukunft.

Naturerlebnis statt "Verbotskeule"

Der damalige Oberbürgermeister Ulrich Getsch hob das gemeinsame Wirken von Stadt, niedersächsischem Umweltministerium, dem Bundesamt für Naturschutz und der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) an einer Lösung hervor, die das Gelände wieder zugänglich machen sollte. Die Zuständigkeit wurde der DBU Naturerbe übertragen, die interessiert daran war, die wertvolle Umgebung zu schützen, aber auch Natur "ohne Verbotskeule" erlebbar zu machen.  

Der Weg durch das ehemalige Munitionsdepot wird für Radtouren, Spaziergänge und Gassirunden rege genutzt. Foto: Reese-Winne
Vor zehn Jahren wurde der Rad- und Wanderweg von Altenwalde nach Oxstedt quer durch das ehemalige Marine-Munitionsdepot 6 eröffnet. Foto: Reese-Winne

Standort vieler Katastrophenschutz-Organisationen

Die Stadt Cuxhaven gewann nicht nur einen befestigten Rad- und Wanderweg sowie einen parallel dazu verlaufenden Reitweg hinzu, sondern auch interessante Immobilien. Das frühere Kiefernhorst-Areal ist heute Standort für viele Katastrophenschutz-Organisationen und war bereits Schauplatz größerer und kleinerer Übungen. Damals schon ins Auge gefasst war, die gegenüberliegenden Empfangs- und Verwaltungsgebäude für das Tierheim in der Hinterhand zu behalten; eine Perspektive, die jetzt langsam Form anzunehmen verspricht.

Die Strecke wurde auf Anhieb in Beschlag genommen und ist es bis heute: Einheimische schätzen die schnelle Verbindung zwischen den Ortsteilen bei ihren alltäglichen Erledigungen, Ausflügler genießen die Natur,  Hundebesitzerinnen und -besitzer nutzen den Weg als Gassi-Strecke. Ein echter Gewinn, findet auch ein Paar mit seinen drei Hunden, das gerade auf einer Bank Pause macht. Zu verbessern gibt es für die beiden nichts.

Eine fast unwirklich erscheinende Szenerie: Im Unterholz abseits des Weges sind auf den zweiten Blick auf hohen Stängeln Pilze zu sehen, so weit das Auge reicht. Reese-Winne

Laubbäume gewinnen langsam die Oberhand

Ein paar Schlaglöcher sind hinzugekommen in zehn Jahren, und der Wald hat sich deutlich gewandelt. Er ist lichter geworden; die Kieferbestände sind zugunsten der Laubbäume reduziert worden. Aufgestapelte Baumstämme lagern in sogenannten Poltern entlang der Strecke. Weiße Pfeile und rote Punkte auf einzelnen Baumstämmen kennzeichnen schon die Orte, an denen es als Nächstes weitergehen soll.

Die Mehlbeeren der einst ansehnlichen Allee haben Federn gelassen. Foto: Reese-Winne

Ziemlich angeschlagen zeigt sich die einstige Mehlbeeren-Allee. Das wurde schon bei der Eröffnung prophezeit. Als Pflanzen des Offenlands finden diese hier nicht die optimalen Bedingungen vor. Schon damals hatte der damalige Förster Henning Wehebrink damit begonnen, die Kronen abgestorbener Mehlbeeren zu kappen. 

Überraschungen im Wald rechts und links

Der Blick nach rechts und links lohnt sich. Überall schauen Pilze aus dem Grün, kleine Lichtungen tun sich auf, dann wieder Abschnitte mit dichtem Birken- oder Buchenwald. An einer Stelle - fast schon in Oxstedt - plötzlich ein Waldstück wie im Märchen: Aus einer dichten Laubdecke lugen an schmalen Stängeln Hunderte von Pilzen hervor und es würde auch die nüchternsten Gemüter nicht verwundern, wenn im nächsten Moment ein paar Elfen oder Wichtel daherkämen.

Entlang der Strecke sind am Wegesrand im Herbst überall Pilze zu sehen. Essbar sind aber nicht alle. Foto: Reese-Winne

Bleibt es für immer so wie heute?

Eingezäunte Abschnitte erinnern an die Vergangenheit. Die Munitionsbunker sollen nie zurückgebaut worden sein. Geplant war, sie mit Erde abzudecken. Zwangsläufig kommt vielen Ortskundigen der Gedanke in den Kopf, was wohl hier passieren mag, wenn die Bundeswehr in die Altenwalder Kaserne zurückkehren würde. Gemäß Kenntnisstand des Ortsbürgermeisters Ingo Grahmann besteht für ehemalige Militärflächen - auch das Munitionsdepot - immer eine Rücknahmegewähr für die Bundeswehr.

Nicht realisiert worden ist der touristische Ausbau: Zum angedachten Landschaftspflegehof mit Biergarten oder Café kam es nicht. Eine WC-Anlage hätten sich viele gewünscht, denn immerhin geht es in Oxstedt über die Straße "Am Heidfeld" weiter in viele beliebte Naherholungsgebiete im Wald und an der Küste.

Endpunkt des Weges am Tor in Oxstedt mit Info-Tafel über die Küstenheide und Notfalltreffpunkt-Nummer. Foto: Reese-Winne
Der QR-Code führt zur Naturerbe-App. An verschiedenen Stationen gibt es hier Informationen zum Gelände. Foto: Reese-Winne

Gelände hat eine Vorgeschichte 

Immerhin: Es gibt Bänke und Informationstafeln, Notfalltreffpunkte und QR-Codes mit Link zur Naturerbe-App mit Hintergrundinformationen zu dem ab 1959 errichteten Munitionsdepot sowie zur Vorgeschichte des Geländes als Marinesperrwaffenarsenal im Zweiten Weltkrieg.

Hier wurden Minen gebaut, vervollständigt und gelagert, später auch Munitionsnachschub für den Fliegerhorst in Nordholz untergebracht (Quelle: Festungswerke Cuxhaven). Nach Kriegsende entstand auf dem westlichen Teil des Geländes die Flüchtlingssiedlung "Kiefernhorst" (heute Katastrophenschutz). Weiter westlich (Richtung Oxstedt) befand sich die Flüchtlingssiedlung "Lager Oxstedt".

2014 wurden der ehemalige Verladebahnhof zurückgebaut und der Zaun um das ehemalige Depot 2018 weitgehend demontiert. Eingezäunt blieben die Baracken des früheren Lagers Oxstedt sowie die Erdbunker aufgrund von möglichen Absturzhöhen von vier bis fünf Metern.

Wie hat Ihnen der Artikel gefallen?

(1 Stern: Nicht gut | 5 Sterne: Sehr gut)

Feedback senden

CNV-Newsletter

Wissen, was im Cuxland los ist: Alle wichtigen Nachrichten aus der Stadt und dem Landkreis Cuxhaven direkt in Ihr Postfach. Hier für den CNV-Newsletter anmelden.


Top Nachrichten



Bild von Maren Reese-Winne
Maren Reese-Winne

Redakteurin
Cuxhavener Nachrichten/Niederelbe-Zeitung

reese-winne@no-spamcnv-medien.de

Lesen Sie auch...
Viele Veranstaltungen

Zugvogeltage 2026: Spektakuläre Vogelrouten und Rekorde

Kommunalwahl-Nachlese

Ratswahl Cuxhaven: So wurde in Ihrem Wahllokal abgestimmt

Konzert in der Kulturkirche

Friedenskonzert in Cuxhaven: Musik vereint und inspiriert

Havarie vor dem Strand

Blackout auf der Elbe querab von Cuxhaven-Altenbruch: Schlepper sichern "Ida Rambow"