Cuxhaven-Altenwalde: Vor zehn Jahren wurde der Weg durchs Munitionsdepot freigegeben
Es war eine Wiederbelebung von Erinnerungen und gleichzeitig eine Entdeckungsreise, als im Sommer 2016 die historische Wegeverbindung zwischen Altenwalde und Oxstedt als Rad- und Wanderweg wiedereröffnet wurde - mit vielen Visionen und Wünschen.
Erst der Rückzug der Bundeswehr und die Aufgabe des Marine-Munitionsdepots 6 im Jahr 2005 hatten dies möglich gemacht. Einige Zeitzeugen hatten den Weg als Kinder noch in den frühen 60er-Jahren erlebt, bevor er sich für Jahrzehnte geschlossen hatte. Freudige Erwartung lag also über der Szenerie, als die lokale Prominenz und Bürgerinnen und Bürger am 22. August 2016 auf dem Gelände des früheren Lagers Kiefernhorst zusammenkamen. Es gab Erbsensuppe aus der Feuerwehr-Feldküche und freudige Ausblicke in die Zukunft.
Naturerlebnis statt "Verbotskeule"
Der damalige Oberbürgermeister Ulrich Getsch hob das gemeinsame Wirken von Stadt, niedersächsischem Umweltministerium, dem Bundesamt für Naturschutz und der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) an einer Lösung hervor, die das Gelände wieder zugänglich machen sollte. Die Zuständigkeit wurde der DBU Naturerbe übertragen, die interessiert daran war, die wertvolle Umgebung zu schützen, aber auch Natur "ohne Verbotskeule" erlebbar zu machen.
Standort vieler Katastrophenschutz-Organisationen
Die Stadt Cuxhaven gewann nicht nur einen befestigten Rad- und Wanderweg sowie einen parallel dazu verlaufenden Reitweg hinzu, sondern auch interessante Immobilien. Das frühere Kiefernhorst-Areal ist heute Standort für viele Katastrophenschutz-Organisationen und war bereits Schauplatz größerer und kleinerer Übungen. Damals schon ins Auge gefasst war, die gegenüberliegenden Empfangs- und Verwaltungsgebäude für das Tierheim in der Hinterhand zu behalten; eine Perspektive, die jetzt langsam Form anzunehmen verspricht.
Die Strecke wurde auf Anhieb in Beschlag genommen und ist es bis heute: Einheimische schätzen die schnelle Verbindung zwischen den Ortsteilen bei ihren alltäglichen Erledigungen, Ausflügler genießen die Natur, Hundebesitzerinnen und -besitzer nutzen den Weg als Gassi-Strecke. Ein echter Gewinn, findet auch ein Paar mit seinen drei Hunden, das gerade auf einer Bank Pause macht. Zu verbessern gibt es für die beiden nichts.
Laubbäume gewinnen langsam die Oberhand
Ein paar Schlaglöcher sind hinzugekommen in zehn Jahren, und der Wald hat sich deutlich gewandelt. Er ist lichter geworden; die Kieferbestände sind zugunsten der Laubbäume reduziert worden. Aufgestapelte Baumstämme lagern in sogenannten Poltern entlang der Strecke. Weiße Pfeile und rote Punkte auf einzelnen Baumstämmen kennzeichnen schon die Orte, an denen es als Nächstes weitergehen soll.
Ziemlich angeschlagen zeigt sich die einstige Mehlbeeren-Allee. Das wurde schon bei der Eröffnung prophezeit. Als Pflanzen des Offenlands finden diese hier nicht die optimalen Bedingungen vor. Schon damals hatte der damalige Förster Henning Wehebrink damit begonnen, die Kronen abgestorbener Mehlbeeren zu kappen.
Überraschungen im Wald rechts und links
Der Blick nach rechts und links lohnt sich. Überall schauen Pilze aus dem Grün, kleine Lichtungen tun sich auf, dann wieder Abschnitte mit dichtem Birken- oder Buchenwald. An einer Stelle - fast schon in Oxstedt - plötzlich ein Waldstück wie im Märchen: Aus einer dichten Laubdecke lugen an schmalen Stängeln Hunderte von Pilzen hervor und es würde auch die nüchternsten Gemüter nicht verwundern, wenn im nächsten Moment ein paar Elfen oder Wichtel daherkämen.
Bleibt es für immer so wie heute?
Eingezäunte Abschnitte erinnern an die Vergangenheit. Die Munitionsbunker sollen nie zurückgebaut worden sein. Geplant war, sie mit Erde abzudecken. Zwangsläufig kommt vielen Ortskundigen der Gedanke in den Kopf, was wohl hier passieren mag, wenn die Bundeswehr in die Altenwalder Kaserne zurückkehren würde. Gemäß Kenntnisstand des Ortsbürgermeisters Ingo Grahmann besteht für ehemalige Militärflächen - auch das Munitionsdepot - immer eine Rücknahmegewähr für die Bundeswehr.
Nicht realisiert worden ist der touristische Ausbau: Zum angedachten Landschaftspflegehof mit Biergarten oder Café kam es nicht. Eine WC-Anlage hätten sich viele gewünscht, denn immerhin geht es in Oxstedt über die Straße "Am Heidfeld" weiter in viele beliebte Naherholungsgebiete im Wald und an der Küste.
Gelände hat eine Vorgeschichte
Immerhin: Es gibt Bänke und Informationstafeln, Notfalltreffpunkte und QR-Codes mit Link zur Naturerbe-App mit Hintergrundinformationen zu dem ab 1959 errichteten Munitionsdepot sowie zur Vorgeschichte des Geländes als Marinesperrwaffenarsenal im Zweiten Weltkrieg.
Hier wurden Minen gebaut, vervollständigt und gelagert, später auch Munitionsnachschub für den Fliegerhorst in Nordholz untergebracht (Quelle: Festungswerke Cuxhaven). Nach Kriegsende entstand auf dem westlichen Teil des Geländes die Flüchtlingssiedlung "Kiefernhorst" (heute Katastrophenschutz). Weiter westlich (Richtung Oxstedt) befand sich die Flüchtlingssiedlung "Lager Oxstedt".
2014 wurden der ehemalige Verladebahnhof zurückgebaut und der Zaun um das ehemalige Depot 2018 weitgehend demontiert. Eingezäunt blieben die Baracken des früheren Lagers Oxstedt sowie die Erdbunker aufgrund von möglichen Absturzhöhen von vier bis fünf Metern.
CNV-Newsletter
Wissen, was im Cuxland los ist: Alle wichtigen Nachrichten aus der Stadt und dem Landkreis Cuxhaven direkt in Ihr Postfach. Hier für den CNV-Newsletter anmelden.