Hans-Jürgen Umland steht vor "seinem" Leuchtturm "Dicke Berta" und richtet den Blick auf den Sportboothafen. Der Blick in die Zukunft hält für ihn mehr Freizeit parat. Foto: Kuczorra
Hans-Jürgen Umland steht vor "seinem" Leuchtturm "Dicke Berta" und richtet den Blick auf den Sportboothafen. Der Blick in die Zukunft hält für ihn mehr Freizeit parat. Foto: Kuczorra
Wahrzeichen in Altenbruch

"Mr. Dicke Berta" zieht sich zurück: Wie der Leuchtturm half, den Krebs zu besiegen

von Joscha Kuczorra | 16.02.2024

Nach über 20 Jahren ist Schluss: Hans-Jürgen Umland den Vorsitz des Fördervereins "Dicke Berta" ab. Seine bewegende Geschichte und sein Einsatz für das Wahrzeichen im Cuxhavener Stadtteil Altenbruch prägten eine Ära des Engagements.

Eine Ära geht zu Ende: Hans-Jürgen Umland gibt den Vorsitz des Fördervereins "Dicke Berta" am 24. Februar nach über 20 Jahren ab. Auch wenn ihm die Entscheidung alles andere als leichtfällt, ist es für den 80-Jährigen die richtige. Doch er wird dem Verein erhalten bleiben.

Abschied vom Vorsitz des Fördervereins Leuchtturm "Dicke Berta" Altenbruch

Vor etwa vier Jahren lag Hans-Jürgen Umland im Krankenhaus. Der Darmkrebs machte ihm zu schaffen. "Die 'Dicke Berta' hat mir gesagt: 'Du musst aufstehen und kämpfen'", erinnert sich der 80-Jährige mit brüchiger Stimme und feuchten Augen. Auch wenn er den Krebs besiegt hat, sind die Nachwehen noch zu spüren. Und es sind die Alterserscheinungen, die Umland dazu zwingen, sich als Vorsitzender des Fördervereins zu verabschieden.

Der Lampenraum ganz oben im Leuchtturm "Dicke Berta" ist Hans-Jürgen Umlands Lieblingsort. Foto: Kuczorra

Der Leuchtturm ist ihm ans Herz gewachsen. Ebenso sind es die Mitglieder: Der 80-Jährige ist allen dankbar, die im Laufe der Jahre ihren Dienst am technischen Denkmal verrichtet haben. Umland weiß: "Als erster Vorsitzender ist man nur so gut wie seine Mitglieder, die aktiv mitwirken." Aktuell sind es 225 Mitglieder. Etwa zehn Prozent davon sind aktiv.

Hans-Jürgen Umland: Von Groden über Cuxhaven nach Altenbruch

Hans-Jürgen Umland wurde in Groden geboren. Als er in der vierten Klasse war, ging es mit der Familie nach Cuxhaven. 1972 zog er dann mit seiner Frau Lilly nach Altenbruch. 1981 wurde er Mitglied im Ortsrat. Zwei Jahre später standen größere Industrie-Entwicklungen zwischen Cuxhaven und Otterndorf an. Es bildete sich eine Bürgerinitiative, die dafür sorgte, dass Altenbruch einen direkten Zugang zum Strand behält.

Als der Förderverein "Dicke Berta" Altenbruch entstand

Parallel dazu entstand 1983 der Förderverein Leuchtturm "Dicke Berta". Umland ist Gründungsmitglied. Ziel war es - und ist es bis heute -, den Standort des technischen Baudenkmals zu sichern. Bis zur Jahrtausendwende wurde der Leuchtturm aufwendig saniert. Bis dahin war Umland, gelernter Elektriker, der für die Post, die Bundeswehr und die Telekom arbeitete, laut eigener Aussage "arbeitendes Mitglied". Im Jahr 2000 stand der Verein ohne Vorstand da, Umland übernahm.

Hier oben im Lampenraum des Leuchtturms "Dicke Berta" fühlt sich Hans-Jürgen Umland wohl. Foto: Kuczorra

Über 20 Jahre lang im Cuxhavener Stadtrat aktiv

Als er als Mitglied des Cuxhavener Stadtrates, dem er zwischen 1993 und 2016 angehörte, gefragt wurde, ob er sich vorstellen könne, dass der Leuchtturm ein zusätzlicher Ort für Trauungen wird, musste Umland nicht lange überlegen. An fünf bis sechs Eheschließungen im Jahr dachte er damals, heute sind es bis zu 200 pro Jahr. Außerdem machen Führungen einen großen Teil des Vereinslebens aus. Fast 2750 Besucher hatte der Turm im Jahr 2023. "Wir hatten immer guten Zulauf. Aber das vergangene Jahr war der Wahnsinn", freut sich Umland.

Stundenlang im Einsatz für den Leuchtturm "Dicke Berta" in Altenbruch

Grob geschätzt war Umland in all den Jahren als Vorsitzender zehn Stunden pro Woche für den Leuchtturm ehrenamtlich im Einsatz - im Winter weniger, im Sommer mehr. Turm waschen, Pflege, Entfernen von Rost, Kontrolle, Überprüfen der Mechanik: Darum musste sich Umland kümmern. Alle fünf bis sechs Jahre ein neuer Anstrich, unzählige Telefonate führte er, repräsentierte den Förderverein in Gremien und hielt den Kontakt zu Vereinen. Als Unterstützer hebt er den Ortsrat sowie die Feuerwehr, den Verkehrsverein, das Deutsche Rote Kreuz, die Stadtsparkasse Cuxhaven, örtliche Unternehmen und Privatpersonen hervor.

Das Dreieck Villa Gehben, St.-Nicolai-Kirche und "Dicke Berta" in Altenbruch

Umland hofft, dass der Verein so fortgeführt wird, wie es sich die Gründer damals gedacht haben - immer im Sinne der Allgemeinheit: "Die Villa Gehben, die St.-Nicolai-Kirche und die 'Dicke Berta' gehören zum Ensemble Altenbruchs." Zudem wünscht sich der 80-Jährige, dass die Bildungsreisen zu befreundeten Leuchtturm-Fördervereinen wiederaufgenommen werden, nachdem die Ausflüge in der Corona-Zeit eingeschlafen sind. "Das fördert das Zusammenleben im Verein", ist er sich sicher.

Hans-Jürgen Umland genießt die Aussicht vom Lampenraum des Leuchtturms "Dicke Berta" auf den Sportboothafen Altenbruch. Foto: Kuczorra

Hans-Jürgen Umland in Partnerschaft Altenbruch-Sulniac aktiv

Er will im Ort aktiv bleiben, ist Mitglied der Partnerschaft Altenbruchs mit der französischen Gemeinde Sulniac. Außerdem steht er dem neuen Vorstand mit Rat und Tat zur Seite. "Wir werden Hans-Jürgen häufiger brauchen, als er im Moment denkt", verspricht Ulrike Grünrock-Kern, die selbst aktives Mitglied im Förderverein ist. Sie beschreibt Umland als "hochengagiert, mitreißend", aber auch "ein Stück eigensinnig".

Jetzt bleibt Hans-Jürgen Umland mehr Zeit mit Ehefrau Lilly und dem Rest der Familie, zu der die beiden Töchter Karin und Kerstin sowie die Enkelkinder Nick und Pia gehören. Und dann wird er weiter für die Wiederaufnahme der Fährverbindung zwischen Cuxhaven und Brunsbüttel kämpfen - so wie er es jahrzehntelang für "seinen" Leuchtturm "Dicke Berta" getan hat.

Das ist der Leuchtturm "Dicke Berta" in Cuxhaven-Altenbruch

Der Leuchtturm war als Unterfeuer zwischen 1897 und 1983 in Betrieb. Er steht auf dem Elbdeich am Altenbrucher Hafen. Heute ist der etwa 13 Meter hohe, schwarz-weiße Leuchtturm denkmalgeschützt.

Heutzutage sind nicht nur Führungen durch den Leuchtturm möglich, sondern er dient auch als Standesamt. Jedes Jahr werden bis zu 200 Trauungen in der "Dicken Berta" durchgeführt.

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Joscha Kuczorra

Redakteur
Cuxhavener Nachrichten/Niederelbe-Zeitung

jkuczorra@no-spamcuxonline.de

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