Nikolaus 2024: Vor dem Bürgerbahnhof steht erstmals ein beleuchteter Weihnachtsbaum. Am 5. Dezember 2018 wurde Cuxhavens Bahnhof dank des Engagements der Bürgerinnen und Bürger wieder eröffnet. Foto: Potschka
Nikolaus 2024: Vor dem Bürgerbahnhof steht erstmals ein beleuchteter Weihnachtsbaum. Am 5. Dezember 2018 wurde Cuxhavens Bahnhof dank des Engagements der Bürgerinnen und Bürger wieder eröffnet. Foto: Potschka
Zwei "Leuchttürme" verliehen

Zwei "Preise" - mit klarer Botschaft für Cuxhaven: Goldener und Rostiger Leuchtturm

von Jens Potschka | 08.12.2024

Cuxhavens Bürgerbahnhof erstrahlt, ein anderes ehemaliges Vorzeigeobjekt hingegen verblasst im Schatten der Vernachlässigung. Jetzt wurden beide "Denkmäler" von einer Bürgerinitiative mit Preisen bedacht. Einer davon ist aber nicht erstrebenswert.

Der Nikolaustag 2024 war trefflich gewählt: Die Bürgerinitiative "Für ein lebenswertes Cuxhaven" verlieh erstmals den "Goldenen Leuchtturm" an die Bürgerbahnhof-Genossenschaft Cuxhaven, deren Rettungsgeschichte wie ein Lehrstück über Gemeinschaftssinn und Durchhaltevermögen wirkt. Gleichzeitig wurde der "Rostige Leuchtturm" an die Stadt Cuxhaven verliehen, die ihr maritimes Denkmal, den Gaffelschoner "Hermine", seit nunmehr drei Jahren vernachlässigt. Die Initiative spricht von einem mahnenden Beispiel für die Herausforderungen des Denkmalschutzes und die Versäumnisse im Umgang mit historischen Schätzen.

Noch vor 15 Jahren galt der Bahnhof Cuxhaven als Sinnbild des Verfalls. Die Cuxhavener Nachrichten titelten 2009 drastisch: "Willkommen im Nordseeheilbad Cuxhaven - Dreck ohne Ende". Der Ruf nach Veränderung wurde laut, und aus anfänglicher Kritik formierte sich eine Bürgerinitiative, die das historische Empfangsgebäude unbedingt erhalten wollte. Ihr Ziel: den Bahnhof nicht nur vor dem Abriss zu retten, sondern ihn zu einem neuen "Wahrzeichen der Stadt" und als modernen Verkehrsknotenpunkt zu entwickeln.

Ein Bahnhof schreibt Geschichte 

2013 wurde der entscheidende Schritt getan: die Gründung der Bürgerbahnhof-Genossenschaft Cuxhaven, die es durch den Verkauf von Anteilen und mit Unterstützung der Stadt sowie des Landes Niedersachsen schaffte, das historische Gebäude zu erwerben. Die anschließende Sanierung entpuppte sich als Mammutaufgabe. "Es war mehr als nur ein Gebäude. Es war ein Stück lebendige Stadtgeschichte, die wir bewahren wollten", erinnert sich einer der aktiven Genossen im Gespräch mit unserem Medienhaus.

Wolfgang Petermann von der Bürgerinitiative "Für ein lebenswertes Cuxhaven" (2.v.l.) überreicht am Nikolaustag erstmals den "Goldenen Leuchtturm" an Gabriele Grubel, Michael Glenz und Stefan Hirschfelder (r.) vom Vorstand der Bürgerbahnhof-Genossenschaft Cuxhaven. Foto: Potschka

Besonders die Aktion "Steinrettung" bleibt unvergessen: Hunderte Cuxhavener befreiten in mühsamer Handarbeit die alten Klinker von Mörtel, um sie später fachgerecht wieder verbauen zu lassen. Dieses Bürgerengagement zeigt, was eine Gemeinschaft erreichen kann, wenn Herz und Tatkraft Hand in Hand gehen.

"Am 5. Dezember 2018 konnte der Bahnhof nach Jahren der Sanierung endlich wiedereröffnet werden - und feiert damit heute nicht nur den Gewinn des 'Goldenen Leuchtturms', sondern am Nikolaustag 2024 auch seinen sechsten Geburtstag", freute sich der Vorsitzende der Bürgerinitiative Wolfgang Petermann. Heute gilt das Projekt Bürgerbahnhof Cuxhaven landesweit als richtungsweisend.

Beleuchteter Sanierungsfall: Gaffelschoner "Hermine"

Doch während der Bahnhof leuchtet, steht die Hermine im sprichwörtlichen Schatten. Der 1904 erbaute Gaffelschoner ist eines der wenigen noch erhaltenen Holzschiffe seiner Art. Einst ein stolzes, viel fotografiertes Denkmal maritimer Geschichte, ist sie heute ein Sanierungsfall, dem sogar der Abriss droht.

Kurz vor dem Weihnachtsfest 2022 wurden die beiden stolzen Masten und der Klüverbaum der Hermine amputiert. Seitdem verfällt der Gaffelschoner vor aller Augen Monat für Monat ein Stück mehr. Foto: Potschka

Die Stadtverwaltung ließ im Dezember 2022 aus Sicherheitsgründen die zwei stolzen Masten und den Klüverbaum entfernen. Ein Gutachten bescheinigte die mangelnde Standsicherheit der Masten. Eine Restaurierung des in die Jahre gekommenen Holzschiffes würde fast eine Million Euro kosten - eine Summe, die angesichts der klammen Haushaltslage der Stadt Cuxhaven als unrealistisch gilt.

Ein Licht schien im Sommer 2023 aufzuleuchten, als im Rahmen eines aus Fördermitteln finanzierten Beleuchtungsprojektes auch die Hermine in ein neues Licht getaucht wurde. Doch diese symbolische Geste konnte nicht über die fehlende Perspektive hinwegtäuschen. Das Schiff verfällt vor aller Augen weiter.

"Für das ausbleibende Engagement bei der Erhaltung und Entwicklung des Gaffelschoners Hermine erhält die Stadt den ,Rostigen Leuchtturm 2024'": Wolfgang Petermann von der Bürgerinitiative "Für ein lebenswertes Cuxhaven" wird den Preis in den kommenden Tagen persönlich im Rathaus vorbeibringen. Foto: Potschka

"Mit dem 'Rostigen Leuchtturm' möchten wir den Finger in die Wunde legen", erklärt Wolfgang Petermann von der Bürgerinitiative heute. "Wir hoffen, dass die Stadt Cuxhaven in Zukunft besser mit ihren Denkmälern umgeht. Denn die Hermine ist mehr als nur Holz, sie ist ein maritimes Denkmal." Stadtkämmerer Marcus Itjen wollte den Preis ursprünglich am Nikolaustag für die Stadtverwaltung im Lokschuppen des Bürgerbahnhofs in Empfang nehmen. Er sagte den Termin jedoch kurzfristig via Mail ab. Wolfgang Petermann wird ihm den "Rostigen Leuchtturm" in den kommenden Tagen deshalb persönlich ins Rathaus bringen.  

Nikolaustag in Cuxhaven mit einer deutlichen Botschaft

Mit der erstmaligen Verleihung der beiden Leuchttürme möchte die Bürgerinitiative einen Dialog anstoßen. "Der Bahnhof zeigt, was bürgerschaftliches Engagement möglich machen kann, wenn alle an einem Strang ziehen. Die Hermine hingegen mahnt, nicht zu spät zu handeln, wenn es um den Erhalt kultureller Identität geht." 

Die Cuxhavener City steht heute zwischen Licht und Schatten - und hat die Chance, in beiden Fällen daraus zu lernen: "Ein goldener Leuchtturm soll glänzen. Ein rostiger Leuchtturm soll Ansporn sein", sagt Wolfgang Petermann und reflektiert damit abschließend auf die gern zitierte Botschaft "Besitztum verpflichtet".

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Jens Potschka

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Cuxhavener Nachrichten/Niederelbe-Zeitung

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