Erleichterung für die Mieter des Hochhauses im John-Brinckman-Weg 5: Zumindest die im Raum stehende Bleibelastung des Trinkwassers scheint vom Tisch. Foto: Reese-Winne
Erleichterung für die Mieter des Hochhauses im John-Brinckman-Weg 5: Zumindest die im Raum stehende Bleibelastung des Trinkwassers scheint vom Tisch. Foto: Reese-Winne
Vermietung in Süderwisch

Wasserschäden in Cuxhaven: Lebenszeichen der Alpha Real Estate

von Maren Reese-Winne | 17.07.2024

Und sie bewegt sich doch: Auf ein Schreiben der Stadt Cuxhaven hat die Alpha Real Estate, Vermietungsgesellschaft von rund 280 Wohnungen in Süderwisch, reagiert. Zuletzt hatten viele Mieter auch noch mit Ungewissheit über ihr Trinkwasser zu tun.

Der Zustand einiger Wohnungen im Hochhaus John-Brinckman-Weg 5 hatte die Stadt zu einer Anhörung bewogen. Sie berief sich dabei auf das niedersächsische Wohnraumschutzgesetz, das Vermieter zum Erhalt bewohnenswerten und gesunden Wohnraums verpflichtet. 

Gemeinden können Druck ausüben

Ist das nicht der Fall, sind Gemeinden laut dem im März 2021 verabschiedeten Wohnraumschutzgesetz berechtigt, selbst Maßnahmen zur Wiederherstellung ordentlicher Wohnverhältnisse in Auftrag zu geben oder den Wohnraum als unbewohnbar zu erklären. Der Vermieter ist dann verpflichtet, Mieterinnen oder Mietern auf eigene Kosten Ausweichquartiere anzubieten. Zuvor müssen ihm allerdings Fristen zur Beseitigung des Schadens und zur weiteren Problemlösung eingeräumt werden.   

Richter spricht klare Worte über Zustand der Wohnung

Im Frühjahr hatte unsere Zeitung mehrfach über massive Wasserschäden und fortschreitenden Schimmelbefall in einigen Wohnungen des Hochhauses berichtet. Bei einem Gerichtstermin war außerdem bereits im Januar die Tragweite der Schäden in der Erdgeschoss-Wohnung einer über 90-jährigen Bewohnerin festgestellt worden. Einen Verbleib dort hielt der Richter des Amtsgerichts Cuxhaven für kaum noch zumutbar. Die Bedingungen für eine Mietkürzung seien absolut gegeben.

Wasser tropfte von der Decke

Bei einem Ortstermin in der darüber liegenden Wohnung, in der der Schimmel bereits Küche, Flur und Teile des Schlafzimmers eingenommen hatte und das Wasser von der Decke tropfte, zeigten sich Abordnungen der Baubehörde der Stadt und des Kreis-Gesundheitsamts im April bestürzt über das Ausmaß des Schadens, der sich zu der Zeit noch stetig verschlimmerte.

Die Mieter berichteten, dass sie die Vermietungsgesellschaft monatelang auf die Situation aufmerksam gemacht hätten - ohne Reaktion seitens des Unternehmens. Stadtbaurat Andreas Eickmann kündigte an, von Amts wegen an die Alpha Real Estate heranzutreten, die sich seit November 2023 in einer Insolvenz in Eigenregie befindet..

Anfragen und Beschwerden liefen oft ins Leere

Während Mieterinnen und Mieter und auch Institutionen wie der Deutsche Mieterbund in der Vergangenheit mit ihren telefonisch und schriftlich vorgebrachten Anfragen und Beschwerden meist auf Granit bissen, gab es nun eine Reaktion auf das Schreiben der Stadt. Andreas Eickmann: "Alpha Real Estate will offenbar die betroffenen Wohnungen leer ziehen. Ich hoffe, dass dann in Bälde auch die Mängel beseitigt werden."

Ein betroffenes Ehepaar erhielt kurz nach dem Behördenbesuch tatsächlich ein alternatives Wohnungsangebot - im selben Haus, nur in der siebten Etage. Plötzlich habe auch ein neuer Hausmeister vor der Tür gestanden. Da stand für die Eheleute jedoch bereits der Beschluss, Alpha Real Estate den Rücken zu kehren, sie haben das Angebot deshalb ausgeschlagen.

Auch ob das Hochhaus aus oder die Häuser der Nachbarschaft unter Denkmalschutz stehen könnte, hat Andreas Eickmann inzwischen recherchiert. Das sei nicht der Fall.

Wochenlange Ungewissheit über Bleibelastung

In neue Aufregung wurden die Bewohnerinnen und Bewohner Anfang Juni durch ein Schreiben versetzt, in dem ihnen geraten wurde, das Leitungswasser nicht zur Zubereitung von Speisen oder zum Trinken zu verwenden, da eine erhöhte Bleibelastung im Raum stehe. "Ein Schock", so eine Bewohnerin seinerzeit. Für sie bedeute die Umstellung auf Mineralwasser in Flaschen Schlepperei und Kosten. Grundlage für den Verdacht sei möglicherweise das Ergebnis einer privat in Auftrag gegebenen Trinkwasseranalyse, mutmaßte sie.

Das Gesundheitsamt des Landkreises wurde tätig. Am 2. Juli soll ein zertifiziertes Labor eine Trinkwasseruntersuchung durchgeführt haben. Inzwischen liegt ein Teilergebnis vor: Das Wasser im Hochhaus John-Brinckmann-Weg 5 soll in Ordnung sein. Den Bewohnern wurde dies nicht etwa durch die zuständige Vermietungsgesellschaft bekanntgegeben, der das Ergebnis bereits vorlag, sondern sie erfuhren hiervon erst, nachdem einer von ihnen am Montag dieser Woche in der Behörde nachgefragt hatte. Das Ergebnis für einen weiteren Block (Hausnummer 12) steht nach Mitteilung des Gesundheitsamts noch aus.

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Maren Reese-Winne

Redakteurin
Cuxhavener Nachrichten/Niederelbe-Zeitung

mreese-winne@no-spamcuxonline.de

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