Nach einer Kollision mit dem Frachter "Polesie" war die 90 Meter lange "Verity" am 24. Oktober vergangenen Jahres in der Nordsee gesunken. Foto: Dietmar Hasenpusch/dpa
Nach einer Kollision mit dem Frachter "Polesie" war die 90 Meter lange "Verity" am 24. Oktober vergangenen Jahres in der Nordsee gesunken. Foto: Dietmar Hasenpusch/dpa
Nach Schiffsunglück im Oktober

Wird das Wrack der "Verity" geborgen oder nicht? Plan für gesunkenen Frachter steht

von Kai Koppe | 22.01.2024

Ziemlich genau drei Monate ist es her, dass der Frachter "Verity" nach der Kollision mit der "Polesie" in der Nähe von Helgoland sank. Noch immer befindet sich das Schiffswrack in der Nordsee. Jetzt wurde eine Entscheidung getroffen.

Am 24. Oktober 2023 kam es in der Nordsee 22 Kilometer südwestlich der Hochseeinsel Helgoland und 31 Kilometer nordöstlich der ostfriesischen Insel Langeoog zu einer verheerenden Kollision: Nachdem die "Verity" und die "Polesie" zusammengestoßen waren, kamen fünf Seeleute ums Leben. Noch immer liegt das Wrack eines der Schiffe auf dem Grund der Nordsee.

"Ja, das Wrack der Verity soll geborgen werden": Auf Nachfrage der CN/NEZ-Redaktion bestätigt die Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes (WSV), dass entgegen anderslautender Spekulationen vorgesehen ist, den nach einer Schiffskollision bei Helgoland gesunkenen Frachter zu heben. Ein Bergungsauftrag soll offenbar in wenigen Tagen ausgeschrieben werden. Die jüngste Entwicklung nährt auch die Diskussion um das Andenken an vier vermisst bleibende Seeleute und einen tot geborgenen Kollegen.

Bei bisherigen Tauchgängen seien keine Leichen von Crew-Mitgliedern entdeckt worden, heißt es seitens der Generaldirektion Wasserstraßen und Schifffahrt, die allerdings nicht ausschloss, dass sich die sterblichen Überreste der Männer (dem Vernehmen nach mit philippinischen, indonesischen sowie entweder russischen oder ukrainischen Pässen) noch an Bord befinden. Eine Bergung des 91 Meter langen Frachters, der am 24. Oktober nach einem Zusammenstoß mit der MS "Polesie" gesunken war, wird vermutlich Gewissheit bringen - anders, als es im Rahmen eines "Alternativszenarios" der Fall gewesen wäre: Nach Informationen unseres Medienhauses soll es zwischenzeitlich Überlegungen gegeben haben, den zum Unglückszeitpunkt unter britischer Flagge fahrenden Havaristen auf dem Meeresgrund zu belassen. In diesem Fall wäre das Wrack der "Verity" allerdings trotzdem bewegt worden: Insider berichteten von der Möglichkeit, das Küstenmotorschiff in eine zuvor ausgehobene Unter-Wasser-Grube zu bugsieren.

Wulf will sich um Auftrag bewerben

Nachdem diese unter Kostenaspekten entwickelte Variante verworfen wurde, geht es nun darum, Spezialisten zu finden, die in der Lage sind, das Wrack "am Stück oder in Segmenten" (Zitat WSV) zu heben. Die zuständige Behörde erwähnt in diesem Zusammenhang die Notwendigkeit, einen leistungsstarken Kran über der zwölf Seemeilen südwestlich von Helgoland gesunkenen "Verity" in Stellung zu bringen.

"Wir werden uns auf die Ausschreibung bewerben", kündigte Andreas Wulf, einer der beiden Geschäftsführer der Schlepp- und Bergungsreederei Otto Wulf, am Montag gegenüber unserer Redaktion an. Das Cuxhavener Unternehmen war bereits in den zurückliegenden Monaten in das Thema "Verity" involviert gewesen. So hatten Wulf-Teams nach dem Untergang bereits Treibgut wie das Rettungsboot geborgen und - als erste Vorsichtsmaßnahme - die Masten des gesunkenen Schiffes gekappt. Das war notwendig, damit auch die Tiefgänger gefahrlos über das Wrack fahren konnten. Nach Angaben von Andreas Wulf hatten sich die Masten der "Verity" nämlich kaum mehr als 16 Meter unterhalb der Wasserlinie befunden. Bei starkem Ostwind oder bei niedrigem Wasserstand hätte ein Schiff mit viel Tiefgang damit in Berührung kommen können, so Wulf.

Katastrophe wirkt nach

Wann genau eine Bergung erfolgen soll, steht aktuell noch nicht fest. Perspektivisch spricht die Schifffahrtsdirektion vom bevorstehenden Frühjahr - einem Zeitraum also, in dem die Wetterbedingungen einigermaßen stabil und Sturmereignisse weitaus weniger wahrscheinlich sind als in diesen Tagen.

Kurz nach dem meteorologischen Frühlingsbeginn übrigens wird die verhängnisvolle Kollision von "Polesie" und "Verity" an anderer Stelle Erwähnung finden: In einem Gottesdienst am traditionell in St. Petri veranstalteten "Sonntag der Seefahrt" (3. März). Seemannsdiakon Martin Struwe bestätigte, dass es darüber hinaus so etwas wie eine "Vorüberlegung" gebe, mit einer eigenen Gedenkfeier an die Opfer des Untergangs zu erinnern. Nicht spruchreif sei allerdings, ob solch eine Veranstaltung tatsächlich in Cuxhaven durchgeführt werden soll, beziehungsweise wer so ein Totengedenken organisiert. Dass diese Art von Aufarbeitung angemessen sein könnte, scheint gleichwohl außer Frage zu stehen. Aus einer rein persönlichen Sichtweise heraus sprach Struwe davon, dass das "Verity"-Unglück nach wie vor nachwirke. Es habe gezeigt, welche Bedeutung der seinerzeit seelsorgerisch involvierten Seemannsmission zukomme, aber auch offenbart, "wie wir im Ernstfall gefordert sind". Im Alltag im Hafen spiele der Fall inzwischen vielleicht keine Rolle mehr. Nach der Kollision sei das Thema allerdings bei vielen Schiffsbesuchen sehr präsent gewesen.

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Kai Koppe

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Cuxhavener Nachrichten/Niederelbe-Zeitung

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