Umweltministerium nach Schaf-Hetzjagd in Lamstedt: "Halten Wolfsabschuss für richtig"
Nach der Hetzjagd auf Schafe in der Börde Lamstedt: Umweltministerium und Landkreis stimmen nach Informationen der NEZ/CN-Redaktion die Vorgehensweise gegen die Wolfsausbreitung eng ab. Dabei kann aus dem Jäger sehr schnell der Gejagte werden.
Die Botschaft ist eindeutig: Landrat Thorsten Krüger möchte nicht länger tatenlos zusehen, wie die oft zitierten "Problemwölfe" im Cuxland ihr Unwesen treiben. Er ringt um eine kurzfristige Lösungsmöglichkeit per Schnellabschuss oder "anderen Möglichkeiten" zur schnellen Bestandsregulierung; nicht zuletzt mit Blick auf die jüngsten Vorkommnisse in Stinstedt mit zwei Dutzend toten Schafen. Entsprechende Gespräche mit dem niedersächsischen Umweltministerium laufen nach Informationen von cnv-medien.de. Aber: Selbst wenn der Abschuss eines Wolfes oder mehrerer Wölfe genehmigt wird, bleiben Fragen offen. Der letzte Versuch vor einem halben Jahr ging nämlich komplett daneben.

Auf die jüngste Sitzung des Kreis-Umweltausschusses zu Wochenbeginn warfen die zwei Wolfsattacken auf eine Schafherde in der Börde Lamstedt ihre Schatten. Weit mehr als 20 Tiere waren zum Teil kilometerweit von Wölfen durch die Gegend getrieben und angegriffen worden. Die Bilanz: Zwei Dutzend Schafe starben direkt durch die Angriffe des Wolfes oder mussten von Tierärzten angesichts ihrer schweren Verletzungen später erlöst und eingeschläfert werden.
Eine Bilanz, die sprach- und fassungslos macht, Ängste schürt und die Fragen aufwirft, ob denn Behörden und Politik tatenlos zusehen, wie Nutztiere gerissen und Wölfe in dieser Region geschützt werden und sich anscheinend grenzenlos ausbreiten können. Zur Klarstellung gehört jedoch: Lokale Behörden und politische Gremien sind angesichts übergeordneter (und insbesondere gesetzlicher) Rahmenbedingungen nur bedingt in der Lage, steuer- und beeinflussbar in das Geschehen direkt vor Ort einzugreifen.

Das zeigte sich nicht zuletzt im Herbst vergangenen Jahres, als es um den zeitlich begrenzten "Schnellabschuss" eines Wolfes im Cuxland ging. Drei Wochen sollte es eigentlich möglich gemacht werden, dass in einem Radius von 1000 Metern um einen konkreten Riss-Ort ein Problemwolf abgeschossen wird. Im Bürokratendeutsch ist von einer "Entnahme" die Rede. "Entnahme" hört sich vielleicht abstrakt an, aber ist letzten Endes nichts anderes als die Jagd auf den Wolf.

Nach dem "Halali" schlug er zu
Doch die drei Wochen reichten für einen gezielten Schuss nicht aus. Vor Verwaltungsgerichten kam es zu Auseinandersetzungen, ob ein solches Vorgehen gegen den Wolf überhaupt rechtmäßig ist. Binnen weniger Tage gab es unterschiedliche Gerichtsentscheidungen. Währenddessen formierte sich ein regelrechter Tourismus von selbst ernannten "Wolfsschützern", die versuchten, die Jagd auf das Raubtier zu stören. Das Fazit nach drei Wochen: Außer einem öffentlich ausgetragenen Diskurs gab es keine Bewegung. Die Frist für die "Entnahme" lief ab, der Wolf hatte weiterhin freie Bahn. Und als hätte er es geahnt, dass die Jagd auf ihn eingestellt werden würde, schlug er unmittelbar nach dem "Halali" wieder zu.

Land und Kreis in "engem Austausch"
Doch seinen Artgenossen, die zurzeit im Cuxland insbesondere Nutztiere jagen, könnten unbequemere Zeiten bevorstehen. Am Dienstag (24. Februar 2026) reagierte das niedersächsische Umweltministerium auf eine Anfrage der Redaktion der Niederelbe-Zeitung und der Cuxhavener Nachrichten exklusiv und bestätigte erneute Gespräche zwischen dem Land und dem Landkreis Cuxhaven: "In der Tat sind der Minister und der Landrat in engem Austausch. Der Landkreis plant daher mit Unterstützung der Fachleute des Landes, eine Abschussgenehmigung zu erteilen. Ausnahmegenehmigungen zur Entnahme von Problemwölfen können in Niedersachsen Landkreise auch selbst erteilen, wenn sie die dafür notwendigen rechtlichen Voraussetzungen als erfüllt ansehen. Das muss nicht zwingend vom Umweltministerium ausgehen oder von uns genehmigt werden, wobei wir den Abschuss in diesem Fall für richtig halten und unterstützen", so der stellvertretende Pressesprecher des Umweltministeriums, Matthias Eichler.

Das gibt dem Cuxhavener Landrat Thorsten Krüger in seiner Vorgehensweise Rückenwind: "Ich bin dafür, dass der eine oder andere Abschuss eines Wolfes bei uns erfolgt. Wir arbeiten auch gerade an einem Schnellabschuss für den letzten Fall, den wir hatten, und darüber hinausgehenden Regelungen, dass wir dort noch den einen oder anderen weiteren Abschuss machen dürfen."
"Wir wollen den Wolf nicht ausrotten"
Er fügte hinzu: "Aber - und auch das ist klar: Es steht uns nicht zu, eine Tierart auszurotten. Wir dürfen aber jedoch nicht vergessen, dass wir hier bei uns Rinder, Schafe und Pferde schützen müssen. Herdenschutzzäune sind auch bereits vom Wolf überwunden worden; da muss man mal ganz ehrlich sein. Und da stellt sich zwangsläufig die Frage: Wie gehen wir damit um?", hatte er erst am Montag (23. Februar 2026) bei der Sitzung des Kreis-Umweltausschusses erklärt.
Wie genau jetzt eine mögliche behördlich angeordnete "Entnahme" eines Wolfes oder mehrerer Wölfe erfolgt, befindet sich in der Feinabstimmung der Landes- und Kommunalbehörden. Details sind noch nicht bekannt, da sie auch noch nicht abschließend geklärt worden sind. Angesichts der Brisanz des Themas ist es zudem fraglich, in welcher Form sie für die Allgemeinheit veröffentlicht werden.