Zwei tote Schafe liegen an der Hauptstraße Mittelstenahes am Fahrbahnrand. Die Herde wurde zum Teil kilometerweit getrieben. Foto: Kramp
Zwei tote Schafe liegen an der Hauptstraße Mittelstenahes am Fahrbahnrand. Die Herde wurde zum Teil kilometerweit getrieben. Foto: Kramp
Im Kreis Cuxhaven im Fadenkreuz?

Umweltministerium nach Schaf-Hetzjagd in Lamstedt: "Halten Wolfsabschuss für richtig"

von Egbert Schröder | 25.02.2026

Nach der Hetzjagd auf Schafe in der Börde Lamstedt: Umweltministerium und Landkreis stimmen nach Informationen der NEZ/CN-Redaktion die Vorgehensweise gegen die Wolfsausbreitung eng ab. Dabei kann aus dem Jäger sehr schnell der Gejagte werden.

Die Botschaft ist eindeutig: Landrat Thorsten Krüger möchte nicht länger tatenlos zusehen, wie die oft zitierten "Problemwölfe" im Cuxland ihr Unwesen treiben. Er ringt um eine kurzfristige Lösungsmöglichkeit per Schnellabschuss oder "anderen Möglichkeiten" zur schnellen Bestandsregulierung; nicht zuletzt mit Blick auf die jüngsten Vorkommnisse in Stinstedt mit zwei Dutzend toten Schafen. Entsprechende Gespräche mit dem niedersächsischen Umweltministerium laufen nach Informationen von cnv-medien.de. Aber: Selbst wenn der Abschuss eines Wolfes oder mehrerer Wölfe genehmigt wird, bleiben Fragen offen. Der letzte Versuch vor einem halben Jahr ging nämlich komplett daneben.

Im Fadenkreuz: Wann ist der Abschuss eines Wolfs rechtlich keine Grauzone, sondern gesetzlich verbindlich geregelt? Es gibt viele offene Fragen in der Gesamtthematik. Foto: Carsten Rehder/dpa

Auf die jüngste Sitzung des Kreis-Umweltausschusses zu Wochenbeginn warfen die zwei Wolfsattacken auf eine Schafherde in der Börde Lamstedt ihre Schatten. Weit mehr als 20 Tiere waren zum Teil kilometerweit von Wölfen durch die Gegend getrieben und angegriffen worden. Die Bilanz: Zwei Dutzend Schafe starben direkt durch die Angriffe des Wolfes oder mussten von Tierärzten angesichts ihrer schweren Verletzungen später erlöst und eingeschläfert werden.

Eine Bilanz, die sprach- und fassungslos macht, Ängste schürt und die Fragen aufwirft, ob denn Behörden und Politik tatenlos zusehen, wie Nutztiere gerissen und Wölfe in dieser Region geschützt werden und sich anscheinend grenzenlos ausbreiten können. Zur Klarstellung gehört jedoch: Lokale Behörden und politische Gremien sind angesichts übergeordneter (und insbesondere gesetzlicher) Rahmenbedingungen nur bedingt in der Lage, steuer- und beeinflussbar in das Geschehen direkt vor Ort einzugreifen. 

Mit einem Schuss allein ist es bei den aktuellen Entwicklungen in der Börde Lamstedt wohl nicht getan: Mehrere Wölfe sollen eine rund 100-köpfige Schafherde über mehrere Kilometer hinweg zwischen Stinstedt und Mittelstenahe durch die Gegend getrieben haben. Das bleibt wahrscheinlich nicht folgenlos. Behörden sehen kurzfristigen Handlungsbedarf und führen Gespräche. Foto: Bernd Wüstneck/dpa

Das zeigte sich nicht zuletzt im Herbst vergangenen Jahres, als es um den zeitlich begrenzten "Schnellabschuss" eines Wolfes im Cuxland ging. Drei Wochen sollte es eigentlich möglich gemacht werden, dass in einem Radius von 1000 Metern um einen konkreten Riss-Ort ein Problemwolf abgeschossen wird. Im Bürokratendeutsch ist von einer "Entnahme" die Rede. "Entnahme" hört sich vielleicht abstrakt an, aber ist letzten Endes nichts anderes als die Jagd auf den Wolf.

Schafe auf einer "Winterweide" in Stinstedt: Landwirte nutzen für ihre Tiere diese Möglichkeit in der kalten Jahreszeit, wenn sie nicht auf Deichflächen grasen. Archivfoto: Schröder

Nach dem "Halali" schlug er zu

Doch die drei Wochen reichten für einen gezielten Schuss nicht aus. Vor Verwaltungsgerichten kam es zu Auseinandersetzungen, ob ein solches Vorgehen gegen den Wolf überhaupt rechtmäßig ist. Binnen weniger Tage gab es unterschiedliche Gerichtsentscheidungen. Währenddessen formierte sich ein regelrechter Tourismus von selbst ernannten "Wolfsschützern", die versuchten, die Jagd auf das Raubtier zu stören. Das Fazit nach drei Wochen: Außer einem öffentlich ausgetragenen Diskurs gab es keine Bewegung. Die Frist für die "Entnahme" lief ab, der Wolf hatte weiterhin freie Bahn. Und als hätte er es geahnt, dass die Jagd auf ihn eingestellt werden würde, schlug er unmittelbar nach dem "Halali" wieder zu.

In Wanna schlägt der Wolf im November 2025 - kurz bevor die Frist für den Abschuss auslief. Foto: privat

Land und Kreis in "engem Austausch"

Doch seinen Artgenossen, die zurzeit im Cuxland insbesondere Nutztiere jagen, könnten unbequemere Zeiten bevorstehen. Am Dienstag (24. Februar 2026) reagierte das niedersächsische Umweltministerium auf eine Anfrage der Redaktion der Niederelbe-Zeitung und der Cuxhavener Nachrichten exklusiv und bestätigte erneute Gespräche zwischen dem Land und dem Landkreis Cuxhaven: "In der Tat sind der Minister und der Landrat in engem Austausch. Der Landkreis plant daher mit Unterstützung der Fachleute des Landes, eine Abschussgenehmigung zu erteilen. Ausnahmegenehmigungen zur Entnahme von Problemwölfen können in Niedersachsen Landkreise auch selbst erteilen, wenn sie die dafür notwendigen rechtlichen Voraussetzungen als erfüllt ansehen. Das muss nicht zwingend vom Umweltministerium ausgehen oder von uns genehmigt werden, wobei wir den Abschuss in diesem Fall für richtig halten und unterstützen", so der stellvertretende Pressesprecher des Umweltministeriums, Matthias Eichler.

Zwei Dutzend Schafe kamen bei den Wolfsattacken in der Börde Lamstedt ums Leben. Foto: Kramp

Das gibt dem Cuxhavener Landrat Thorsten Krüger in seiner Vorgehensweise Rückenwind: "Ich bin dafür, dass der eine oder andere Abschuss eines Wolfes bei uns erfolgt. Wir arbeiten auch gerade an einem Schnellabschuss für den letzten Fall, den wir hatten, und darüber hinausgehenden Regelungen, dass wir dort noch den einen oder anderen weiteren Abschuss machen dürfen."

"Wir wollen den Wolf nicht ausrotten"

Er fügte hinzu: "Aber - und auch das ist klar: Es steht uns nicht zu, eine Tierart auszurotten. Wir dürfen aber jedoch nicht vergessen, dass wir hier bei uns Rinder, Schafe und Pferde schützen müssen. Herdenschutzzäune sind auch bereits vom Wolf überwunden worden; da muss man mal ganz ehrlich sein. Und da stellt sich zwangsläufig die Frage: Wie gehen wir damit um?", hatte er erst am Montag (23. Februar 2026) bei der Sitzung des Kreis-Umweltausschusses erklärt.

Wie genau jetzt eine mögliche behördlich angeordnete "Entnahme" eines Wolfes oder mehrerer Wölfe erfolgt, befindet sich in der Feinabstimmung der Landes- und Kommunalbehörden. Details sind noch nicht bekannt, da sie auch noch nicht abschließend geklärt worden sind. Angesichts der Brisanz des Themas ist es zudem fraglich, in welcher Form sie für die Allgemeinheit veröffentlicht werden.

Wie hat Ihnen der Artikel gefallen?

(1 Stern: Nicht gut | 5 Sterne: Sehr gut)

Feedback senden

CNV-Nachrichten-Newsletter

Hier können Sie sich für unseren CNV-Newsletter mit den aktuellen und wichtigsten Nachrichten aus der Stadt und dem Landkreis Cuxhaven anmelden.

Die wichtigsten Meldungen aktuell


Bild von Egbert Schröder
Egbert Schröder

Redakteur
Cuxhavener Nachrichten/Niederelbe-Zeitung

eschroeder@no-spamcuxonline.de

Lesen Sie auch...
Weitere Nutztierrisse

Wölfe reißen in Börde Lamstedt schon wieder Schafe - wenige Tage nach der Hetzjagd

von Wiebke Kramp

Ein erneuter Wolfsangriff erschüttert Stinstedt in der Börde Lamstedt (Kreis Cuxhaven): Vier Schafe fallen diesmal den Raubtieren zum Opfer. Der Schäfer fühlt sich machtlos. Die jüngsten Vorfälle lassen die Stinstedter nicht zur Ruhe kommen.

Sicherheitsleistung erhoben

Lastwagen-Unfall auf der L116 bei Moorausmoor: Fahrer flüchtet, Polizei stoppt ihn

von Redaktion

Ein Sattelzugfahrer verursacht einen Unfall auf der L116 bei Moorausmoor und flüchtet. Zeugen berichten, dass er den Schaden begutachtet, aber weiterfährt. Die Polizei stoppt ihn später.

Totalschaden

Unfall in der Börde Lamstedt: Zwei junge Männer nach Baumkollision schwer verletzt

Ein schwerer Unfall auf der K34 bei Mittelstenahe hat am Montagnachmittag für einen Großeinsatz von Feuerwehr, Rettungsdienst und Polizei gesorgt. Zwei junge Männer wurden schwer verletzt - die Rettung gestaltete sich schwierig.

"Die Zitrone ist ausgequetscht"

Finanzieller Handlungsspielraum für Börde Lamstedt ist aufgebraucht

von Ulrich Rohde

Es gibt zwei gute Nachrichten aus der Börde Lamstedt. Erstens: Der Haushaltsplan  ist ausgeglichen. Zweitens: Erstmals ist es gelungen, einen Haushalt vorschriftsmäßig vor Beginn des Haushaltsjahres zu beschließen. Es gab aber auch weniger Positives.